Bombus bellicosus

In den offenen Grasländern zwischen dem Nordwesten Argentiniens und dem brasilianischen Bundesstaat Paraná flog bis in die 1980er Jahre eine Hummel mit gelbem Bruststück und orangefarbenem Hinterleibsende. Am nördlichen Rand dieses Gebietes fehlt sie heute vollständig.

Bombus bellicosus gehört zu den wenigen Hummelarten der Südhalbkugel, bei denen sich ein regionales Aussterben nicht nur vermuten lässt. Sammlungsbelege und gezielte Nachsuchen zeichnen den Vorgang nach.

Verbreitung und Lebensraum

Bombus bellicosus  Das Areal der Art reicht vom Nordwesten Argentiniens über Uruguay bis in den Süden Brasiliens. In Paraná lag die nordöstliche Grenze. Besiedelt werden offene Graslandschaften und Flächen mit Strauchbewuchs, also die Campos und die Pampa, nicht der geschlossene Wald.

Wie stark sich das Bild schon verschoben hat, zeigt eine Bestandsaufnahme in Uruguay. Sechs Bombus-Arten waren für das Land gemeldet, bestätigen ließen sich nur zwei: Bombus pauloensis, verbreitet über alle Landesteile, und Bombus bellicosus, beschränkt auf den Süden.

Erkennungsmerkmale

Bombus bellicosusKopf, Fühler und Augen sind durchgehend schwarz behaart. Das Bruststück trägt oben gelbe Haare, in der Mitte bleibt eine haarlose schwarze Fläche frei. Am Hinterleib sind die vorderen Segmente schwarz, die hinteren orange. Diese Kombination macht die Art im Feld gut ansprechbar, was bei den südamerikanischen Hummeln keineswegs selbstverständlich ist. In Brasilien läuft sie wie andere große Bienen unter dem Sammelnamen mamangava. Systematisch gehört sie zur Untergattung Thoracobombus.

Eine Wachsdecke über der Brut

Bombus bellicosusEin Detail aus dem Nestbau hat die Forschung aufhorchen lassen. Völker dieser Art überziehen ihre Brutzellen mit einer Wachsschicht. Innerhalb der Gattung kennt man dieses Verhalten sonst vor allem von Arten kühler Regionen, wo die Decke Wärme im Nest hält.

Bei einer Hummel, die in subtropischen Grasländern lebt, wirft das eine naheliegende Frage auf. Steigen die Temperaturen, könnte eine Bauweise, die Wärme zurückhält, von einem Vorteil zu einer Belastung werden. Bewiesen ist dieser Zusammenhang nicht. Er gilt als eine der plausiblen Erklärungen dafür, warum gerade diese Art aus dem wärmeren Norden ihres Areals verschwand.

info hummelDer letzte gesicherte Fund im brasilianischen Bundesstaat Paraná stammt aus den frühen 1980er Jahren. Zwischen 2002 und 2005 suchten Forscher gezielt an den historischen Fundorten und fanden kein einziges Tier. Damit gehört Bombus bellicosus zu den ganz wenigen Hummelarten weltweit, deren regionales Verschwinden mit Datum und Ort dokumentiert ist.

Das Verschwinden aus Paraná

Bis Anfang der 1980er Jahre war die Art in Paraná noch vergleichsweise häufig. Aus dieser Zeit stammen die letzten Belegexemplare. Als zwischen 2002 und 2005 an denselben Stellen erneut gesammelt wurde, kam kein Nachweis mehr zusammen.

Als Ursachen kommen mehrere Entwicklungen in Betracht, die zeitlich zusammenfielen. Die Campos wurden großflächig in Acker und Siedlungsfläche umgewandelt. Dazu kommen Belastungen durch Schadstoffe und die Erwärmung. Welcher Anteil auf welchen Faktor entfällt, lässt sich im Nachhinein nicht auseinanderrechnen.

Was die Modelle vorhersagen

Bombus bellicosusEine Arbeit von 2015 hat berechnet, wo die Art unter künftigen Klimabedingungen noch geeignete Verhältnisse vorfinden würde. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Die passenden Räume wandern nach Süden. Übrig blieben Restflächen im Süden Brasiliens sowie Teile Argentiniens und Uruguays.

Für eine Art, die an offene Graslandschaften gebunden ist, hat das eine unangenehme Nebenbedingung. Sie kann nur dorthin ausweichen, wo solche Flächen noch existieren. Genau daran mangelt es in der Pampa, die zu großen Teilen unter dem Pflug liegt.

Eingeschleppte Konkurrenz

Seit den 1990er Jahren breitet sich der aus Europa nach Chile eingeführte Bombus terrestris über den Süden des Kontinents aus. Aus Chile schwappte er nach Argentinien über, obwohl dort ein Einfuhrverbot galt. Neue Fundorte in Río Negro und La Pampa markieren die Ostbewegung.

Für Bombus dahlbomii im Süden Chiles und Argentiniens sind die Folgen dieser Ausbreitung inzwischen gut dokumentiert. Für Bombus bellicosus fehlt ein entsprechender Nachweis. Der Ausbreitungskorridor über die argentinische Pampa Richtung Uruguay und Südbrasilien führt allerdings mitten durch das verbliebene Restareal.

Was noch fehlt

Zur Nistplatzwahl, zur Volksgröße und zum Jahreslauf der Art liegen bis heute kaum veröffentlichte Daten vor. Wer nach Angaben sucht, findet meist Werte verwandter Arten, die sich nicht ohne Weiteres übertragen lassen.

Ein Fortschritt kam 2024 mit der Entschlüsselung des Kern- und Mitochondriengenoms. Solche Daten erlauben es, genetische Vielfalt und Verwandtschaftsverhältnisse in den verbliebenen Vorkommen zu messen. Bei einer Art, deren Bestände auseinandergerissen wurden, ist das die Grundlage für jede belastbare Schutzplanung. Die Weltnaturschutzunion führt Bombus bellicosus bislang unter der Kategorie ungenügende Datengrundlage.

Quellen

  • Martins, A. C. & Melo, G. A. R. (2010): Has the bumblebee Bombus bellicosus gone extinct in the northern portion of its distribution range in Brazil? Journal of Insect Conservation 14(2), S. 207 bis 210. link.springer.com/article/10.1007/s10841-009-9237-y
  • Martins, A. C., Silva, D. P., De Marco, P. & Melo, G. A. R. (2015): Species conservation under future climate change: the case of Bombus bellicosus, a potentially threatened South American bumblebee species. Journal of Insect Conservation 19, S. 33 bis 43. link.springer.com/article/10.1007/s10841-014-9740-7
  • Santos, K., Arbulo, N., Salvarrey, S. & Invernizzi, C. (2017): Distribución de las especies del género Bombus Latreille (Hymenoptera, Apidae) en Uruguay. Revista de la Sociedad Entomológica Argentina 76(1). scielo.org.ar/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0373-56802017000100003
  • The nuclear and mitochondrial genomes of the bellicose bumblebee (Bombus bellicosus, Hymenoptera: Apidae), a threatened pollinator in a changing South American landscape. Genome (2024), DOI 10.1139/gen-2024-0166. cdnsciencepub.com/doi/10.1139/gen-2024-0166
  • Aizen, M. A. et al. (2019): Invasion dynamics of the European bumblebee Bombus terrestris in the southern part of South America. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8316498
  • Smith, F. (1879): Descriptions of new species of Hymenoptera in the collection of the British Museum. London (Erstbeschreibung von Bombus bellicosus).
  • https://www.inaturalist.org/observations/350170445
  • https://www.inaturalist.org/observations/346041844
  • https://www.inaturalist.org/observations/343067405
  • https://www.inaturalist.org/observations/338470082

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Bombus robustus

Oberhalb der Waldgrenze der nördlichen Anden liegt ein Lebensraum, den es sonst nirgends gibt. Der Páramo ist eine feuchte, kühle Graslandschaft zwischen Baumgrenze und Schneeregion, geprägt von Schopfrosettenpflanzen und starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Bombus robustus gehört zu den Hummeln, die dort oben bestäuben.

Einordnung und Erscheinung

Bombus robustusBeschrieben wurde die Art 1854 von Frederick Smith. Heute wird sie zur Untergattung Cullumanobombus gestellt, ältere Arbeiten führen sie unter dem eigenen Namen Robustobombus. Innerhalb der kolumbianischen Hummelfauna zählt sie zur Gruppe der kurzgesichtigen Arten, die vor allem Bergökosysteme ab etwa 2.100 Metern besiedeln.

Eine ausführliche Beschreibung der Behaarung sucht man in der zugänglichen Literatur vergeblich. Der Artname verweist auf einen kräftigen Körperbau, gemessene Vergleichswerte zu anderen Andenarten liegen dazu aber nicht vor.

Verbreitung in den nördlichen Anden

Bombus robustusDas Areal reicht von Venezuela über Kolumbien bis nach Ecuador. Aus Venezuela liegen Nachweise aus Mérida vor, aus Kolumbien unter anderem aus dem Hauptstadtdistrikt, aus Magdalena, Meta, Nariño und Putumayo, aus Ecuador aus Azuay, Manabí, Pichincha und Tungurahua. In Kolumbien ist die Art aus allen drei Kordilleren belegt.

Bei den Höhenangaben gehen die Quellen auseinander. Genannt werden Spannen von 762 bis 3.800 Metern, von 2.100 bis 3.800 Metern und, in der aktuellen ecuadorianischen Bestandsaufnahme, von 500 bis 4.000 Metern. Der Schwerpunkt liegt eindeutig im Hochland. Belegtiere stammen etwa aus dem Nationalpark Chingaza zwischen 2.900 und 3.100 Metern, aus dem Nationalpark Tatamá von 3.579 Metern und aus dem Nationalpark Los Nevados von 3.300 Metern.

info hummelEine Bestandsaufnahme der Hummeln Ecuadors aus dem Jahr 2025 wertete aus, welche Art an wie vielen Pflanzen sammelt. Bombus robustus kam auf 53 besuchte Pflanzenarten, davon 21 einheimische, und war damit die zweitaktivste Hummel des Landes. Für eine Art, die die Rote Liste mangels Daten überhaupt nicht einstufen kann, ist das eine bemerkenswerte Bilanz.

Was sie anfliegt

Aus Kolumbien liegen Beobachtungen an Lupinen und an Dahlien vor, beides Pflanzengruppen mit Schwerpunkt in den amerikanischen Gebirgen. Die ecuadorianische Übersicht nennt darüber hinaus Dalea coerulea, einen Schmetterlingsblütler des Andenhochlands, sowie mehrere Salbeiarten.

Dass gut ein Drittel der besuchten Pflanzen nicht einheimisch ist, sagt etwas über den Zustand des Lebensraums. Der Páramo grenzt vielerorts direkt an Weiden, Kartoffeläcker und Siedlungen, und die Hummeln sammeln an dem, was dort blüht.

DNA aus dem Museumsschrank

Bombus robustusFür Arten, von denen niemand systematisch Bestände zählt, sind alte Sammlungsbelege oft die einzige Zeitreihe, die existiert. Eine kolumbianische Arbeitsgruppe hat 2020 geprüft, ob sich aus solchen Tieren noch brauchbares Erbgut gewinnen lässt.

Das Verfahren funktionierte. Aus Beinen von Belegtieren gelang die Extraktion zuverlässig bei Material ab dem Sammeljahr 1982, die untersuchten Stücke waren zwischen sieben und zweiundzwanzig Jahre alt. Aus dem Markergen COI ließen sich Abschnitte von 407 Basenpaaren gewinnen, für Bombus robustus wurden mehrere verschiedene Haplotypen unterschieden.

Der praktische Nutzen liegt auf der Hand. Wer heutige Tiere mit Museumsbelegen desselben Ortes vergleicht, kann messen, ob eine Population genetisch verarmt ist, ohne dreißig Jahre warten zu müssen. Für die kolumbianischen Hummeln fehlt bis heute jede Schätzung, wie sich die Bestände entwickelt haben.

Eine zerrissene Karte

Eine Nischenmodellierung für Kolumbien kam 2023 zu dem Ergebnis, dass die potenziell geeigneten Flächen für einen Teil der Arten stark zersplittert sind. Das liegt in der Natur des Lebensraums. Páramos sitzen wie Inseln auf den Gipfelregionen, getrennt durch tiefer gelegene, wärmere Täler.

Für eine Hochlandart bedeutet Erwärmung deshalb nicht Ausweichen, sondern Aufsteigen, und über dem Gipfel ist Schluss. Die Weltnaturschutzunion führt Bombus robustus bislang unter ungenügender Datengrundlage und vermerkt, dass sie im gesamten Areal natürlicherweise selten zu sein scheint. Diese beiden Feststellungen zusammen beschreiben das eigentliche Problem: Ein Rückgang wäre bei dieser Art kaum zu bemerken.

Quellen

  • Lotta-Arévalo, I. A., Vargas-Ramírez, M., Nates-Parra, G., Matta, N. E. & Ospina-Torres, R. (2020): Accediendo al pasado: uso de especímenes de colección como fuentes de información genética para el género Bombus. Revista de Biología Tropical 68(2), S. 394 bis 414. scielo.sa.cr/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0034-77442020000200394
  • Moreno-Coellar, E. A., García-Ruilova, A. B., Salazar-Buenaño, F. et al. (2025): Bumble bees (Hymenoptera: Apidae) of Ecuador. bioRxiv, DOI 10.1101/2025.10.15.682676
  • Rojas-Arias, L., Gómez-Morales, D., Stiegel, S. & Ospina-Torres, R. (2023): Niche modeling of bumble bee species (Hymenoptera, Apidae, Bombus) in Colombia reveals highly fragmented potential distribution for some species. Journal of Hymenoptera Research 95, S. 231 bis 244. DOI 10.3897/jhr.95.87752
  • Abrahamovich, A. H., Díaz, N. B. & Morrone, J. J. (2004): Distributional patterns of the Neotropical and Andean species of the genus Bombus (Hymenoptera: Apidae). Acta Zoológica Mexicana 20(1), S. 99 bis 117. scielo.org.mx/pdf/azm/v20n1/v20n1a9.pdf
  • Global Biodiversity Information Facility: Bombus robustus Smith, 1854. gbif.org/species/1340459
  • Smith, F. (1854): Catalogue of hymenopterous insects in the collection of the British Museum, Teil 2, London (Erstbeschreibung).
  • https://www.inaturalist.org/observations/362937706
  • https://www.inaturalist.org/observations/374716437
  • https://www.inaturalist.org/observations/381226047

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