Bombus braccatus
Bombus braccatus hat eines der kleinsten Verbreitungsgebiete, das für eine Hummel überhaupt festgestellt wurde. Sie lebt allein in Sichuan, und zwar in einem Raum von etwa 325 Kilometern von Nord nach Süd und 250 Kilometern von Ost nach West.
Rechnet man die alten Literaturangaben heraus und stützt sich nur auf Belegtiere, schrumpft das Gebiet auf rund 150 mal 190 Kilometer. Das ist weniger als die Fläche mancher deutscher Bundesländer.
Eine große Hummel für ein kleines Gebiet
Es handelt sich um eine der größten Hummeln Chinas. Königinnen messen 23 Millimeter, Arbeiterinnen 14 bis 19, Männchen 12 bis 18. Bruststück und die ersten beiden Hinterleibsringe sind gelb behaart, oft mit einigen schwarzen Haaren zwischen den Flügelbasen, der dritte Ring ist schwarz, die Ringe vier und fünf orangerot. Die Flügel sind dunkelbraun.
Heinrich Friese beschrieb sie 1905 nach Material aus Sichuan. 1935 beschrieb Frison dasselbe Tier ein zweites Mal unter dem Namen metcalfi, was Tkalců 1987 richtigstellte.
Wie viel Material vorliegt
Für die Bearbeitung der Hummeln Sichuans von 2009 wurden 3 Königinnen, 71 Arbeiterinnen und 2 Männchen untersucht, gesammelt zwischen 500 und 1900 Metern. Sie liegen in sechs Sammlungen, darunter das Amerikanische Museum für Naturgeschichte, das Zoologische Institut in Peking und das Zoologische Museum Moskau.
Die meisten Fundorte liegen in der Umgebung des Emei Shan, eines der heiligen Berge des chinesischen Buddhismus. Die Bearbeiter halten ausdrücklich fest, dass die Art 2005 noch vorkam. Diese Angabe steht dort, weil sie bei einer so eng verbreiteten Art nicht selbstverständlich ist.
Tief statt hoch
Anders als die meisten hier vorgestellten asiatischen Hummeln ist Bombus braccatus keine Hochgebirgsart. Sie lebt in den tiefen Lagen des westlichen Vorlands des Sichuan-Beckens und hat dort eine lange Flugzeit über das Jahr.
Diese Tieflandbindung ist der eigentliche Grund zur Sorge. Die Ebenen und Vorberge Sichuans gehören zu den am dichtesten besiedelten und am intensivsten genutzten Landschaften Chinas. Eine Art, die sich nicht in höhere Lagen zurückziehen kann, hat dort wenig Ausweichraum.
Was über ihre Nahrung bekannt ist
Es gibt genau einen Eintrag: einen Schmetterlingsblütler, einen Strauch mit hängenden gelben Blütenständen. Die Gattung wurde nicht bestimmt.
Das ist die vollständige Liste. Für eine langrüsselige Hummel mit 76 untersuchten Tieren ist das wenig, und es zeigt, dass bei den Aufsammlungen die Blüte meist nicht mitnotiert wurde.
Was fehlt
Kein Nest dieser Art ist beschrieben. Es gibt keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Jahresablauf, keine beobachtete Paarung und keinen Bestandstrend. Eine Einstufung in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion liegt für diese Art nicht vor.
Bei einem Verbreitungsgebiet dieser Größe wäre eine Prüfung naheliegend. Nach den üblichen Maßstäben liegt die Fläche in einem Bereich, in dem eine Gefährdungskategorie ernsthaft zu erwägen ist, sofern sich ein Rückgang oder eine Bedrohung nachweisen lässt. Genau dieser Nachweis fehlt bislang, weil niemand wiederholt gezählt hat.
Quellen
- Williams P.H., Tang Y., Yao J. & Cameron S. 2009. The bumblebees of Sichuan (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Systematics and Biodiversity 7: 101 bis 190
- Williams P.H. 1998. An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum, London (Entomology) 67: 79 bis 152
- Williams P.H. et al. 2026. Evolutionary tree for all bumblebee species world-wide estimated by combining information from fast-evolving genes, slow-evolving genes, and genomic data (Apidae, Bombus). Insects 17: 540


