Bombus branickii
Im Jahr 1893 bekam dieselbe Kuckuckshummel zweimal einen Namen. Oktawiusz Radoszkowski beschrieb sie in einer französischen Zeitschrift, Ferdinand Morawitz im selben Jahr in einer russischen, als Ergänzung zur Bienenfauna Turkestans. Beide arbeiteten mit Material aus Zentralasien, das über dieselben Kanäle nach Sankt Petersburg kam.
Durchgesetzt hat sich Radoszkowskis Name. Bombus branickii ist heute die am weitesten verbreitete Kuckuckshummel des Himalaya.
Von Afghanistan bis in die Mongolei
Das Verbreitungsgebiet umfasst den westlichen Himalaya und das Hochland von Tibet und Qinghai. Es reicht darüber nach Afghanistan und Zentralasien hinein und weiter bis nach Nordchina und in die Mongolei. Kernlebensraum ist blütenreiches Grasland der subalpinen Stufe, und dort ist die Art häufig.
Häufig und weit verbreitet, das ist unter den acht Kuckuckshummeln des Himalaya die Ausnahme. Die meisten anderen gelten als selten oder werden nur aus Teilgebieten gemeldet.
Eine Lebensweise ohne eigene Arbeiterinnen
Kuckuckshummeln bilden keinen eigenen Staat. Es gibt bei ihnen nur Weibchen und Männchen, keine Arbeiterinnenkaste. Ein Weibchen sucht im Frühjahr das Nest einer anderen Hummelart, dringt ein, setzt sich gegen die dortige Königin durch und legt ihre Eier. Die fremden Arbeiterinnen ziehen die Brut auf.
Weil sie keinen Pollen für eigene Larven sammeln müssen, fehlt den Weibchen das Sammelkörbchen. Die Hinterschiene ist außen gewölbt und behaart statt glatt und ausgehöhlt. An diesem Merkmal erkennt man eine Kuckuckshummel im Zweifel am sichersten.
Woran man sie erkennt
Die Weibchen messen 18 bis 20 Millimeter, die Männchen 13 bis 14. Die Zunge ist mittellang.
Die ähnlichste Art ist eine zweite Kuckuckshummel des Gebirges. Getrennt wird über den sechsten Bauchring: Bei Bombus branickii ragen dessen seitliche Leisten von oben gesehen über den sechsten Rückenring hinaus, bei der Vergleichsart nicht. Vier weitere Arten aus anderen Untergattungen sehen ebenfalls ähnlich aus, sie werden über die behaarte Hinterschiene abgetrennt.
Bei den Männchen entscheidet der Haltezangenanhang. Sein hinterer Abschnitt ist deutlich länger als breit, und der Innenrand ist stark eingebogen, wenn man senkrecht von oben schaut.
Was trotz Häufigkeit fehlt
Es gibt keine Beobachtung, wie ein Weibchen dieser Art in ein fremdes Nest eindringt, keine Angabe zur Zahl der Nachkommen, keine Liste der Blüten, an denen die Tiere Nektar aufnehmen, und keinen Bestandstrend.
Das liegt nicht an der Seltenheit, sondern an der Art der Untersuchung, die nötig wäre. Wirtsbeziehungen klärt man, indem man Nester der in Frage kommenden Arten findet und über eine Saison beobachtet. Im westlichen Himalaya, in Afghanistan und in der Mongolei gibt es dafür weder Arbeitsgruppen noch laufende Programme. Was vorliegt, sind Sammlungsbelege, und aus denen lässt sich ein Wirt nicht ablesen.
Quellen
- Williams P.H. 2022. The Bumblebees of the Himalaya. An Identification Guide. Abc Taxa 21, CEBioS und Königlich Belgisches Institut für Naturwissenschaften, Brüssel. Frei abrufbar über abctaxa.naturalsciences.be
- Radoszkowski O. 1893. Descriptions d’hyménoptères nouveaux. Revue d’entomologie 12: 241 bis 245
- Morawitz F.F. 1893. Supplement zur Bienenfauna Turkestans. Trudy Russkago entomologicheskago obshchestva 28 (1894): 3 bis 87
- Tkalců B. 1969. Beiträge zur Kenntnis der Fauna Afghanistans. Bombinae, Apoidea, Hym. Casopis Moravského musea v Brne 53: 189 bis 210
- Williams P.H. 2008. Do the parasitic Psithyrus resemble their host bumblebees in colour pattern? Apidologie 39: 637 bis 649
- Williams P.H., Tang Y., Yao J. & Cameron S. 2009. The bumblebees of Sichuan (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Systematics and Biodiversity 7: 101 bis 190


