Hummel Stockarbeiterinnen

Als Stockarbeiterinnen werden im Sprachgebrauch oft alle Arbeiterinnen zusammengefasst, die ihre Zeit im Nest verbringen, statt Nektar oder Pollen zu sammeln. Ein Teil dieser Innentätigkeiten betrifft direkt die Brut und wird meist gesondert als Aufgabe der Ammen betrachtet. Stockarbeiterinnen im engeren Sinn kümmern sich dagegen um die Infrastruktur des Nests selbst: den Bau und die Instandhaltung der Wachszellen, die Anlage von Nahrungsvorräten und die Sauberkeit im Nest. Auch hier gilt, was für die Arbeitsteilung bei Hummeln generell zutrifft: Es handelt sich nicht um einen festen Beruf, sondern um eine von mehreren Aufgaben, zwischen denen eine Arbeiterin je nach Bedarf im Nest wechseln kann.

Wachsproduktion und Nestbau

Hummeln scheiden Wachs aus Drüsen an der Bauchseite ihres Hinterleibs aus, kneten es mit den Mundwerkzeugen weich und verarbeiten es zu tonnenförmigen Zellen, Vorratstöpfen und dünnen Wachshüllen, die einzelne Bereiche des Nests voneinander trennen. Anders als die Honigbiene legen Hummeln dabei kein regelmäßiges, sechseckiges Wabenmuster an. Ihr Nest wirkt unregelmäßig und wird im Lauf der Saison fortlaufend erweitert und umgebaut, während neue Brutzellen entstehen und alte umgenutzt werden. Sobald aus einer Zelle eine erwachsene Hummel geschlüpft ist, kratzen Stockarbeiterinnen den leeren Kokon teilweise ab und nutzen das gewonnene Wachs für neue Zellen an anderer Stelle im Nest weiter.

Vorratshaltung: Nektar- und Pollentöpfe

Im Gegensatz zur Honigbiene legt ein Hummelvolk keine großen, haltbaren Honigvorräte an. Da das Nest ohnehin nur eine Saison lang besteht, würde ein aufwendiges Eindicken und Konservieren von Nektar zu reifem Honig kaum lohnen. Stattdessen füllen Stockarbeiterinnen zurückgebrachten Nektar in offene Wachstöpfe, die meist in der Nähe des Nesteingangs stehen und nur für wenige Tage als Puffer bei schlechtem Wetter dienen. Für diesen Zweck werden auch die leeren Kokons, aus denen bereits Arbeiterinnen geschlüpft sind, als praktische, bereits vorhandene Behälter für Nektar oder Pollen weiterverwendet, statt eigens neue Vorratsgefäße zu bauen.

Nesthygiene: Leichen und Abfall entfernen

Ein weiterer Teil der Stockarbeit besteht darin, das Nest sauber zu halten. Zoe Munday und Mark Brown untersuchten 2018 bei der Dunklen Erdhummel, wie Arbeiterinnen mit toten Larven und toten Artgenossinnen umgehen, und stellten fest, dass tote Larven deutlich schneller aus dem Nest entfernt werden als tote erwachsene Tiere, die zudem häufiger beschnuppert und regelrecht angebissen werden, bevor sie hinausgetragen werden. Die entfernten Leichen landen entweder auf einem festen Abfallhaufen im Randbereich des Nests oder werden von den Arbeiterinnen aktiv nach draußen geflogen und dort fallengelassen.

Auch diese Aufgabe übernimmt keineswegs jede Arbeiterin gleichermaßen. Abby Walton, Jennifer Jandt und Anna Dornhaus fanden 2019 bei der Amerikanischen Hummel, dass selbst bei reichlich vorhandenen Leichen nur etwa 31 Prozent der Arbeiterinnen eines Volkes überhaupt an der Entfernung beteiligt waren, nur rund 12 Prozent mehrfach. Auffällig war zudem, dass vor allem größere Arbeiterinnen und solche, die sonst als Wächterinnen am Nesteingang tätig waren, diese Aufgabe übernahmen, während reine Sammlerinnen kaum daran beteiligt waren.

info hummelNur etwa jede dritte Arbeiterin eines Hummelvolkes beteiligt sich überhaupt am Entfernen toter Larven und Artgenossinnen aus dem Nest. Diese Aufgabe übernehmen bevorzugt größere Tiere und solche, die ohnehin am Nesteingang Wache halten.

Fließende Grenzen zwischen den Aufgaben

Wie stark sich einzelne Arbeiterinnen tatsächlich auf Nestbau, Vorratspflege oder Reinigung spezialisieren, ist in der Forschung umstritten. Mehrere Untersuchungen an Hummelnestern fanden dabei insgesamt nur eine schwache Spezialisierung: Die meisten Arbeiterinnen erledigen im Lauf ihres Lebens mehrere dieser Innenaufgaben nacheinander oder sogar am selben Tag, abhängig davon, was im Nest gerade anfällt, statt sich dauerhaft auf eine einzige Tätigkeit festzulegen.

Bedeutung für das Volk

Ohne funktionierende Stockarbeit gäbe es keine Zellen für neue Brut, keine Vorräte für schlechtes Wetter und ein Nest, in dem sich Krankheitserreger an liegenbleibenden Kadavern leichter ausbreiten könnten. Die Arbeit der Stockarbeiterinnen bildet damit die bauliche und hygienische Grundlage, auf der Brutpflege und Nahrungssuche überhaupt erst funktionieren können.

Quellen

  • Free, J. B. (1955): The division of labour within bumblebee colonies. Insectes Sociaux 2, S. 195 bis 212.
  • Munday, Z., Brown, M. J. F. (2018): Bring out your dead: quantifying corpse removal in Bombus terrestris, an annual eusocial insect. Animal Behaviour 138, S. 51 bis 57.
  • Walton, A., Jandt, J. M., Dornhaus, A. (2019): Guard bees are more likely to act as undertakers: variation in corpse removal in the bumble bee Bombus impatiens. Insectes Sociaux 66(4), S. 533 bis 541.
  • Goulson, D. (2010): Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation. 2. Auflage, Oxford University Press.

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