Bombus alpinus

Die Alpenhummel gilt in Deutschland als ausgestorben oder verschollen, die Rote Liste führt sie in Kategorie 0. Der letzte deutsche Nachweis liegt aus dem Jahr 1924 vor. International stuft die IUCN die Art als gefährdet (“Vulnerable”) ein, da ihr Lebensraum durch den Klimawandel zunehmend schrumpft. Das Verbreitungsgebiet reicht von den Alpen über die Karpaten bis auf den Balkan, wo die Unterart Bombus alpinus helleri lebt. Die Nominatform besiedelt dagegen Fennoskandinavien. In den Alpen kommt Bombus alpinus an Berghängen zwischen etwa 1600 und über 3000 Metern Höhe vor, wobei ihre Vorkommen eng an die Nähe von Gletschern und ein enges Klimafenster mit geringen Temperaturschwankungen gebunden sind. Österreich beherbergt einen wesentlichen Teil der Unterart helleri und trägt damit eine besondere Verantwortung für ihren Schutz.

Nestbau und Sozialstruktur

Die Alpenhummel gründet ihre unterirdischen Nester meist in verlassenen Mäusegängen. Ein Volk umfasst 100 bis 150 Tiere. Als Nestbezieherin nutzt sie vorhandene Hohlräume, statt selbst zu graben, und zählt zu den Pollenstorern: Pollen und Nektar werden in ausgedienten Brutzellen gelagert statt in eigens angelegten Waben. Wie bei allen Hummelarten überlebt nicht das gesamte Volk den Winter. Die alte Königin, sämtliche Arbeiterinnen und die Drohnen sterben noch innerhalb der Saison. Nur die im Spätsommer geschlüpften und begatteten Jungköniginnen graben sich in den Boden ein und verfallen dort in eine Winterstarre. Überlebt eine von ihnen die kalte Jahreszeit, gründet sie im folgenden Frühjahr ein neues Nest.

info hummelSeit 1984 hat sich die untere Verbreitungsgrenze der Alpenhummel in den Alpen um rund 479 Meter nach oben verschoben, während die obere Grenze unverändert blieb. Als Ursache gilt der Klimawandel, der den ohnehin schmalen Lebensraum der Art zusätzlich einengt.

Körpermerkmale und Bestimmung

Königinnen erreichen eine Körperlänge von 22 bis 26 mm, Arbeiterinnen 14 bis 16 mm und Drohnen 15 bis 17 mm. Der Körper ist struppig behaart und überwiegend schwarz gefärbt. Nur das erste Tergit des Hinterleibs bleibt schwarz, das zweite bis sechste Tergit leuchtet orangerot. Drohnen tragen häufig einen schmalen grauen Kragen am Thorax in Kopfnähe. Wegen der ähnlichen Farbverteilung wird die Alpenhummel leicht mit der Bergwaldhummel (Bombus wurflenii) verwechselt. Bei dieser beginnt die rote Färbung allerdings erst am dritten Tergit, ein Segment später als bei der Alpenhummel. Von der ähnlich gefärbten Berglandhummel (Bombus monticola) unterscheidet sich Bombus alpinus vor allem durch die deutlich kräftigere Körpergröße.

Anpassung an die Kälte

Nach der Nestgründung fliegt die Königin der Alpenhummel noch bei Temperaturen von bis zu -1 °C, während Honigbienen bei solchen Bedingungen längst im Stock bleiben. Möglich wird das durch mehrere Mechanismen: Eine dichte Behaarung speichert Körperwärme, der teilweise schwarze Anteil des Fells nimmt Sonnenwärme auf. Durch abwechselnde Kontraktion und Entspannung der Flugmuskulatur erzeugt die Hummel zusätzliche Wärme, unterstützt von einer erhöhten Stoffwechselrate. Bei schlechtem Wetter oder plötzlichem Kälteeinbruch senken Arbeiterinnen ihren Stoffwechsel gezielt ab und verfallen in eine kurze Starre, um Energie zu sparen.

Klimawandel als Bedrohung

Das Verbreitungsgebiet der Alpenhummel ist klein und eng an kühle, wenig schwankende Temperaturen sowie die Nähe von Gletschern gebunden. Diese schmale ökologische Nische macht die Art besonders empfindlich gegenüber steigenden Temperaturen. Mehr als die Hälfte der für sie geeigneten Flächen in den Alpen liegt zwar in Schutzgebieten, gezielte Schutzmaßnahmen für die Art selbst fehlen bislang jedoch. Diskutiert werden unter anderem der gezielte Austausch von Drohnen zwischen isolierten Vorkommen und ein besonderer Schutz von Bergwiesen in Gletschernähe.

Trachtpflanzen und Flugzeit

Zu den wichtigsten Trachtpflanzen zählen unter anderem Alpenhelm, Alpen-Kratzdistel, Rostblättrige Alpenrose, Teufelskralle und verschiedene Primelarten. Überwinterte Königinnen erscheinen von Ende April bis Ende Mai und suchen einen Nistplatz. Arbeiterinnen sind von Mitte Mai bis Ende September aktiv, die neue Generation aus Jungköniginnen und Drohnen fliegt von Mitte August bis Ende September. Im Flug ist die Königin an einem tiefen Brummton erkennbar. Ob eine bestimmte Kuckuckshummelart als Brutparasit bei Bombus alpinus auftritt, ist bislang nicht sicher geklärt.

Quellen

  • Rote-Liste-Zentrum, Detailseite Bombus alpinus, unter Berufung auf: Westrich, P.; Frommer, U.; Mandery, K.; Riemann, H.; Ruhnke, H.; Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 373-416. www.rote-liste-zentrum.de
  • Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Hummel-Arten: Bombus alpinus. www.wildbienen.de/b-alpinu.htm
  • Alpenverein Vorarlberg: Steckbrief Alpenhummel (PDF), Reihe “Vielfalt bewegt!”. www.alpenverein.at/vorarlberg_wAssets/docs/Vielfalt-bewegt/3_Alpenhummel.pdf
  • Rasmont, P.; Roberts, S.; Cederberg, B.; Radchenko, V.; Michez, D. (2015): Bombus alpinus. The IUCN Red List of Threatened Species. iucnredlist.org/species/13152906/57047934
  • Biella, P.; Bogliani, G.; Cornalba, M.; Manino, A.; Neumayer, J.; Porporato, M.; Rasmont, P.; Milanesi, P. (2017): Distribution patterns of the cold adapted bumblebee Bombus alpinus in the Alps and hints of an uphill shift. Journal of Insect Conservation 21: 357-366. link.springer.com/article/10.1007/s10841-017-9983-1
  • Biocommunication Group, ETH Zürich: Verletzliche Alpinistin – Die Alpenhummel. biocommunication.org/de/insects360/amazing-pollinators/vulnerable-alpinist-the-alpine-bumblebee
  • Rote Liste der Hummeln (Bombus spp.) Österreichs, Umweltbundesamt Wien (Hrsg.), Reports Bd. 894. umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0894.pdf

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