Zaun-Wicke (Vicia sepium)

Zaun-WickeDie Zaun-Wicke gehört zu den Schmetterlingsblütlern und trägt den wissenschaftlichen Namen Vicia sepium. Der Artname kommt von lateinisch sepes, der Zaun oder die Hecke, und beschreibt genau ihren Standort: Sie wächst an Waldrändern, in Hecken und Gebüschsäumen, wo sie sich an Nachbarpflanzen hochzieht.

Gebräuchlich sind auch die Schreibweise Zaunwicke und der Name Gemeine Wicke. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist sie eine häufige, ungefährdete heimische Wildpflanze.

Steckbrief

  • Blütezeit: Mai bis Juli, in höheren Lagen bis August
  • Boden: frische, nährstoffreiche, meist lehmige Böden, mäßig sauer bis kalkhaltig
  • Licht: Halbschatten bis Sonne, verträgt lichten Schatten an Waldrändern
  • Wasserbedarf: gleichmäßig frisch, nicht trockenheitsverträglich, meidet Staunässe
  • Wuchshöhe: 30 bis 60 Zentimeter, klimmend bis etwa 100 Zentimeter
  • Lebensdauer: ausdauernde Staude, treibt jedes Jahr aus einem kriechenden Wurzelstock neu aus, Selbstaussaat findet statt
  • Überwinterung: winterhart, der oberirdische Trieb stirbt ab, überwintert wird mit dem Rhizom knapp unter der Bodenoberfläche
  • Vermehrung: über Rhizomausläufer und Samen, im Garten am einfachsten durch Aussaat im Herbst oder Teilung des Wurzelstocks
  • Besucher: vor allem langrüsselige Hummeln wie Gartenhummel und Ackerhummel, dazu Pelzbienen; kurzrüsselige Hummeln beißen die Blüten seitlich auf
  • Pollenfarbe: Graubraun
  • Giftigkeit: nicht als Giftpflanze geführt; die Samen sind wie bei anderen Wicken kein Nahrungsmittel, Vergiftungsfälle sind für diese Art nicht beschrieben
  • Herkunft: heimische Wildpflanze Europas und Westasiens, kein Neophyt

Erkennungsmerkmale

Die Blätter sind paarig gefiedert und tragen fünf bis neun Fiederpaare. Am Blattende sitzt keine Endfieder, sondern eine verzweigte Ranke, mit der sich die Pflanze festhält. Die Nebenblätter am Stängelansatz sind halbpfeilförmig und meist gezähnt.

Die Blüten stehen zu zwei bis sechs in kurzen Trauben in den Blattachseln, jede etwa 12 bis 15 Millimeter lang. Ihre Farbe ist kein reines Violett, sondern ein trübes, ins Bräunliche gehendes Purpur, oft mit dunkleren Adern auf der Fahne. Diese matte Färbung unterscheidet sie zuverlässig von der Vogel-Wicke, deren Blüten kräftig blauviolett sind und in langen, einseitswendigen Trauben mit zwanzig und mehr Blüten stehen.

Aus den Blüten werden schwarze, kahle Hülsen. Sie öffnen sich bei Trockenheit ruckartig und drehen sich dabei auf, wodurch die Samen mehrere Meter weit geschleudert werden.

info pflanzeDie Zaun-Wicke bietet Nektar auch außerhalb der Blüten an. Auf den Nebenblättern sitzen dunkle Drüsenflecken, sogenannte extraflorale Nektarien, die Zuckerlösung ausscheiden. Sie werden vor allem von Ameisen besucht. Nach der verbreiteten Deutung handelt es sich um einen Tauschhandel: Die Ameisen verteidigen die Pflanze gegen Blattfresser und werden dafür mit Nektar bezahlt.

Bedeutung als Trachtpflanze

Die Blütenröhre ist so gebaut, dass der Nektar am Grund liegt und nur mit langer Zunge erreichbar ist. Deshalb sind die regulären Bestäuber langrüsselige Hummeln, an erster Stelle die Gartenhummel, dazu die Ackerhummel und Pelzbienen der Gattung Anthophora.

Kurzrüsselige Arten kommen an diesen Nektar nicht heran und nehmen einen anderen Weg: Sie beißen seitlich am Blütengrund ein Loch und trinken von außen. Dieser Nektarraub ist bei der Zaun-Wicke gut zu beobachten, weil die aufgebissenen Blüten deutlich sichtbare Löcher behalten. Honigbienen nutzen die vorhandenen Löcher anschließend mit, ohne selbst welche anzulegen.

Zeitlich fällt die Blüte in eine günstige Phase. Sie beginnt im Mai, wenn die Obstblüte vorbei ist und die Sommerblüher noch nicht soweit sind. Für Hummelvölker, die in dieser Zeit ihre erste Arbeiterinnengeneration aufziehen, ist das eine Versorgungslücke, und die Zaun-Wicke hilft sie zu schließen.

Standort und Ansiedlung im Garten

Wer die Art ansiedeln will, braucht keine Sonderbehandlung, sondern die passende Stelle: einen frischen, nährstoffreichen Saum am Gehölzrand, an einem Zaun oder an einer Hecke, wo sie sich anlehnen kann. In der offenen Staudenbeetmitte wird sie von kräftigeren Nachbarn verdrängt.

Die Aussaat gelingt im Herbst mit Saatgut heimischer Herkunft. Wie alle Wicken lebt sie mit Knöllchenbakterien der Gattung Rhizobium an den Wurzeln zusammen und bindet damit Stickstoff aus der Luft. Auf mageren Flächen, die man gerade mager halten will, ist sie deshalb nicht die richtige Wahl.

Pflege braucht sie kaum. Ein Rückschnitt ist nicht nötig, und wer die Hülsen ausreifen lässt, bekommt Nachwuchs von selbst. Ausbreiten kann sie sich über die Rhizome durchaus kräftig, bleibt aber weit von dem Ausbreitungsdrang mancher Gartenstauden entfernt.

Verwechslungsarten

Neben der Vogel-Wicke kommt die Hecken-Wicke, Vicia dumetorum, in Frage. Sie hat ebenfalls achselständige Trauben, ist aber deutlich seltener, wächst in Laubwäldern auf Kalk und hat weniger, dafür größere Fiederpaare.

Ähnlich sehen auch die Platterbsen, etwa die Wiesen-Platterbse. Bei ihnen ist der Stängel häufig kantig oder geflügelt, und die Blätter tragen meist nur ein bis zwei Fiederpaare. Die Fiederzahl der Zaun-Wicke von fünf bis neun Paaren trennt sie davon sicher.

Quellen

  • Oberdorfer E. 2001. Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Ulmer, Stuttgart
  • Düll R. & Kutzelnigg H. 2016. Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. 8. Auflage, Quelle & Meyer, Wiebelsheim
  • Westrich P. 2018. Die Wildbienen Deutschlands. Ulmer, Stuttgart
  • Bundesamt für Naturschutz: Pflanzensteckbrief Vicia sepium, abrufbar über floraweb.de
  • Info Flora, Nationales Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora: Artdatenblatt Vicia sepium, abrufbar über infoflora.ch
  • https://www.inaturalist.org/observations/398542643

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