Bombus burmensis
Bombus burmensis trägt ihren heutigen Namen erst seit 2020. Davor galt sie 22 Jahre lang überhaupt nicht als eigene Art, sondern als Synonym einer anderen.
Beschrieben wurde das Tier 1937 von Alexander Skorikow, nach Königinnen aus Myanmar, damals Burma. Er stellte es in die Untergattung Diversibombus und nannte es malaisei, nach dem Sammler des Materials.
Ein Name, der zweimal vergeben war
Das Problem lag darin, dass der Name malaisei innerhalb der Gattung Bombus schon besetzt war. Bischoff hatte ihn 1930 für ein anderes Tier verwendet, für eine Hummel, die heute als Synonym von Bombus czerskianus geführt wird.
Nach den Nomenklaturregeln ist der jüngere der beiden Namen damit nicht verwendbar. Paul Williams schlug 2020 in einer zweiseitigen Notiz burmensis als Ersatznamen vor, mit Bezug auf das Herkunftsland des Typenmaterials.
22 Jahre als Synonym
Williams selbst hatte den Namen 1998 vorläufig zu Bombus trifasciatus gezogen, einer weit verbreiteten Art Ost- und Südasiens, und diese Einschätzung 2009 in der Bearbeitung der Hummeln Sichuans bestätigt. Damit war malaisei keine Art mehr, sondern ein Eintrag in einer Synonymliste.
Diesem Sammelbecken ging es wie vielen anderen: Es löste sich wieder auf. In die damalige Fassung von Bombus trifasciatus waren mindestens fünf weitere Namen eingegangen, darunter albopleuralis, das Friese 1916 aus Indien beschrieben hatte. In der Weltartenliste von 2026 stehen albopleuralis und burmensis wieder als eigene Arten, unmittelbar nebeneinander.
Solche Auflösungen sind der Normalfall geworden, seit Genvergleiche zur Verfügung stehen. Was aussieht wie eine veränderliche weit verbreitete Art, erweist sich häufig als mehrere ähnliche Arten mit kleineren Gebieten.
Wie dünn die Grundlage ist
Der Nachweis, auf den sich der Artstatus von 2026 stützt, ist eine einzige Gensequenz, ein Abschnitt des Gens COI mit der Kennung KP671668. Weitere Sequenzen für die fünf anderen im Stammbaum ausgewerteten Gene liegen für diese Art nicht vor.
Der alte Weltkatalog der Hummeln, der für die meisten Arten wenigstens eine grobe Region nennt, führt zu diesem Namen nichts als den Namen selbst. Keine Verbreitungsangabe, keine Zahl geprüfter Belegtiere, keinen Hinweis auf Körpermerkmale.
Was nicht bekannt ist
Kein Nest dieser Art ist beschrieben. Es gibt keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Jahresablauf, keine beobachtete Paarung, keine Liste besuchter Blüten und keine Höhenangabe. Das Verbreitungsgebiet ist über die Typuslokalität in Myanmar hinaus nicht umrissen.
Der Grund liegt weniger bei der Art als bei der Region. Myanmar gehört zu den entomologisch am schlechtesten bearbeiteten Ländern Asiens. Systematische Aufsammlungen von Hummeln stammen dort überwiegend aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und langjährige Kartierungsprogramme, wie sie in Europa und Nordamerika seit Jahrzehnten laufen, gibt es nicht.
Was helfen würde
Der naheliegende Schritt wäre die Durchsicht von Museumsmaterial aus Nordmyanmar und dem angrenzenden Yunnan, das bislang unter dem Namen Bombus trifasciatus abgelegt ist. Genau dort dürften Belege dieser Art liegen.
Weil die Typuskönigin fehlt, wäre zusätzlich die Festlegung eines Ersatztypus nötig, damit der Name überhaupt an einem greifbaren Tier hängt. Solange das aussteht, bleibt Bombus burmensis eine Art, die vor allem auf dem Papier existiert.
Quellen
- Williams P.H. 2020. Bombus burmensis replaces B. malaisei (Skorikov). Journal of Natural History 53: 2737 bis 2738
- Williams P.H., Tang Y., Yao J. & Cameron S. 2009. The bumblebees of Sichuan (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Systematics and Biodiversity 7: 101 bis 190
- Williams P.H. 1998. An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum, London (Entomology) 67: 79 bis 152
- Williams P.H. 2021. Not just cryptic, but a barcode bush: PTP re-analysis of global data for the bumblebee subgenus Bombus s. str. Journal of Natural History 55: 271 bis 282
- Williams P.H. et al. 2026. Evolutionary tree for all bumblebee species world-wide estimated by combining information from fast-evolving genes, slow-evolving genes, and genomic data (Apidae, Bombus). Insects 17: 540
- https://www.inaturalist.org/observations/324676539
- https://www.inaturalist.org/observations/316435680
- https://www.inaturalist.org/observations/28416248


