Kryptarum-Erdhummel (Bombus cryptarum)

Die Kryptarum-Erdhummel kommt in ganz Europa vor, von den Orkney-Inseln und Nordrussland im Norden bis nach Süditalien und in den Iran im Süden. In Deutschland ist sie flächendeckend nachgewiesen, gilt aufgrund unzureichender Datenlage aber als Art der Roten-Liste-Kategorie D. Als Ubiquist besiedelt sie fast jeden offenen Lebensraum: trockene Mager- und Fettwiesen, Heidelandschaften, Weiden, Böschungen, Weg- und Straßenränder, aber auch Gebüsche, Gärten und Parkanlagen. In den Alpen steigt sie bis auf 2700 Meter Höhe.

Taxonomisch gehört Bombus cryptarum zum sogenannten Bombus-lucorum-Komplex, dem neben ihr noch Bombus lucorum, Bombus magnus und Bombus terrestris zugerechnet werden. Der Artstatus der vier Formen ist unter Fachleuten umstritten, da sie sich im Gelände kaum unterscheiden lassen. Erst biochemische und genetische Untersuchungen konnten hier in den vergangenen Jahrzehnten etwas Klarheit schaffen.

info hummelInnerhalb ihrer Untergattung ist die Kryptarum-Erdhummel die am weitesten verbreitete Hummelart der Welt. Ihr Vorkommen reicht von Europa über weite Teile Asiens bis nach Alaska und in den Nordwesten Kanadas, wo sie in Tundra und Taiga lebt.

Bestimmungsmerkmale

Am Foto lässt sich die Kryptarum-Erdhummel nicht sicher von den anderen Arten des Bombus-lucorum-Komplexes unterscheiden. Die größte Verwechslungsgefahr besteht mit der Großen Erdhummel (Bombus magnus), die äußerlich nahezu identisch ist. Beide Arten tragen zwei schmale goldgelbe Querbinden: eine auf dem Thorax, unmittelbar hinter dem kurzen Kopf, die zweite etwa mittig auf dem zweiten Hinterleibssegment. Die Thorax-Binde reicht bei beiden Arten bis unter den Flügelansatz. Zur Unterscheidung von der Hellen Erdhummel (Bombus lucorum) mit ihren zitronengelben und der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) mit ihren braungelben Querbinden hilft der Farbton der Binden. Die letzten beiden Hinterleibssegmente sind grauweiß gefärbt, im unteren Gesichtsfeld sitzen meist einige gelbliche Haarbüschel.

Ein auffälliges Merkmal ist der kurze Rüssel: Mit 9 bis 10 Millimetern bei der Königin liegt er deutlich unter dem vieler anderer Hummelarten und schränkt die Auswahl tief gebauter Blüten ein.

Königin

  • Länge: 18–20 mm
  • Flügelspannweite: 36–38 mm
  • Rüssel: 9–10 mm

Arbeiterin

  • Länge: 9–16 mm
  • Flügelspannweite: 19–32 mm
  • Rüssel: 8–9 mm

Drohn

  • Länge: 13–16 mm
  • Flügelspannweite: 30–33 mm
  • Rüssel: 7–9 mm

Nistweise und Volksentwicklung

Die überwinterten Königinnen suchen von Mitte März bis Mai einen Nistplatz. Bevorzugt werden verlassene Mäusebauten und ähnliche unterirdische Hohlräume; gelegentlich nimmt die Art auch oberirdische Quartiere wie Baumhöhlen oder Vogelnistkästen an. Als Nestbezieherin gründet die Königin ihr Volk in einem bereits vorhandenen Hohlraum, statt selbst zu graben.

Die Völker bleiben klein und umfassen meist nur 70 bis 150 Tiere. Ab Anfang Juli erscheinen die ersten Jungköniginnen und Drohnen, die Arbeiterinnen sterben in den Wochen danach, sodass die Völker im August erlöschen. Bis in den September lassen sich vereinzelt noch Jungköniginnen bei der Suche nach einem Winterquartier beobachten.

Bei der Nahrungssuche zeigt sich die Art wenig wählerisch: Sie besucht eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzenfamilien und gilt daher als polylektisch.

Kuckuckshummeln

Als Brutparasiten der Kryptarum-Erdhummel sind die Böhmische Kuckuckshummel (Bombus bohemicus) und die Rotschwarze Kuckuckshummel (Bombus rupestris) bekannt. Beide legen ihre Eier in fremden Völkern ab und lassen die Brut von den Arbeiterinnen der Wirtsart aufziehen.

Quellen

  • wildbienen.de: Hummel-Arten – Bombus cryptarum, www.wildbienen.de/b-crypta.htm
  • Deutschland summt!: Wildbiene des Monats September 2018 – Heide-Erdhummel, www.deutschland-summt.de
  • NatureServe Explorer: Bombus cryptarum, explorer.natureserve.org
  • Williams, P. H. et al. (2012): Unveiling cryptic species of the bumblebee subgenus Bombus s. str. worldwide with COI barcodes. Systematics and Biodiversity, 10(1), S. 21–56
  • Gokcezade, J., Gereben-Krenn, B.-A. & Neumayer, J. (2017): Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim

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    Beiträge
  • #58020
    Frederik
    Forenmitglied
      • DE 53347
      • 136 m

      Ich habe mir gerade mal den Eintrag über die Kryptarum-Erdhummel (Bombus cryptarum) angesehen und bemerkt, dass einige Unterscheidungsmerkmale zu den anderen Erdhummelarten nicht genannt wurden.

      Ein Unterscheidungsmerkmal zu B. terrestris und B. lucorum ist zum Beispiel eine kleine schwarze Einkerbung nahe des Flügelansatzes in der gelben Thoraxbinde. Diese kann fehlen, ist aber meist deutlich zu sehen.

      Außerdem gibt es Exemplare von B. cryptarum, bei denen die Thoraxbinde 1 mm oder mehr unter den Flügelansatz reicht. Das ist das zweite gute Unterscheidungsmerkmal.

      Durch diese Merkmale kann ich persöhnlich die Erdhummelarten gut auseinander halten :)

      (Allerdings können diese Merkmale bei den Arbeiterinnen schwach ausgeprägt sein. Nur Königinnen und Drohnen kann man so sicher bestimmen.)

      Vielleicht könnte man das ja noch im Steckbrief von Bombus cryptarum ergänzen :winken:

      Viele Grüße

      Hier auch noch eine Quelle: http://www.insektenstaaten.de/ArtKryptarumErdhummel.html

      #60353
      Stefan
      Admin
      Beitragsersteller
        • DE 84513
        • 398 m

        Dank Dir!

        Habe ich soeben erledigt, indem ich Deinen Beitrag an den Artikel hänge. :)

        Grüße Stefan

        #60362
        Frederik
        Forenmitglied
          • DE 53347
          • 136 m

          Ok, danke dir :)
          Viele Grüße, Frederik

          #60370
          Bulli
          Forenmitglied

            Hier im Thema ” Alles Erdhummeln? ” sprach ich an, dass man die Erdhummeln schlecht auseinander halten kann und sichtbare Kennzeichen nicht zuverlässig sind. Die Quelle konnte ich nicht nennen.

            Martin verlinkte daraufhin zwei Quellen, die sich mit der vorderen Trorax-Binde beschäftigen.

            In der einen wurde untersucht, ob die sichtbaren Kennzeichen sich mit der Artbestimmung per Genanalyse decken. Es kam heraus, dass die vordere Thorax-Binde keine sichere Zuordnung zulässt.

            Die zweite Quelle stellte die Übertragbarkeit auf hiesige Hummeln in Frage.

            VG Bulli

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