Hummel Wächterinnen

In größeren, bereits etablierten Hummelvölkern halten sich einzelne Arbeiterinnen bevorzugt in der Nähe des Nesteingangs auf und prüfen ankommende Hummeln, bevor diese ins Nest gelangen. Anders als bei der Honigbiene handelt es sich dabei um keine strikt abgegrenzte Berufsgruppe, sondern um eine Aufgabe, die vor allem dann auftritt, wenn ein Volk groß genug ist, um überhaupt eigene Arbeitskraft für diese Kontrolle zu erübrigen. Bei kleinen, jungen Völkern mit nur wenigen Arbeiterinnen lässt sich dieses Verhalten kaum beobachten.

Wie Wächterinnen Fremde erkennen

Die Erkennung erfolgt über den Geruchssinn, genauer über ein charakteristisches Muster von Fettsäuren auf der Körperoberfläche, das für jede Kolonie leicht unterschiedlich ausfällt. Pierre Blacher und Kollegen von der Universität Paris wiesen 2013 bei der Dunklen Erdhummel nach, dass sich Nestgenossinnen anhand dieses chemischen Musters mit einer Trefferquote von 92,2 Prozent von fremden Hummeln unterscheiden lassen. Interessant war dabei vor allem, wie differenziert die Wächterinnen reagierten: Fremde, unfruchtbare Arbeiterinnen wurden ähnlich toleriert wie eigene Nestgenossinnen, während fremde, fruchtbare Arbeiterinnen, die potenziell eigene Eier ins Volk einschleusen könnten, deutlich häufiger angegriffen wurden als alle anderen Gruppen. Die Wächterinnen unterscheiden also nicht einfach zwischen bekannt und unbekannt, sondern reagieren stärker abgestuft auf das tatsächliche Risiko, das eine fremde Hummel für das Volk darstellt.

info hummelWächterinnen erkennen Nestgenossinnen an einem chemischen Fettsäuremuster auf der Körperoberfläche mit einer Trefferquote von über 92 Prozent, obwohl sich dieses Muster für das menschliche Auge in keiner Weise unterscheiden lässt.

Kollektive Alarmreaktion bei Störung des Nests

Neben der laufenden Kontrolle am Eingang reagiert ein gestörtes Hummelnest auch als Ganzes. Sajedeh Sarlak und ein Team der Universität Konstanz beschrieben 2025 einen dreistufigen Ablauf, den sie nach mechanischer Erschütterung des Nests beobachteten. Zunächst patrouillieren die Hummeln erregt umher, klettern an den Nestwänden hoch und fliegen kurz auf, offenbar auf der Suche nach der Störungsquelle. Innerhalb der folgenden drei Minuten summen viele Tiere laut und heben warnend die Beine, ein Zeichen erhöhter Stechbereitschaft. Erst danach beginnen die Hummeln, sich selbst zu putzen und kurze, rhythmische Summsequenzen zu erzeugen, während sich die allgemeine Alarmbereitschaft über weitere ein bis drei Minuten allmählich wieder legt. Insgesamt bleibt das Volk nach einer Störung rund vier Minuten in erhöhter Wachsamkeit, sodass es bei einer erneuten Störung schneller reagieren kann.

Überschneidung mit der Leichenentfernung

Die Aufgabe der Wächterin steht nicht isoliert neben anderen Innenaufgaben. Abby Walton, Jennifer Jandt und Anna Dornhaus stellten 2019 fest, dass vor allem jene Arbeiterinnen, die am Nesteingang Wache hielten, mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit auch tote Artgenossinnen aus dem Nest entfernten als reine Sammlerinnen. Wache halten und für Sauberkeit im Nest sorgen scheinen bei Hummeln also eng verwandte, oft von denselben Tieren übernommene Aufgaben zu sein.

Grenzen der Wächterinnen: Kuckuckshummeln und Wachsmotten

Gegen manche Bedrohungen bietet die Wache am Eingang jedoch nur begrenzten Schutz. Kuckuckshummeln der unechten Gattung Psithyrus dringen gezielt in fremde Nester ein, um dort die Eiablage der Wirtsvölker zu übernehmen. Beim Eindringen kommt es zunächst zu Kämpfen mit den Wächterinnen und mitunter mit der Königin selbst, doch während dieser Auseinandersetzung nimmt die Kuckuckshummel allmählich den Nestgeruch des überfallenen Volkes an. Kehren Arbeiterinnen von einem Sammelflug zurück, akzeptieren sie die inzwischen vertraut riechende Eindringlingin und ziehen anschließend sogar deren Brut groß.

Wachsmotten wie Aphomia sociella umgehen die Wächterinnen auf andere Weise. Die Weibchen finden Hummelnester in der Dämmerung über den charakteristischen Geruch des Volkes und legen ihre Eier oft schon in einiger Entfernung vom eigentlichen Nesteingang ab. Die frisch geschlüpften Larven folgen der Duftspur anschließend selbstständig ins Nest. Da sie einzeln, klein und meist außerhalb des direkt kontrollierten Eingangsbereichs eindringen, können Wächterinnen diese Bedrohung kaum wirksam abwehren, wie ein Beitrag im Hummelforum Pollenhöschen anhand von Beobachtungen an Hummelkästen beschreibt. Besonders gefährdet sind dabei künstliche Nistkästen ohne die langen, gewundenen Zugangswege natürlicher unterirdischer Nester.

Bedeutung für das Volk

Trotz dieser Grenzen bleibt die Kontrolle am Nesteingang wichtig: Sie hält Futterräuber ab und erschwert fremden, fortpflanzungsfähigen Arbeiterinnen das Eindringen, die versuchen könnten, im Nest eigene Eier abzulegen, und sie sorgt dafür, dass das Volk bei Störungen schnell und koordiniert reagiert. Ein Nest ohne jede Eingangskontrolle wäre Nesträubern und Sozialparasiten deutlich schutzloser ausgeliefert, auch wenn Wächterinnen allein nicht jede Bedrohung abwenden können.

Quellen

  • Blacher, P., Boreggio, L., Leroy, C., Devienne, P., Châline, N., Chameron, S. (2013): Specific recognition of reproductive parasite workers by nest-entrance guards in the bumble bee Bombus terrestris. Frontiers in Zoology 10, Artikel 74.
  • Sarlak, S. et al. (2025): Bumble bees launch a three-stage defensive response when their nest is disturbed. PLOS ONE 20.
  • Walton, A., Jandt, J. M., Dornhaus, A. (2019): Guard bees are more likely to act as undertakers: variation in corpse removal in the bumble bee Bombus impatiens. Insectes Sociaux 66(4), S. 533 bis 541.
  • Goulson, D. (2010): Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation. 2. Auflage, Oxford University Press.
  • Pollenhöschen-Hummelforum: Wie Wachsmotten Hummelnester aufspüren. pollenhoeschen.de/aphomia-sociella.

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  • Dieses Thema hat 19 Antworten sowie 8 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 1 Monat, 2 Wochen von StefanStefan aktualisiert.
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    Beiträge
  • #63164
    Karin

      Hallo zusammen. Ich habe eine Frage. Mein inzwischen verstorbener Vater, er war Naturschutzbeauftragter, hat vor vielen Jahren mehrere Hummelkästen auf der Terrasse aufgehängt. Jahrezehntelang lebten Hummeln und Menschen auf unserer Terrasse friedlich nebeneinanderher.  Nun habe ich leider, jetzt schon im dritten Jahr “Kamikazefred”  :biene:   auf dem Grundstück. Die Wächter der Baumhummel stürzten sich vom Nistkasten herunter, stechen aggressiv ins Gesicht und schwirren wieder ab. Ich sitze immer ganz friedlich in der Hollywoodschaukel, die so ca. 2 Meter vom Kasten entfernt steht. Mein Freund, der mir nicht glauben wollte, dass das Hummeln sind, die da stechen, wurde letztes Jahr auch attackiert. Selbst meine beiden Hunde werden von den Wächtern vergrämt… Nun haben wir den Kasten entfernt und an einer entlegenen Stelle im Garten plaziert.
      Ich frage mich, was ist los mit diesen Hummeln, ist das jemandem hier auch schon passiert? Nicht mal Wespen reagieren so aggressiv….

      #63165
      Stefan
      Admin
      Beitragsersteller
        • DE 84513
        • 398 m

        Hallo Karin!

        Das was Du beschreibst kann man vorallem bei Baumhummeln beobachten.

        Wenige Tage im Jahr, wenn die Baumhummeln Hochsaison haben meist Ende Juni, nehmen die Wächterinnen dieser Gattung ihr Aufgabe sehr ernst. Zu dieser Zeit wird die Königin vertrieben oder gar von den eigenen Nachkommen ermordet. Die Arbeiterinnen fangen an selbst Eier zu legen, daraus entstehen dann Drohnen.

        Der Hummelstaat

        Oft sind die Probleme mit “aggressiven Hummeln” hausgemacht, denn diese Aggressivität hängt meist auch mit der Hitze zusammen denen so ein Hummelnhaus ausgesetzt ist. Ein Hummelnest besteht aus Wachs. Wachs schmilzt bei 40 Grad und diese sind in einem Hummelhaus, also einer Holzkiste, schnell erreicht.

        Abhilfe: das Hummelhaus vor der Hummelsaison im Winter (!) in den Schatten umsiedeln. Ein Hummelhaus muss unbeding den ganzen Tag ohne Ausnahme im Schatten stehen.

        Später umsiedeln, also wenn bereits Hummeln nisten, ist nicht mehr möglich.

        Einen Trick gibt es dennoch: Hummeln sind wie kleine Kinder. Was sie nicht sehen das gibt es nicht. Und so reicht es einen einfachen Sichtschutz zu installieren. Das kann ein Bettlaken oder ein Brett sein, schon hat man Ruhe.

        #63198
        jimjack
        Forenmitglied

          Hallo Karin,

          habt Ihr den Kasten jetzt mitten in der aktiven Zeit umgehängt? Das geht bei Hummeln nicht – sie finden den Kasten am neuen Standort nicht mehr!

          2m Entfernung ist natürlich nicht viel – Baumhummeln sind sehr eigen in ihrer Privatsphäre. Vermutlich waren früher andere Hummelarten in dem Kasten?

          Ansonsten bitte die Hinweise/Empfehlungen von Stefan beherzigen, dann ist auch mit Baumhummeln gut auskommen. Da spreche auch ich aus eigenen Erfahrungen. :)

          #63220
          Karin

            Danke für eure Rückmeldungen. Die Hummelkästen hingen auf der überdachten Terrasse und waren immer im Schatten.

            Ob früher andere Hummelarten in den Kästen waren, kann ich nicht sagen. Leider ist mein Vater, der auch Hummelexperte war, verstorben. Gibt es noch weitere Hummelarten, die hochhängende Kästen annehmen?

            Ich musste die Kästen umhängen, denn man konnte sich nicht mehr auf der Terrasse aufhalten. Leider wurden auch meine Hunde attackiert, die dann nach den Wächterinnen schnappten. Mir war die Gefahr zu groß, dass da was im Hals anschwillt. Wobei ich sagen muss, dass die Stiche im Gesicht zwar recht schmerzhaft sind, aber tatsächlich nicht sehr anschwellen.

            Ich beobachte den umgesetzten Kasten nun täglich und stelle weiterhin ein reges Treiben fest. Ich hoffe, dass die Futtersucherinnen, die im Kasten zurückgeblieben waren, am “Blumentreff” auf die “Verirrten” stießen und ihnen den Weg ins neue Zuhause gezeigt haben…

            #79902
            Dr. Bumblebee
            Forenmitglied
              • 440 m

              Liebe Hummelfreunde,

              ich würde gerne wissen, wie viele Wächterinnen pro Hummelart, bzw. Bombus terrestrius, Bombus lapidarius und Bombus pascuorum, normal wären?

              Herzlichen Dank,

              Dr. Bumblebee ;)

              #79903
              Stefan
              Admin
              Beitragsersteller
                • DE 84513
                • 398 m

                Hallo Dr. der Hummel! :blume:

                Die Frage kann man so pauschal nicht beantworten.

                Es gibt Hummelnester ganz ohne Wächterinnen und welche mit wenigen und welche mit vielen Wächterinnen. Auch auf die Hummelart kommt es an. Bei Wiesenhummeln habe ich selbst noch nie Wächterinnen gesehen (so weit ich mich erinnere), bei Baumhummeln aber so gut wie immer..

                Man könnte grob sagen: Um so stärker das Hummenest, umso mehr Wächerinnen werden abgestellt/Personal ist vorhanden das Nest zu bewachen.

                Hast Du ein Nest mit besonders vielen Wächterinnen?

                Grüße Stefan :winken:

                #79904
                Manfred HH
                Forenmitglied
                  • DE 22145
                  • 17 m

                  Ich stimme Stefan zu, dass es keine pauschale Antwort gibt. Bei Gartenhummeln habe ich übrigens auch noch nie Wächterinnen gesehen.

                  Viele Wächterinnen heißt aber nicht unbedingt besonders guter Schutz, da hängt es mehr davon ab wie aggressiv die Wächterinnen sind.

                   

                  #79905
                  Dr. Bumblebee

                    Guten Abend Stefan,

                    dieses Jahr hat mein Hummelfolk (Bombus terrestris) mindestens 5 Wächterinnen und deswegen die Frage, ob es wissenschaftlich festgestellt wurde, z.B. “x” Wächterinnen pro “y” Arbeiter.

                    Ich versuche ein paar Bilder von den Wächterinnen zu Posten.

                    Danke an Alle für die schnellen Antworten!

                    :) :biene:

                    Dr. Bumblebee

                     

                     
                    <p style=”text-align: center;”></p>

                    #79907
                    Stefan
                    Admin
                    Beitragsersteller
                      • DE 84513
                      • 398 m

                      Zum Bilder anhängen bitte einloggen. :computer:

                      #79908
                      Frank
                      Forenmitglied
                        • 199 m

                        … dafür braucht man doch aber nen Doktor, Stefan… :lachtot:

                        :pfeif: :blume:

                        #79973
                        Dr. Bumblebee
                        Forenmitglied
                          • 440 m

                          Liebe Hummelfreunde,

                          hier zwei Wächterinnen und eine Arbeiterin meines Folkes 2023.

                          Schönes Wochenende,

                          Dr. Bumblebee

                          Foto/Video:
                          #95306
                          Murgel
                          Forenmitglied
                            • CH 3186
                            • 596

                            Hallo zusammen

                            Ich habe ein schönes Baumhummelvolk das gut gedeiht. Auf den Eingang am Hummelkasten scheint am Morgen, während vielleicht knappen 2 Stunden, die Sonne. Ansonsten sind sie im Schatten.
                            Während der Zeit wo die Sonne auf den Eingang scheint, lässt die Wächterin einfach keine einzige Arbeiterin rein. Ist die Sonne weg, ist auch das Verhalten weg
                            Wenn wir zu Hause sind und es nicht windet, machen wir jetzt Schatten mit einem Sonnenschirm und schwupps… die Wächterin lässt immer alle Arbeiterinnen rein – den ganzen Tag lang.
                            Kennt Ihr dieses Verhalten?

                            Ja, man kann sich fragen warum wir den Sonnenschirm nicht immer offen haben. Aber ich habe keine Lust, dass der Sonnenschirm mit einer Windböe auf den Hummelkasten knallt – deshalb.  ;)

                            Bin gespannt was Ihr dazu meint.

                            #95307
                            Stefan
                            Admin
                            Beitragsersteller
                              • DE 84513
                              • 398 m

                              Hallo @Murgel!

                              Dann solltest Du Dir was besseres ausdenken als den Sonnenschirm.

                              Und nächstes Jahr dann mit einem passenden und vollschattigem Standort solche Sachen vorbeugend vermeiden.

                              Grüße Stefan :kaffee:

                              #95314
                              dwm
                              Forenmitglied
                                • DE 83646
                                • 658 m
                                Murgel schrieb am

                                Kennt Ihr dieses Verhalten?

                                Dies ist – laut KI von DuckDuckGo – eine anscheinend bekannte Hitzeschutzmaßnahme für das Nest (was ich bei den gegenwärtigen Tagestemperaturen von mehr als 30°C von den :hummel: :hummel: als ganz schön schlau empfinde :respekt: ).

                                #95315
                                HP
                                Forenmitglied
                                  • DE 22927
                                  • 50 m

                                  Vielleicht ist es zu warm für mich. Aber was ist daran bitte schlau?

                                Ansicht von 15 Beiträgen – 1 bis 15 (von insgesamt 19)
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