Die Hummel-Schwebfliege als Nestparasit

Die Hummel-Waldschwebfliege, Volucella bombylans, gehört zur Familie der Schwebfliegen und ahmt im Aussehen Hummeln nach, obwohl sie zu einer völlig anderen Ordnung zählt, den Zweiflüglern. Fressfeinde meiden Hummeln wegen ihres Stachels und übertragen diese Vorsicht auf die wehrlose Fliege, ein Beispiel für Batessche Mimikry. Mit 10 bis 17 Millimetern erreicht sie etwa die Größe einer Hummelarbeiterin, ihr Hinterleib ist dicht behaart und stark gewölbt, das Gesicht tritt gelb gefärbt deutlich nach vorn hervor. Die Art bildet mehrere Farbformen aus, die jeweils eine andere Hummelart nachahmen. Volucella bombylans var. bombylans zeigt einen schwarzen Vorderkörper und einen rotorangen Hinterleib nach dem Vorbild der Stein- oder der Wiesenhummel, Volucella bombylans var. plumata trägt einen helleren, weißlichen Hinterleib nach dem Vorbild der Erd- oder der Gartenhummel. Eine seltenere dritte Form, var. haemorrhoidalis, ähnelt äußerlich der hellen Variante, trägt jedoch zusätzlich einen roten Fleck auf dem Hinterleib. Kopulierende Paare wurden auch zwischen unterschiedlichen Farbformen beobachtet, die Formen pflanzen sich trotz ihres unterschiedlichen Aussehens uneingeschränkt miteinander fort.

info hummelBei der äußeren Ähnlichkeit bleibt es nicht: Wird die Hummel-Waldschwebfliege festgehalten, wiegt sie sich hin und her und lässt ein lautes Brummen hören, das dem Warnverhalten einer bedrängten Hummel entspricht. Zur optischen Tarnung kommt damit eine akustische und eine Bewegungskomponente hinzu.

Eiablage in Hummelnestern

Die parasitäre Lebensweise beginnt mit der Eiablage. Das Weibchen sucht aktiv Nester von Hummeln oder sozialen Wespen auf und nutzt dabei seine Ähnlichkeit, um sich unbemerkt zu nähern. Beobachtungen zeigen, dass die Fliege direkten Kontakt mit den Wirtstieren meidet und erst dann in den Nesteingang schlüpft, wenn dieser gerade nicht von ein- oder ausfliegenden Arbeiterinnen belegt ist. Im Nest legt sie ihre Eier ab und verlässt es anschließend wieder, ohne sich dort länger aufzuhalten.

Ernährung der Larven im Nest

Über die Ernährung der Larven bestand lange Unklarheit. Ältere Berichte gingen davon aus, dass sich die Fliegenlarven räuberisch von Hummellarven und -puppen ernähren. Für eine regelmäßige Räuberei an lebender Brut fehlen bis heute eindeutige Belege, weshalb neuere Einschätzungen die Larven vor allem als Verwerter von Nestabfall beschreiben. Sie leben von totem Material, Kotresten und toten Wirtstieren, ohne die lebende Brut anzugreifen. Damit ähnelt ihre Rolle im Nest eher der eines Mitbewohners als der eines klassischen Räubers. Erlischt das Hummelvolk im Herbst und sterben die Arbeiterinnen ab, verpuppen sich die Fliegenlarven und überwintern als Puppe im verlassenen Nest, bevor im nächsten Jahr die erwachsenen Fliegen schlüpfen.

Verbreitung, Lebensraum und Flugzeit

Die Hummel-Waldschwebfliege ist in weiten Teilen Europas verbreitet und besiedelt Blumenwiesen, Weg- und Waldränder, Waldlichtungen sowie Gärten. Als erwachsenes Tier ernährt sie sich von Nektar und Pollen und besucht dabei bevorzugt blau blühende Pflanzen wie Skabiosen oder die Acker-Kratzdistel. Ihre Flugzeit reicht von Mai bis August und liegt damit früher in der Saison als bei anderen Arten der Gattung Volucella.

Quellen

  • NABU Berlin: Hummel-Waldschwebfliege, berlin.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten/arten/zweifluegler/33240.html
  • Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben e.V.: Hummel-Waldschwebfliege, nwv-schwaben.de (Artenpool Zweiflügler, Schwebfliegen)
  • Heinz Sielmann Stiftung: Naturführer Schwebfliegen (PDF), sielmann-stiftung.de/fileadmin/Mediendatenbank/Publikationen/Naturfuehrer_Schwebfliegen.pdf
  • Natur-Lexikon: Hummelschwebfliege, natur-lexikon.com/Texte/HWG/003/00204-Hummelschwebfliege/HWG00204-Hummelschwebfliege.html
  • Hoverfly Recording Scheme (UK): Volucella bombylans, hoverfly.uk/hrs/species/volucella/volucella_bombylans
  • Royal Horticultural Society: Hoverflies, rhs.org.uk/advice/profile?pid=1060
  • Ray Cannon’s nature notes: Polymorphic mating in bumblebee hoverflies, rcannon992.com/2019/07/23/polymorphic-mating-in-bumblebee-hoverflies
  • bumblebee.org: Bumblebee symbionts (parasites, mutualists and commensals), bumblebee.org/Symbionts.htm
  • Gerald Bothe: Schwebfliegen. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg 1996
  • Joachim und Hiroko Haupt: Fliegen und Mücken: Beobachtung, Lebensweise. Naturbuch-Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-89440-278-4

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