Wie Wachsmotten Hummelnester aufspüren

Die Hummelnestmotte (Aphomia sociella) findet ihre Wirte nicht mit den Augen. Die Weibchen fliegen in der Dämmerung und suchen gezielt nach dem typischen Duft eines Hummelvolkes. Optische Merkmale des Nestes spielen für den ersten Anflug keine Rolle. Ein Nest, das für das menschliche Auge unauffällig oder gut versteckt wirkt, ist für die Motte also nicht automatisch schwerer zu finden, solange der Duft nach außen dringt.

Auch die Larven verlassen sich nach dem Schlüpfen auf den Geruchssinn. Findet das Weibchen keinen direkten Zugang zum Nest, legt es die Eier in der Nähe ab. Die jungen Raupen suchen sich den Weg zum Nest dann selbst, ebenfalls geruchsgeleitet.

Aphomia sociellaTrotzdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Verstecktheit und Befallsrisiko, nur wirkt er indirekt. Bei einem natürlichen Nest kann der Eingang zwischen Grashalmen, feinen Wurzeln, Moospolstern oder Steinchen gut verborgen liegen. Das erschwert auch einer duftorientierten Motte den letzten Schritt, denn der Gang von der Öffnung bis zur eigentlichen Nestkammer, etwa einem ehemaligen Mäusegang, kann lang, verwinkelt und verzweigt sein. Der Duft führt die Motte grob in die richtige Richtung, das konkrete Eindringen bleibt aber schwierig und zeitaufwendig.

Hummelkästen: kurzer Weg, starker Duft

Bei künstlichen Hummelkästen fällt dieser natürliche Umweg weitgehend weg. Der Eingang ist meist leicht auffindbar, und der Weg vom Flugloch bis zum Nest ist kurz. Stehen mehrere Kästen dicht beieinander, verstärkt sich der Effekt zusätzlich, weil die einzelnen Duftquellen sich zu einem besonders starken Signal summieren. Wachsmotten haben es dadurch in Kästen tendenziell leichter als in gut kaschierten Naturnestern.

info hummelIst der Befall erfolgreich, geht es schnell: Bei günstiger Temperatur und Luftfeuchtigkeit schlüpfen die Larven innerhalb von drei bis fünf Tagen. Sind es genügend Raupen, können sie ein Hummelnest binnen einer Woche vollständig zerstören, da sie durchgehend fressen.

Geruch von Bienenständen

Aphomia sociellaForscher aus Lettland haben untersucht, ob Hummelvölker in der Nähe von Bienenständen häufiger von Wachsmotten befallen werden. Dafür stellten sie 25 Hummelvölker in unterschiedlichem Abstand, von direkt daneben bis 600 Meter entfernt, zu sechs Bienenständen auf und prüften über den Sommer regelmäßig Befall, Nachwuchs und Immunsystem der Tiere. Ergebnis: Je näher ein Volk am Bienenstand stand, desto öfter war es befallen, desto weniger Nachwuchs hatte es und desto schwächer war die Immunabwehr. Bei 600 Metern war das Risiko fast verschwunden.

Der Grund liegt in zwei Effekten. Zum einen können Wachsmotten auch geschwächte Honigbienenvölker besiedeln, an Bienenständen gibt es also grundsätzlich mehr Motten in der Umgebung. Zum anderen konkurrieren Hummeln und Honigbienen um dieselben Blüten. Nahe am Bienenstand bekommen Hummeln weniger Nahrung, das schwächt ihr Immunsystem, und ein geschwächtes Volk wehrt sich schlechter gegen eindringende Raupen. Beides zusammen erklärt, warum der Befall mit sinkender Entfernung deutlich zunimmt.

Quellen

  • wildbienen.de: Hummelschutz, Wachsmotten, Biologie, wildbienen.de/hus-wmo0.htm
  • wildbienen.de: Wildbienen-Parasiten: Wachsmotten (Galleriinae), wildbienen.de/wbi-p711.htm
  • Krams, R., Grigorjeva, T., Willow, J., Popovs, S., Munkevics, M., Trakimas, G., Contreras-Garduño, J., De Souza, A. R., Adams, C. B., Rantala, M. J., Garajeva, S. J., Sledevskis, E., Krama, T. und Krams, I. A. (2025): Infestation levels of Aphomia sociella in bumblebees increase with proximity to apiaries and result in lower reproductive output and weaker immune response. Frontiers in Bee Science, 3, doi.org/10.3389/frbee.2025.1550560
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org

Bewerte diesen Beitrag

1 Sterne2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (2 Bewertungen gesamt. Ø 5,00 / 5)
Stefan

Über Stefan

Töging am Inn (Südostbayern), 398m
Ansicht von 5 Beiträgen – 1 bis 5 (von insgesamt 5)
  • Autor
    Beiträge
  • #97578
    Christian
    Forenmitglied
      • A-4800, 4851
      • 420, 510 m

      Weiß nicht, ob im Forum noch andere Imker sind, die wie ich Hummeln in Nistkästen halten und schützen. Möchte hier wieder einmal über meine Erfahrungen mit Hummelmotten in meinen beiden Gärten  – in einem halte ich seit Jahrzehnten etwa 2 – 3 Bienenvölker – berichten. Die 32 Hummelkästen sind aufgeteilt 19 : 13 = Bienenstandort. Ich hatte/habe kaum Probleme mit Hummelmotten, obwohl meine einfach gebauten HK zwar einen Vorbau, aber keine Mottenklappen besitzen. Nur ganz selten werden Hummelvölker von Motten befallen, heuer in einem HK mit Gartenhummeln – aber es gab bereits Geschlechtstiere. Konnte aber keine Gespinste, Motten oder Raupen feststellen – vielleicht doch ein anderer Grund, dass ich keine Waben gefunden hatte?

      Jedenfalls stehen direkt bei meiner Bienenhütte insgesamt 6 Hummelkästen, 4 waren/sind heuer besiedelt. Bisher dachte ich, dass der starke Geruch der Bienen (Honig, Wachs, Propolis) ev. Hummelmotten “verwirren” und diese daher die Nester nicht so leicht finden, aber die Studie belegt eigentlich das Gegenteil. Auch dass Motten ein größeres Problem werden, wenn man mehrere besiedelte Hummelkästen beisammenstehen hat, kann  ich so nicht bestätigen.

      Ja, meine Hummelkästen befinden sich relativ gut getarnt unter Hecken, Stauden beim Teich, aber auch auf einer Benjeshecke, in einer Astgabel usw. Ich denke, das “Geheimnis” liegt in der Ausgewogenheit von “Nützlinge/Schädlingen” in meinen Naturgärten. So existieren hier z.B. jeweils Hornissen- und Wespenvölker sowohl in Hummelkästen als auch Naturnestern. Durch reichlich vorhandene Trachtpflanzen entwickeln sich die Hummelvölker gut, und sind vielleicht auch wehrhafter gegen Feinde. Im Übrigen gibt es auch keine Konkurrenz zu den beiden Bienenvölkern, die im Sommer doch locker 100.000 Individuen umfassen können.

      Beste Grüße aus Oö.! Christian

       

      #97621
      Stefan
      Admin
      Beitragsersteller
        • DE 84513
        • 398 m

        Ich finde das ja immer wieder sehr faszinierend, wie regional unterschiedlich das Problem mit den Wachsmotten ist. Hier in unserer Gegend kann man abends nicht durch den Garten gehen, ohne dass einem flatternde Wachsmottenfalter an den Kopf fliegen. Und bei dir, @Christian, scheinen diese Plagegeister kein Problem zu sein. Da darfst du dich wirklich glücklich schätzen.

        Dass in Deiner direkten Umgebung die Natur noch in Ordnung zu sein scheint, macht sicherlich auch einiges aus.

        Grüße Stefan

        #97624
        Christian
        Forenmitglied
          • A-4800, 4851
          • 420, 510 m

          @Stefan – sehe nie Hummelmotten umherflattern, allerdings Motten an Bienenwachs schon – wenn ich Altwaben zu lange ungeschützt lagere. Im Vorjahr fand ich ein paar Maden der Hummelmotten in einem Nistkasten, die verfütterte ich meinen Waldameisen. Hatte das Glück, dass ein Fachmann einen störenden Ameisenhaufen in einem Hausgarten an meinen Waldhang übersiedelte. Vogelnistkästen gibt´s bei mir auch sehr viele (wie bei Dir), Meisen, Spatzen & Co. helfen bekanntlich beim Vertilgen von lästigen Insekten, wohl auch von Motten. Heuer brüteten sogar erstmals Schwanzmeisen in einem kunstvoll gewebten Nest im Garten. :)

          Ja, es ist schon ein Glück, dass ich mir über Hummelmotten kaum Gedanken machen muss. Heuer wurden nur weniger Hummelvölker von Kuckucken okkupiert, vielleicht weil ich die Fluglöcher an den HK stark verengt habe. Dafür muss ich zugeben, dass es – wahrscheinlich bedingt durch kaum Eingriffen in die Natur – zu Verlusten bei Hummelköniginnen kommt, z.B. Ameisen versuchen immer wieder, in besiedelten Hummelkästen einzuziehen. Dass jedenfalls in meinen Gärten Hummelmotten kein Problem darstellen, hat sich sogar schon bis zu Hummelexperten herumgesprochen. Am Karsamstag war einer aus Salzburg bei mir angesagt, der Besuch scheiterte am Regenwetter. War auch schon mehrmals eingeladen zum jährlichen Treffen in Salzburg im “Haus der Natur” zu berichten, aber das ist “zu viel der Ehre”, und ich bleibe da eher bescheiden im Hintergrund.

          Beste Grüße! Christian

          #97650
          Insektenfreund
          Forenmitglied
            • DE 06869
            • 77 m

            Hier bei uns hat sich die Bedrohung durch Wachsmotten in den letzten Jahren verschärft. Dabei scheint weder Standort noch Art noch Volksgröße eine Rolle zu spielen. Lediglich Erdnester in natürlichen Mäusehöhlen sind deutlich weniger betroffen. Mehrfach ist es starken Steinhummelvölker gelungen trotz Befall sich zu behaupten und die Saison erfolgreich abzuschließen. Bei kleineren Einheiten führte der Befall immer zum Tod. Möglicherweise ist die dieses Jahr bei einem Wiesenhummelvolk beobachtete Aufzucht von Jungköniginnen direkt nach der ersten Generation eine Reaktion darauf. Ich bin nicht unbedingt ein Fan der Hummerklappe aber sie hat sich hier als bester Schutz erwiesen. Zugleich hält sie die parasitischen Fliegen ab. Mittlerweise sind 2/3 meiner Kästen mit Klappe ausgestattet.

            #97651
            Martha
            Forenmitglied
              • CH
              • 545 m

              Schlussendlich geht es immer um den Geruch den die Hummelvölker aussenden. Die Motten finden trotz aller Barrieren früher oder später ihre Ziele. Die menschliche Abwehr scheitert oftmals.

              Diesen Geruch zu maskieren, wäre ein aktuelles Forschungsfeld….. :lupe:

            Ansicht von 5 Beiträgen – 1 bis 5 (von insgesamt 5)
            • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.