Die Virusvariante DWV B bei Hummeln: aktueller Forschungsstand
Das Flügeldeformationsvirus, kurz DWV, gehört zu den bekanntesten Viruserkrankungen bei Honigbienen. In den vergangenen Jahren wurde vor allem die Variante DWV-B genauer untersucht, weil sie sich weltweit stark verbreitet hat. Ihre Auswirkungen auf Honigbienen sind inzwischen gut erforscht, über die Folgen für Hummeln weiß man dagegen deutlich weniger. Untersuchungen zeigen aber, dass sich auch Hummeln mit DWV-B infizieren können. Das Virus könnte damit eine zusätzliche Belastung für wild lebende Bestäuber wie Hummeln und andere Insekten darstellen.
Bei Hummeln wurde DWV bereits vor mehreren Jahren nachgewiesen. Am häufigsten untersucht wurde dabei die Erdhummel (Bombus terrestris), weit verbreitet und in der Forschung eine gängige Modellart. Die Studien zeigen, dass Hummeln Viren von Honigbienen aufnehmen können, wenn beide Gruppen dieselben Blüten besuchen. Auf diesem Weg können Krankheitserreger zwischen bewirtschafteten Honigbienenvölkern und wild lebenden Bestäubern wandern.
Übertragung zwischen Honigbienen und Hummeln
Wie Viren zwischen verschiedenen Bestäuberarten übertragen werden, ist ein zentrales Forschungsthema. Honigbienen und Hummeln nutzen oft dieselben Blütenpflanzen, und dabei können Viruspartikel über Speichel, Körperkontakt oder verunreinigte Blütenoberflächen weitergegeben werden.
Forscher fanden Hinweise darauf, dass hohe Virusbelastungen in Honigbienenvölkern mit einem häufigeren Nachweis von DWV bei Wildbienen zusammenhängen können. In Landschaften mit vielen bewirtschafteten Bienenvölkern rückt deshalb die Frage in den Vordergrund, welche Folgen das für Wildbestäuber hat.
Der Nachweis eines Virus bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Tier erkrankt oder geschädigt ist. Bei Hummeln wurden zwar DWV-Infektionen festgestellt, schwere Krankheitsverläufe wie bei stark belasteten Honigbienenvölkern sind bei ihnen bislang aber deutlich seltener dokumentiert.
Warum Hummeln offenbar widerstandsfähiger sind
Eine Untersuchung mit Erdhummeln aus dem Jahr 2024 zeigte, dass DWV-B zwar in den Körper der Tiere gelangen kann, sich dort aber nur begrenzt ausbreitet. Die Forscher vermuten dahinter bestimmte natürliche Barrieren im Körper der Hummeln. Vor allem der Verdauungstrakt scheint das Virus zurückzuhalten, wenn es über Nahrung oder Blütennektar aufgenommen wird, sodass es sich nicht stark im Körper verteilt.
Diese Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass DWV-B für Hummeln völlig unproblematisch ist. Wie stark sich eine Infektion auswirkt, hängt von mehreren Faktoren ab, etwa der Virusmenge, dem Gesundheitszustand der Tiere und zusätzlichen Belastungen durch Nahrungsmangel, Pestizide oder andere Krankheitserreger.
Flügelverformungen und DWV bei Hummeln
Das Flügeldeformationsvirus verdankt seinen Namen dem Umstand, dass infizierte Honigbienen häufig mit verkürzten oder verformten Flügeln aus dem Puppenstadium schlüpfen. Auch bei Hummeln wurden Tiere mit ähnlichen Veränderungen gefunden. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen sichtbaren Flügelschäden und DWV-B lässt sich jedoch schwerer nachweisen, weil dafür auch andere Ursachen infrage kommen.
Eine frühe Untersuchung aus dem Jahr 2006 wies DWV bei Erdhummeln und Ackerhummeln (Bombus pascuorum) mit Flügelveränderungen nach. Seitdem kamen weitere Virusnachweise hinzu, doch es fehlen noch umfangreiche Untersuchungen, die zeigen, wie häufig DWV-B tatsächlich zu Schäden in natürlichen Hummelpopulationen führt.
Aktuelle Bewertung der Bedeutung für Hummeln
Nach dem derzeitigen Forschungsstand gilt DWV-B nicht als Hauptursache für den Rückgang von Hummelarten. Die bisher bekannten Daten sprechen eher dafür, dass die Virusvariante ein zusätzlicher Stressfaktor sein kann, der zusammen mit anderen Belastungen die Widerstandskraft von Hummeln schwächt.
Wichtig bleiben deshalb weitere Untersuchungen an Wildhummeln in unterschiedlichen Landschaften. Laborstudien zeigen, wie sich ein Virus im Körper entwickelt, Felduntersuchungen geben dagegen Aufschluss darüber, welche Bedeutung eine Infektion tatsächlich für ganze Populationen hat.
Die Forschung zu DWV-B bei Hummeln steht noch am Anfang. Der Austausch von Krankheitserregern zwischen Honigbienen und Wildbienen wird inzwischen aber in mehreren Forschungsgruppen systematisch untersucht, unter anderem um herauszufinden, wie stark einzelne Viren den Bestand von Wildbestäubern belasten.
Quellen
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