Bombus robustus

Oberhalb der Waldgrenze der nördlichen Anden liegt ein Lebensraum, den es sonst nirgends gibt. Der Páramo ist eine feuchte, kühle Graslandschaft zwischen Baumgrenze und Schneeregion, geprägt von Schopfrosettenpflanzen und starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Bombus robustus gehört zu den Hummeln, die dort oben bestäuben.

Einordnung und Erscheinung

Bombus robustusBeschrieben wurde die Art 1854 von Frederick Smith. Heute wird sie zur Untergattung Cullumanobombus gestellt, ältere Arbeiten führen sie unter dem eigenen Namen Robustobombus. Innerhalb der kolumbianischen Hummelfauna zählt sie zur Gruppe der kurzgesichtigen Arten, die vor allem Bergökosysteme ab etwa 2.100 Metern besiedeln.

Eine ausführliche Beschreibung der Behaarung sucht man in der zugänglichen Literatur vergeblich. Der Artname verweist auf einen kräftigen Körperbau, gemessene Vergleichswerte zu anderen Andenarten liegen dazu aber nicht vor.

Verbreitung in den nördlichen Anden

Bombus robustusDas Areal reicht von Venezuela über Kolumbien bis nach Ecuador. Aus Venezuela liegen Nachweise aus Mérida vor, aus Kolumbien unter anderem aus dem Hauptstadtdistrikt, aus Magdalena, Meta, Nariño und Putumayo, aus Ecuador aus Azuay, Manabí, Pichincha und Tungurahua. In Kolumbien ist die Art aus allen drei Kordilleren belegt.

Bei den Höhenangaben gehen die Quellen auseinander. Genannt werden Spannen von 762 bis 3.800 Metern, von 2.100 bis 3.800 Metern und, in der aktuellen ecuadorianischen Bestandsaufnahme, von 500 bis 4.000 Metern. Der Schwerpunkt liegt eindeutig im Hochland. Belegtiere stammen etwa aus dem Nationalpark Chingaza zwischen 2.900 und 3.100 Metern, aus dem Nationalpark Tatamá von 3.579 Metern und aus dem Nationalpark Los Nevados von 3.300 Metern.

info hummelEine Bestandsaufnahme der Hummeln Ecuadors aus dem Jahr 2025 wertete aus, welche Art an wie vielen Pflanzen sammelt. Bombus robustus kam auf 53 besuchte Pflanzenarten, davon 21 einheimische, und war damit die zweitaktivste Hummel des Landes. Für eine Art, die die Rote Liste mangels Daten überhaupt nicht einstufen kann, ist das eine bemerkenswerte Bilanz.

Was sie anfliegt

Aus Kolumbien liegen Beobachtungen an Lupinen und an Dahlien vor, beides Pflanzengruppen mit Schwerpunkt in den amerikanischen Gebirgen. Die ecuadorianische Übersicht nennt darüber hinaus Dalea coerulea, einen Schmetterlingsblütler des Andenhochlands, sowie mehrere Salbeiarten.

Dass gut ein Drittel der besuchten Pflanzen nicht einheimisch ist, sagt etwas über den Zustand des Lebensraums. Der Páramo grenzt vielerorts direkt an Weiden, Kartoffeläcker und Siedlungen, und die Hummeln sammeln an dem, was dort blüht.

DNA aus dem Museumsschrank

Bombus robustusFür Arten, von denen niemand systematisch Bestände zählt, sind alte Sammlungsbelege oft die einzige Zeitreihe, die existiert. Eine kolumbianische Arbeitsgruppe hat 2020 geprüft, ob sich aus solchen Tieren noch brauchbares Erbgut gewinnen lässt.

Das Verfahren funktionierte. Aus Beinen von Belegtieren gelang die Extraktion zuverlässig bei Material ab dem Sammeljahr 1982, die untersuchten Stücke waren zwischen sieben und zweiundzwanzig Jahre alt. Aus dem Markergen COI ließen sich Abschnitte von 407 Basenpaaren gewinnen, für Bombus robustus wurden mehrere verschiedene Haplotypen unterschieden.

Der praktische Nutzen liegt auf der Hand. Wer heutige Tiere mit Museumsbelegen desselben Ortes vergleicht, kann messen, ob eine Population genetisch verarmt ist, ohne dreißig Jahre warten zu müssen. Für die kolumbianischen Hummeln fehlt bis heute jede Schätzung, wie sich die Bestände entwickelt haben.

Eine zerrissene Karte

Eine Nischenmodellierung für Kolumbien kam 2023 zu dem Ergebnis, dass die potenziell geeigneten Flächen für einen Teil der Arten stark zersplittert sind. Das liegt in der Natur des Lebensraums. Páramos sitzen wie Inseln auf den Gipfelregionen, getrennt durch tiefer gelegene, wärmere Täler.

Für eine Hochlandart bedeutet Erwärmung deshalb nicht Ausweichen, sondern Aufsteigen, und über dem Gipfel ist Schluss. Die Weltnaturschutzunion führt Bombus robustus bislang unter ungenügender Datengrundlage und vermerkt, dass sie im gesamten Areal natürlicherweise selten zu sein scheint. Diese beiden Feststellungen zusammen beschreiben das eigentliche Problem: Ein Rückgang wäre bei dieser Art kaum zu bemerken.

Quellen

  • Lotta-Arévalo, I. A., Vargas-Ramírez, M., Nates-Parra, G., Matta, N. E. & Ospina-Torres, R. (2020): Accediendo al pasado: uso de especímenes de colección como fuentes de información genética para el género Bombus. Revista de Biología Tropical 68(2), S. 394 bis 414. scielo.sa.cr/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0034-77442020000200394
  • Moreno-Coellar, E. A., García-Ruilova, A. B., Salazar-Buenaño, F. et al. (2025): Bumble bees (Hymenoptera: Apidae) of Ecuador. bioRxiv, DOI 10.1101/2025.10.15.682676
  • Rojas-Arias, L., Gómez-Morales, D., Stiegel, S. & Ospina-Torres, R. (2023): Niche modeling of bumble bee species (Hymenoptera, Apidae, Bombus) in Colombia reveals highly fragmented potential distribution for some species. Journal of Hymenoptera Research 95, S. 231 bis 244. DOI 10.3897/jhr.95.87752
  • Abrahamovich, A. H., Díaz, N. B. & Morrone, J. J. (2004): Distributional patterns of the Neotropical and Andean species of the genus Bombus (Hymenoptera: Apidae). Acta Zoológica Mexicana 20(1), S. 99 bis 117. scielo.org.mx/pdf/azm/v20n1/v20n1a9.pdf
  • Global Biodiversity Information Facility: Bombus robustus Smith, 1854. gbif.org/species/1340459
  • Smith, F. (1854): Catalogue of hymenopterous insects in the collection of the British Museum, Teil 2, London (Erstbeschreibung).
  • https://www.inaturalist.org/observations/362937706
  • https://www.inaturalist.org/observations/374716437
  • https://www.inaturalist.org/observations/381226047

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