Sackbrutvirus

Das Sackbrutvirus wurde bereits 1913 in den USA beschrieben und gilt damit als eines der ersten überhaupt entdeckten Insektenviren, wenn auch erst 1964 tatsächlich als Virus charakterisiert. Es gehört zur Familie der Iflaviridae und besitzt ein einzelsträngiges RNA-Genom von rund 8800 Basen. Bei der Honigbiene befällt es vor allem Larven, die kurz nach dem Verdeckeln der Brutzelle absterben und dabei eine sackartige, flüssigkeitsgefüllte Haut ausbilden, die dem Virus seinen Namen gab. Für die Westliche Honigbiene bleibt der Verlauf meist mild, für die Östliche Honigbiene Apis cerana kann dieselbe Viruslinie dagegen ganze Völker auslöschen. Bei Hummeln ist die Datenlage deutlich dünner, obwohl das Virus in praktisch jeder größeren Untersuchung zu Bienenviren mitgetestet wird.

Nachweis in Hummeln: häufig getestet, selten bestätigt

Erbgut des Sackbrutvirus wurde per RT-PCR in mehreren Bombus-Arten auf verschiedenen Kontinenten nachgewiesen, etwa bei Bombus atratus in Kolumbien und bei mehreren Bombus-Arten in Slowenien, wo 24,5 Prozent der untersuchten Hummelarbeiterinnen positiv waren. Solche Nachweise zeigen allerdings zunächst nur, dass virale RNA im Körper der Hummel vorhanden war, nicht, ob sich das Virus dort auch tatsächlich vermehrt hat. Für viele ältere Studien lässt sich das nicht mehr klären, weil weder eine gezielte Prüfung auf aktive Vermehrung noch eine Suche nach Krankheitszeichen vorgenommen wurde. Verglichen mit dem Flügeldeformationsvirus oder dem Schwarzen Königinnenzellenvirus, für die eine Vermehrung in Hummelgewebe mehrfach direkt bestätigt wurde, gilt der Wirtskreis des Sackbrutvirus deshalb als eher eng.

info hummelIn einer dreijährigen Untersuchung des gesamten Virenbestands von Honigbienen und der Amerikanischen Hummel Bombus impatiens war das Sackbrutvirus das einzige gut erforschte Honigbienenvirus, das durchgehend in allen drei Jahren im Hummelbestand auftauchte, obwohl sich die Virengemeinschaften beider Bienengruppen ansonsten deutlich unterschieden.

Kein eigenständiges Krankheitsbild bei Hummeln erkennbar

Eine 2025 veröffentlichte Sequenzierung der Virenbestände von Honigbienen und der Amerikanischen Hummel Bombus impatiens über drei Beobachtungsjahre in den USA ergab, dass die bei Hummeln gefundenen Sackbrutvirus-Stämme zu mehr als 98 Prozent mit den bei Honigbienen zirkulierenden Stämmen übereinstimmen. Eigene, an die Hummel angepasste Virusvarianten wurden nicht gefunden. Das spricht gegen eine echte Etablierung des Virus in der Hummel, bei der es sich von Arbeiterin zu Arbeiterin oder von der Königin auf die Brut weiterverbreiten würde. Wahrscheinlicher ist, dass sich einzelne Hummeln das Virus immer wieder neu aus der gemeinsamen Umgebung holen, etwa über Pollen und Nektar an Blüten, die zuvor von infizierten Honigbienen besucht wurden, ohne dass daraus ein sich selbst tragender Infektionszyklus innerhalb des Hummelvolks entsteht.

Schwankende Nachweisraten im Vergleich zu anderen Bienenviren

Wie häufig das Sackbrutvirus bei Hummeln überhaupt gefunden wird, unterscheidet sich stark zwischen einzelnen Untersuchungen. In der slowenischen Studie lag die Nachweisrate mit 24,5 Prozent über der des Flügeldeformationsvirus und des Akuten Bienenparalysevirus, aber deutlich unter der des Schwarzen Königinnenzellenvirus, das dort bei 58,5 Prozent der Hummeln gefunden wurde. In einer besonders ausführlichen amerikanischen Felduntersuchung, die gezielt auf die Frage einer saisonalen Übertragung von Honigbienen auf Hummeln ausgerichtet war, wurde das Sackbrutvirus dagegen nur selten oder gar nicht in Hummeln nachgewiesen und als vorwiegend honigbienentypisches Virus eingeordnet. Solche Unterschiede lassen sich bislang nicht eindeutig einer Ursache zuordnen, sie können an der Region, der Jahreszeit der Probenahme oder an der jeweils verwendeten Nachweismethode liegen.

Offene Fragen zur Übertragung

Bei der Honigbiene verbreitet sich das Sackbrutvirus vor allem über den Austausch von Larvenfutter zwischen Ammenbienen und Brut sowie über verflogene oder räubernde Bienen aus fremden Völkern. Für Hummeln fehlt bislang eine vergleichbar detaillierte Beschreibung des Übertragungswegs innerhalb des Volkes. Da die verfügbaren Daten eher auf einzelne, unabhängige Kontakte mit verseuchten Blüten hindeuten als auf eine Weiterverbreitung innerhalb der Hummelkolonie, bleibt unklar, ob das Virus eine Hummelarbeiterin überhaupt in nennenswertem Umfang krank machen kann, bevor es durch ihr kurzes Leben und die im Vergleich zur Honigbiene kleine Koloniegröße wieder aus dem Volk verschwindet.

Quellen

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