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Bombus patagiatus
Bombus patagiatus war lange ein Sammelbegriff. Unter diesem Namen liefen viele Hummeln mit weißem Hinterteil aus halb Ostasien mit, darunter eine, die sich 2012 als eigene Art erwies und heute Bombus lantschouensis heißt. Auch Bombus minshanensis galt zeitweise als bloße Unterart.
Inzwischen sind die Grenzen geklärt, und die verbliebene Art hat sich zu einem der wichtigsten Bestäuber im chinesischen Gartenbau entwickelt. Anfang 2026 wurden die Genome beider Arten gemeinsam veröffentlicht.
Eckdaten
- Untergattung Bombus im engeren Sinn, Art beschrieben von Nylander im Jahr 1848
- Artengruppe weißschwänzige Arten
- Verbreitung Nordosten des europäischen Russland bis Karelien, Mongolei, Nord- und Zentralchina
- Nachweise in China Innere Mongolei, Gansu, Qinghai, Sichuan
- Nistplätze Nagerbaue und Hohlräume unter Baumwurzeln
- Nutzung kommerzielle Bestäubung im Gewächshaus, vor allem Auberginen
- Genom 240,28 Millionen Basenpaare auf 18 Chromosomen
Eine brauchbare Beschreibung der Färbung lässt sich nicht geben. Die Arten dieser Gruppe gleichen sich äußerlich so stark, dass sich selbst Fachleute jahrzehntelang uneins waren, wie viele Arten überhaupt darunter stecken. Sichere Bestimmung erfordert genetische Methoden oder die Untersuchung von Genitalmerkmalen.
Verbreitung und Nistweise
Das Areal reicht vom Nordosten des europäischen Russland ostwärts über die Mongolei bis nach Nord- und Zentralchina. In China stammen Nachweise aus der Inneren Mongolei, aus Gansu, Qinghai und Sichuan, also überwiegend aus Steppen-, Grasland- und Hochlandregionen.
Aus dem Südural, dem westlichen Rand des Areals, liegen Angaben zur Nistweise vor. Dort besiedelt die Art Lichtungen in Mischwäldern und legt ihre Nester in Nagerbauen und unter Baumwurzeln an. Ob das für das gesamte Areal gilt, ist offen, denn aus den zentralasiatischen Vorkommen fehlen vergleichbare Beobachtungen.
Bemerkenswert ist ein Nachweis aus der Inneren Mongolei: Auf der Renaturierungsfläche eines Braunkohletagebaus trat die Art als kennzeichnende Insektenart eines bestimmten Wiederbesiedlungsstadiums auf. Für eine Hummel, deren natürlicher Lebensraum offenes Grasland ist, sind solche Flächen offenbar früh nutzbar.
Der Name, der zu viele Arten umfasste
2012 nahm eine Arbeitsgruppe um Paul Williams die weißschwänzigen Hummeln weltweit mit genetischen Barcodes unter die Lupe, also mit einem standardisierten Abschnitt des Gens für die Cytochrom-c-Oxidase-Untereinheit I. Dabei löste sich der weit gefasste Begriff Bombus patagiatus auf. Die nordchinesischen Tiere, die dort mitliefen, erwiesen sich als eigenständige Linie und tragen seither den Namen Bombus lantschouensis.
Praktische Folgen hatte das sofort. Beide Arten wurden zu diesem Zeitpunkt bereits für den Gewächshauseinsatz vermehrt. Wer Hummelvölker über Landesgrenzen verkauft, muss wissen, welche Art er verschickt, sonst lässt sich weder beurteilen, ob sie am Zielort heimisch ist, noch welche Krankheitserreger sie mitbringt.
Zucht und Auberginenbestäubung
Zwischen 1998 und 2017 wurden in China sechs einheimische Hummelarten für die Zucht ausgewählt und erprobt: Bombus lucorum, Bombus ignitus, Bombus pyrosoma, Bombus picipes, Bombus lantschouensis und Bombus patagiatus. Zwei davon haben es bis zur kommerziellen Nutzung gebracht, nämlich die letzten beiden.
Der Schwerpunkt liegt bei Bombus patagiatus auf Auberginen. Diese geben ihren Pollen nur bei Vibration frei, weshalb Honigbienen als Bestäuber ausfallen. Hummeln erzeugen die nötige Erschütterung, indem sie ihre Flugmuskulatur einsetzen, ohne die Flügel zu bewegen. Ohne Bestäuber muss im Gewächshaus mit Wuchsstoffen nachgeholfen oder von Hand bestäubt werden, was Arbeitszeit kostet und regelmäßig zu weniger Samen und kleineren Früchten führt.
Zwei Genome nebeneinander
Anfang 2026 erschienen die Genome von Bombus patagiatus und Bombus lantschouensis gemeinsam in einer Arbeit. Verwendet wurden lange Lesestücke der PacBio-Technik, kurze Illumina-Lesestücke zur Absicherung und ein Hi-C-Verfahren zur Zuordnung auf Chromosomen.
Die Assemblierung für Bombus patagiatus umfasst 240,28 Millionen Basenpaare, von denen 94,38 Prozent 18 Chromosomen zugeordnet werden konnten. Vorhergesagt wurden 17.351 proteinkodierende Gene. Bei Bombus lantschouensis liegen die Werte bei 241,30 Millionen Basenpaaren und 16.023 proteinkodierenden Genen. Die Genomgrößen sind also praktisch gleich, die Genzahlen unterscheiden sich um gut acht Prozent. Wie viel davon biologisch begründet ist und wie viel auf Unterschiede in der Auswertung zurückgeht, lässt sich aus den Zahlen allein nicht sagen.
Der Zweck solcher Daten ist praktisch. Wer Hummeln züchtet, will wissen, welche genetische Vielfalt in seinen Zuchtstämmen steckt und ob Zuchttiere sich von wilden Beständen entfernen. Dafür braucht es ein Referenzgenom als Vergleichsmaßstab.
Die eingeführte Konkurrenz
Wie in vielen Ländern wird auch in Ostasien für Gewächshäuser überwiegend die europäische Bombus terrestris gehandelt. Eine Untersuchung von 2018 hat modelliert, wo in Ostasien klimatisch geeignete Flächen für diese Art liegen und wie stark sie sich mit den Vorkommen einheimischer chinesischer Hummeln überschneiden. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Die Überlappung ist erheblich.
Genau darin liegt der Grund, warum China einheimische Arten für die Zucht entwickelt. Eine Art, die bereits im Land vorkommt, kann keine fremde Art einschleppen, keine unbekannten Krankheitserreger mitbringen und sich nicht mit lokalen Beständen zu etwas vermischen, das vorher nicht da war. Bombus patagiatus ist dafür einer von zwei Kandidaten, die den Sprung in die Praxis geschafft haben.
Quellen
- Chromosome-level genome assembly and annotation of two Asian bumble bees (2026). Scientific Data 13, 248. nature.com/articles/s41597-026-06568-x
- Williams, P. H., Brown, M. J. F., Carolan, J. C. et al. (2012): Unveiling cryptic species of the bumblebee subgenus Bombus s. str. worldwide with COI barcodes. Systematics and Biodiversity 10(1), 21 bis 56.
- Huang, J., An, J. (2018): Species diversity, pollination application and strategy for conservation of the bumblebees of China. Biodiversity Science 26(5), 486 bis 497. biodiversity-science.net/EN/10.17520/biods.2018068
- Habitat suitability for the invasion of Bombus terrestris in East Asian countries. A case study of spatial overlap with local Chinese bumblebees (2018). Scientific Reports 8, 11028. nature.com/articles/s41598-018-29414-6
- Williams, P. H., Tang, Y., Yao, J., Cameron, S. (2014): The bumblebees of North China (Apidae, Bombus Latreille). Zootaxa 3830(1), 1 bis 89.
- Survey and diversity assessment of key insect communities in different grassland types in Inner Mongolia (2025). pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12219844
- Investigation of Insect Diversity in the Restoration Area of Yimin Surface Mine in Inner Mongolia (2025). Diversity 17(9), 635. mdpi.com/1424-2818/17/9/635
- https://www.inaturalist.org/observations/310416171
- https://www.inaturalist.org/observations/311412408
- https://www.inaturalist.org/observations/329449476