Heimische Sandbienen

Sobald sich der Boden im Frühjahr erwärmt, tauchen an vegetationsarmen Stellen kleine Sandhügel mit einem Loch in der Mitte auf. Meist stecken Sandbienen dahinter, eine der artenreichsten Gattungen unter den heimischen Wildbienen. Ihr wissenschaftlicher Name lautet Andrena.

In Deutschland kommen über 100 Arten dieser Gattung vor, weltweit sind es mehr als 1000, verteilt auf 39 Untergattungen. Wie fast alle Wildbienen leben Sandbienen solitär und bilden keine Staaten. Jedes Weibchen legt sein eigenes Nest an und versorgt den Nachwuchs allein, ohne Arbeiterinnen oder eine Königin.

Merkmale und Bestimmung

SandbieneJe nach Art werden Sandbienen 4 bis 16 Millimeter groß und unterscheiden sich entsprechend stark in Größe und Färbung. Gemeinsam ist den meisten Arten ein kräftiger, kantiger Kopf sowie dichte Haarbürsten an den Hinterbeinen, mit denen die Weibchen Pollen zum Nest tragen. Am Schenkelring der Hinterbeine sitzt bei vielen Weibchen zusätzlich ein Haarbüschel, die sogenannte Hüftlocke.

Ein zuverlässiges, aber nur mit der Lupe erkennbares Bestimmungsmerkmal ist die Fovea facialis, eine samtig behaarte Grube direkt neben jedem Facettenauge. Männchen unterscheiden sich von den Weibchen durch einen schlankeren Körperbau und hellere Gesichtsbehaarung. Ihnen fehlen die Pollensammelhaare, da sie sich am Nestbau nicht beteiligen.

info hummelVon der Weiden-Sandbiene sind Nistaggregationen mit mehreren tausend Nestern auf wenigen Quadratmetern bekannt. Damit zählt sie zu den Wildbienenarten mit den dichtesten bekannten Nistplätzen in Mitteleuropa.

Lebensweise und Nistverhalten

Obwohl jede Sandbiene solitär lebt, gräbt sie ihr Nest selten völlig isoliert. Weibchen bevorzugen offene, sandige oder lehmige Bodenstellen mit wenig Bewuchs. Da solche Flächen begrenzt sind, siedeln sich oft hunderte oder tausende Weibchen dicht nebeneinander an. Bei der Rotpelzigen Sandbiene wurden Nistkolonien mit bis zu 50 Nestern pro Quadratmeter dokumentiert. Jedes Weibchen bleibt dabei für sein eigenes Nest zuständig, ein arbeitsteiliges Zusammenleben wie bei Hummeln oder Honigbienen findet nicht statt.

Der Nestbau folgt bei den meisten Arten einem ähnlichen Muster. Das Weibchen gräbt mit Mundwerkzeugen und Vorderbeinen einen senkrechten Gang, der je nach Art und Bodenbeschaffenheit zwischen 10 und über 50 Zentimeter tief reicht. Von diesem Hauptgang zweigen mehrere Brutzellen ab. In jede Zelle trägt das Weibchen einen Vorrat aus Pollen und Nektar ein, legt ein Ei darauf und verschließt die Zelle. Die Larve frisst den Vorrat, verpuppt sich im Boden und überwintert dort, bevor die fertige Biene im folgenden Frühjahr schlüpft.

Nahrung und Blütenspezialisierung

Viele Sandbienenarten sammeln Pollen an einem breiten Spektrum von Blütenpflanzen und gelten als polylektisch. Die Graue Sandbiene nutzt beispielsweise Pollen aus rund einem Dutzend verschiedener Pflanzenfamilien. Andere Arten sind dagegen auf einzelne Pflanzengattungen spezialisiert, man spricht von oligolektischen Arten. Die Weiden-Sandbiene sammelt ausschließlich Pollen von Weiden und fliegt deshalb schon ab März, sobald die ersten Kätzchen blühen. Fällt diese Nahrungsquelle durch Rodung oder ungünstige Witterung aus, hat die Art keine Ausweichmöglichkeit.

Kuckucksbienen der Gattung Nomada

Sandbienennester werden regelmäßig von Wespenbienen der Gattung Nomada heimgesucht. Diese Kuckucksbienen legen kein eigenes Nest an, sondern schleusen ihr Ei in eine fremde, bereits mit Pollen und Nektar gefüllte Brutzelle ein. Die schlüpfende Wespenbienen-Larve tötet die Sandbienen-Larve und frisst anschließend deren Nahrungsvorrat auf. Die meisten Nomada-Arten sind auf eine einzige Sandbienenart als Wirt festgelegt und fliegen zur gleichen Zeit wie diese, um deren Nester während der Bauphase aufzusuchen.

Drei typisch heimische Arten

  • Weiden-Sandbiene (Andrena vaga): Fliegt bereits ab März, oft vor den ersten Hummelköniginnen. Nistet in dichten Kolonien in Flussauen sowie Sand- und Kiesgruben. Sammelt ausschließlich Pollen von Weiden.
  • Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva): Weibchen mit auffällig fuchsrot behaarter Oberseite, 9 bis 13 Millimeter groß. Besiedelt häufig Gärten und Parks, nistet gern in Rasenflächen und bestäubt Johannis- und Stachelbeeren.
  • Graue Sandbiene (Andrena cineraria): Weibchen mit glänzend schwarzem Hinterleib und grauem Haarkleid am Rücken. Kommt an Waldrändern, Kiesgruben und in Gärten vor und wird bevorzugt von der Wespenbiene Nomada lathburiana parasitiert.

Gefährdung und Schutz

Ein erheblicher Teil der in Deutschland vorkommenden Sandbienenarten gilt als gefährdet oder selten, in der Roten Liste werden einzelne Weiden-Spezialisten sogar als extrem selten geführt. Ursache ist vor allem der Rückgang geeigneter Nistflächen. Versiegelte Böden, intensiv genutzte Agrarflächen und durchgängig bepflanzte oder häufig gemähte Grünflächen bieten weder offene Nistplätze noch ausreichend Nahrung.

Wie sich Sandbienen unterstützen lassen

  • Offene, unbepflanzte oder spärlich bewachsene Bodenstellen im Garten stehen lassen
  • Weiden, Frühblüher und heimische Wildstauden statt reiner Zierrasenflächen pflanzen
  • Auf Pestizide und Herbizide im Garten verzichten
  • Rasenflächen nicht komplett versiegeln, sondern Teilbereiche offen und niedrig bewachsen lassen

Sandbienen sind für Menschen ungefährlich. Weibchen besitzen zwar einen Stachel, setzen ihn aber nur in äußersten Notfällen ein, und ihr Stich kann die menschliche Haut meist gar nicht durchdringen.

Quellen

  • wildbienen.de: Solitärbienen-Arten – Erd- bzw. Sandbienen (Andrena), https://www.wildbienen.de/eb-andre.htm
  • wildbienen.info: Steckbrief Andrena vaga, https://www.wildbienen.info/steckbriefe/andrena_vaga.php
  • wildbienen.info: Steckbrief Andrena cineraria, https://www.wildbienen.info/steckbriefe/andrena_cineraria.php
  • Stadtwildtiere: Artporträt Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva), https://www.stadtwildtiere.de/artportraet/rotpelzige-sandbiene
  • Stadtwildtiere: Artporträt Weiden-Sandbiene (Andrena vaga), https://www.stadtwildtiere.de/artportraet/weiden-sandbiene-811
  • wildbienen.info: Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen Deutschlands, https://www.wildbienen.info/rote_listen/rote_liste_d1.php
  • wildbienen.info: Parasitische Bienen (Kuckucksbienen), https://www.wildbienen.info/biologie/parasitische_bienen.php
  • einrichtungsbeispiele.de: Sandbiene – Andrena, Alle wichtigen Infos, https://www.einrichtungsbeispiele.de/teich-tiere/diverse-biotope/andrena-slnk.html

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