Hummeln füttern
Hummeln im Nistkasten kann zugefüttert werden. Das kann hilfreich sein, etwa bei anhaltend schlechter Witterung, bei einem kümmerlichen Nest, um dem Volk zu helfen, bei Trachtmangel im Umfeld oder als Starthilfe nach einer Umsiedlung. Auf keinen Fall kann Zufütterung ein großes Angebot an Trachtpflanzen im Umfeld ersetzen.
Hummeln sind deutlich unempfindlicher gegenüber Kälte, Wind und leichtem Regen als Honigbienen: Durch Muskelzittern erzeugen sie selbst Wärme, ihr dichter Pelz isoliert zusätzlich, sodass sie schon ab etwa 5 °C ausfliegen. Kritisch wird es erst bei anhaltend schlechtem Wetter, also mehrtägigem Starkregen oder längeren Kälteperioden: Dann bleiben auch Hummeln im Nest, und die im Nest vorhandenen Nektarvorräte reichen oft nicht mehr aus. Ebenso wirkt sich anhaltende Trockenheit aus: Viele Trachtpflanzen produzieren unter diesen Bedingungen weniger Nektar oder verblühen frühzeitig, sodass auch bei sonnigem Wetter Nahrungsmangel entstehen kann.
Rezept
- Fruchtzucker, den erkennt man am einzigen Inhaltsstoff “Fruktose”
- Rohrzucker, also “ganz normaler Zucker”, z.B. Würfelzucker (kein brauner Zucker, Kandiszucker, Vanillezucker oder Gelierzucker)
- kaltes Wasser (wichtig, es darf nicht erwärmt werden)
- eine Stunde Zeit
- ein passendes Gefäß, in dem die Hummeln nicht ertrinken können
Mischungsverhältnis: 1 Teil Fruchtzucker auf 1 Teil Rohrzucker auf 1,5 Teile Wasser. Das Ganze kann man mit einem Löffel relativ einfach herstellen. Die Zuckerlösung ist fertig, wenn keine Zuckerkörner mehr sichtbar sind. Das kann bis zu einer Stunde dauern, also öfter mal umrühren.
Diese Energienahrung ist gut im Kühlschrank haltbar und wird sehr gut angenommen. Hummeln können gut in umgedrehten Legosteinen gefüttert werden, so können sie nicht ertrinken.
Damit die Hummeln diese für sie “neue Art von Blüte” als Futterstelle annehmen, füttert man am besten direkt im Vorbau (falls vorhanden). Auch direkt im Hummelhaus funktioniert, am besten in der Nähe des Einlaufschlauchs.
Zur Not funktioniert auch direkt vor der Hummelklappe. Das klappt aber nur ein paar Tage, denn spätestens dann kommt “Besuch” vorbei. Andere Hummeln, evtl. sogar Bienen oder Wespen. Vorsicht vor Meisen, für die sind die dicken Hummeln ein Leckerbissen.
Hummeln nehmen nicht immer sofort die Zuckerlösung an, sondern oft erst am nächsten oder übernächsten Tag. Sind die Hummeln aber einmal darauf angesprungen, sind die Legosteine erstaunlich schnell leer.
- Legosteine sollten, wenn sie ausgeschlürft sind, wegen der Verkotung durch die Hummeln ausgetauscht bzw. gereinigt werden.
- Zuckerlösung ist lange haltbar, wenn die Spritze oder das Schraubglas mit der darin befindlichen Zuckerlösung im Kühlschrank aufbewahrt wird.
- Aus den Blüten holen sich die Hummeln den Nektar, dieser ist sehr dünnflüssig und dient den Hummeln als Energiequelle.
Energie benötigen die Königin und die Arbeiterinnen zum Brüten und Fliegen. Hummeln legen nur kleine Nektarvorräte an. Dieser reicht meistens nur für ein oder zwei Tage. Deshalb muss ständig von den Hummeln aufgefüllt werden.
Ist der Nektar nur schwer oder gar nicht von den Hummeln zu besorgen, z.B. beim einsetzenden Winterfrost (wie es öfters vorkommt im April, Anfang Mai), kommt es zum Energiemangel. Dieser kann von den Hummeln nicht ausgeglichen werden und es kann den Verlust des ganzen Hummelvolkes bedeuten. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, in solch einer Situation den Hummeln Zuckerwasser anzubieten, damit die Energie, die zur Weiterentwicklung des Hummelvolkes benötigt wird, gesichert ist.
Futterhaus für Hummeln - Eine halbe Stunde Arbeit, funktioniert super. Heute ist nicht ganz so viel… .Gedanken zur Fütterung von Hummeln
Der Hummelrüssel ist ein feines, langes Organ. Zähflüssige oder kristallisierende Substanzen können ihn verkleben oder verstopfen, was letztlich zum Hungertod der Hummel führen kann.
Fructose/Saccharose/Wasser-Gemische enthalten keine Aminosäuren, Lipide, Vitamine oder sekundäre Pflanzenstoffe, die in Nektar und Pollen natürlicherweise vorkommen. Eine solche einseitige Ernährung kann zu Mangelerscheinungen, geschwächtem Immunsystem, geringerer Lebenserwartung und verminderter Reproduktionsfähigkeit führen.
Zuckerreste an Futterstellen oder im Nest können Schimmel- oder Bakterienwachstum fördern.
Ein zu hoher Fruchtzuckeranteil in der Lösung kann zu einer osmotischen Belastung führen und für Insekten schädlich sein. Auch die falsche Temperatur oder eine Verkeimung des Gemischs kann schädlich wirken.
Durch künstliche Zufütterung wird das natürliche Populationsgleichgewicht gestört: Schwache Völker überleben, obwohl sie unter natürlichen Bedingungen ausscheiden würden. Das kann auf lange Sicht die genetische Fitness von Wildpopulationen beeinträchtigen.
Also: Wenn überhaupt, dann nur in Notsituationen füttern, und zwar in Vorrichtungen ohne die Gefahr, dass Hummeln in das Zuckerwasser laufen.
Links
- Fruchtzucker kaufen
- Forenbeitrag von @janfo
- NABU Südbaden: Warum die Hummeln unersetzlich sind
- Deutsche Wildtier Stiftung: Bei steigenden Temperaturen fliegen die Hummeln wieder
- Bestäubungsimker.de: Häufig gestellte Fragen über Hummeln und Bienen
- bienen.ch: Hummeln
- beetfreunde.de: Hummeln oder Bienen – wer ist wirklich fleißiger?
- Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau: Abhängigkeit der Nektarproduktion
- bienen-nachrichten.de: Trockenheit bedeutet weniger Blüten für Bienen
- naturgartenfreude.de: Die Ernährung der Wildbienen – Nektar
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- Dieses Thema hat 112 Antworten sowie 26 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 14 Jahren, 1 Monat von
Doris aktualisiert.
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