Der Suchflug der Hummelkönigin

Nach dem Ende der Winterruhe beginnt für die Hummelkönigin eine wichtige Phase ihres Lebens. Sie muss einen geeigneten Nistplatz finden, an dem sie ihr Volk gründen kann. Dieser Suchflug entscheidet oft darüber, ob die spätere Kolonie erfolgreich entsteht oder nicht. Die Königin investiert dabei viel Zeit und Energie. Jeder ungeeignete Platz bedeutet zusätzlichen Kraftaufwand, der in dieser frühen Jahreszeit besonders schwer wiegt.

Während ihrer Suche fliegt die Königin auffallend niedrig über den Boden. Häufig bewegt sie sich nur wenige Zentimeter über Wiesen, Böschungen oder Waldrändern. Dabei untersucht sie sorgfältig jede Vertiefung, jedes Mausloch und jede andere kleine Öffnung, die als Nistplatz geeignet sein könnte. Besonders aufmerksam kontrolliert sie ehemalige Mäusenester, da viele Hummelarten solche bereits vorhandenen Hohlräume bevorzugen. Andere Arten suchen dagegen nach Nestmöglichkeiten an oder über der Bodenoberfläche. Baumhummeln nutzen gerne Vogelnester als Brutstätte und ziehen deshalb bevorzugt hoch gelegene Vogelhäuser als Nistplatz in Betracht. Der Suchflug richtet sich deshalb immer nach den Ansprüchen der jeweiligen Art.

info hummelEine Hummelkönigin, die Nektar und Pollen sammelt, ist nie auf einem Suchflug unterwegs, weil sie bereits ein Nest gegründet hat!

Der Flug wirkt auf den ersten Blick langsam und etwas unruhig. Tatsächlich folgt die Königin jedoch einem klaren Suchmuster. Sie fliegt kurze Strecken, landet immer wieder, untersucht den Boden mit ihren Fühlern und startet anschließend erneut. Verdächtige Öffnungen werden häufig mehrfach angeflogen. Nicht selten verschwindet die Königin für einige Sekunden oder sogar Minuten im Inneren eines Hohlraums, bevor sie wieder erscheint. Erst nach einer gründlichen Prüfung entscheidet sich, ob der Platz geeignet ist oder verworfen wird.

Die Prüfung eines möglichen Nistplatzes

Findet die Königin eine vielversprechende Öffnung, beginnt eine besonders gründliche Untersuchung. Sie kriecht in den Hohlraum und kontrolliert dessen Größe, Trockenheit und Isolierung. Ein ehemaliges Mäusenest besitzt häufig noch Reste von Gras, Moos oder Fell. Dieses Material verbessert die Wärmedämmung und erleichtert den Start der Brut. Feuchte oder zu enge Hohlräume werden dagegen meist wieder verlassen.

Manche Königinnen kehren mehrmals zu einem bereits untersuchten Nistplatz zurück. Zwischen diesen Besuchen setzen sie ihre Suche fort und vergleichen offenbar verschiedene Möglichkeiten miteinander. Erst wenn ein Platz dauerhaft überzeugt, beginnt der eigentliche Nestbau. Danach sammelt die Königin Nektar und Pollen, formt die ersten Wachszellen und legt ihre ersten Eier ab.

Orientierungsflüge nach der Wahl des Nestes

Hat sich die Königin für einen Nistplatz entschieden, folgt ein auffälliges Verhalten direkt vor dem Nesteingang. Sie verlässt den Eingang, dreht sich um und beginnt zunächst in geringer Höhe vor dem Nest zu schweben. Dabei bleibt ihr Blick ständig auf den Eingang gerichtet. Anschließend fliegt sie langsam pendelnde Bögen, deren Radius nach und nach größer wird. Gleichzeitig steigt sie immer höher auf. Dieses Flugmuster dient dazu, sich markante Landschaftsmerkmale rund um das Nest einzuprägen. Dazu gehören Steine, Pflanzen, Äste oder auffällige Bodenstrukturen.

Mit jedem weiteren Orientierungsflug erweitert die Königin den bekannten Bereich. Auf diese Weise kann sie nach ihren Sammelflügen zuverlässig zum Nest zurückfinden. Forschungen zeigen, dass Hummeln dabei sowohl auffällige Geländestrukturen als auch die Stellung der Sonne und das Muster des polarisierten Himmelslichtes zur Orientierung nutzen. Zusätzlich helfen ihnen Duftspuren und das räumliche Gedächtnis.

Weshalb ist ein ausgeprägter Suchflug so wichtig?

Ein geeigneter Nistplatz bietet der jungen Kolonie Schutz vor Kälte, Feuchtigkeit und vielen Fressfeinden. Gleichzeitig muss der Standort in einer Umgebung liegen, in der ausreichend Blüten vorhanden sind. Ist der Weg zu den Nahrungsquellen zu weit oder das Nest schlecht geschützt, sinken die Überlebenschancen deutlich. Deshalb investiert die Königin viel Zeit in ihre Suche. Eine sorgfältige Entscheidung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus wenigen Eiern später ein starkes Hummelvolk entwickelt.

Die verschiedenen Arten des Suchfluges

Suche nach Diapause

Die Königin ist kürzlich aus dem Winterquartier hervorgekommen, hat noch kein Nest und beginnt jetzt nach einem zu suchen. Sie gibt sich mit einem verlassenen Mäusenest mit Nestmaterial an geeigneter Stelle oder dem vorbereiteten Nistkasten zufrieden.

Scheinsuche

Die Königin hat vermutlich bereits eine geeignete Nistgelegenheit gefunden und sich deren Standort eingeprägt. Dennoch stellt sie ihre Suche nicht sofort ein, sondern setzt sie zunächst scheinbar fort. Dieses Verhalten ist besonders bei der Erdhummel häufig zu beobachten. Solche Königinnen nehmen andere Nistmöglichkeiten, die lediglich mit Nestmaterial ausgestattet sind, in der Regel nicht mehr an. Werden jedoch Brutwaben der eigenen oder einer nah verwandten Art hinzugegeben, lassen sie sich mitunter noch zum Umzug bewegen. Meist beziehen sie nach einiger Zeit, manchmal erst nach zehn Tagen, den ursprünglich entdeckten Nistplatz. Daraus ergibt sich, dass man nach einem Einbürgerungsversuch nestsuchende Hummelköniginnen nicht weiter als etwa 250 Meter von ihrem Fundort entfernen sollte. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie eine bereits ausgewählte Nistgelegenheit nicht mehr wiederfinden.

Okkupation

Die Königin hat im Laufe der Nestsuche ein bereits gegründetes Hummelnest mit Brutwaben (mit oder ohne Arbeiterinnen) der eigenen oder einer nahestehenden Art gefunden. Sie hat jetzt nur noch den Trieb, dieses Nest zu okkupieren. Für eine normale Nestgründung ist sie jetzt gleichsam “verdorben”. Die Situation endet gewöhnlich mit dem Tod entweder der eigentlichen Nestmutter oder der Okkupantin durch einen Kampf. Vor der Okkupation zeigt die zum Eindringen entschlossene Königin ein intensives Such-Verhalten im näheren Umkreis um das von ihr aufgefundene Hummelnest herum.

Die Königin hatte bereits ein Nest gegründet oder okkupiert und es dann aus irgendwelchen Gründen verloren. Sie sucht erneut nach einem Nest, nimmt jedoch keine Nistgelegenheit mit bloßem Nestmaterial mehr an, sondern bezieht nur noch ein Nest, in dem sich bereits Waben der eigenen oder einer nahe stehenden Art befinden – sie wird aus ihrer Notlage heraus also auch schließlich zur Okkupantin.

Nestsuchende Königinnen in allen Stimmungslagen sind aber auch dazu geeignet, verloren gegangene Nestmütter nahe stehender Arten zu ersetzen.

Quellen

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  • #72031
    Christian
    Forenmitglied
      • A-4800, 4851
      • 420, 510 m

      G Morgähn Martha, nicht ganz korrekt: 13 passiv bezogen (Stein-, Erd-, 2 x Garten-, 3 x Wiesen-, 4 x Acker-, 2 x Baumhummeln) + 1 x aktiv besiedelt (Waldhummel = weiterhin erfolgreich, freue mich extrem drüber :)), 1 weitere angesiedelte Waldhummel war nicht zu überzeugen, blieb ein paar Tage, war einige Tage weg, kam wieder und ist dann endgültig verschwunden.

      Ja, in meinen Gärten gibt es sehr viel Totholz und daher leider auch große Holzameisen. Hielt sie früher für nützliche Waldameisen, bis mich ein Experte aufklärte, dass die Holzameisen sogar im Haus schädlich sein können. Die überfallen jedes Jahr so manche bezogene Hummelhäuser und verstopfen die Fluglöcher mit Kapok. Ein Gartenhummelvolk mit Arbeiterinnen wurde leider heuer deswegen vernichtet. Und bei der Ackerhummel vermutete ich dasselbe, aber vielleicht waren es doch diesmal keine Holzameisen die das Flugloch verbarrikatiert hatten? Auch Hummeln verstopfen manchmal den Eingang, aber das kenne ich nur von Baum- und Erdhummeln.

      #72033
      Kerstin
      Forenmitglied
        • AT 8642
        • 560 m

        <p style=”text-align: left;”>@Christian meine Wiesenhummeln haben die Einlaufröhre auch komplett mit Kapok verstopft u. nur im oberen Bereich einen gerade so großen Bereich freigelassen, dass sie noch ins Nest rein u. raus kommen. Dürfte also bei mehreren Arten so sein :P</p>

        #72036
        Martha
        Forenmitglied
          • CH
          • 545 m

          @Christian Hallo, deshalb habe ich für meine Hummelkästen Ameisensperren. Vielleicht sind die kleinen Tierchen geeignet gegen Motten, habe ich auch schon gelesen, andererseits können sie ein Desaster im Nest auslösen. Alles hat eben zwei Seiten.

          #72037
          Eckhard
          Forenmitglied
            • DE 06118
            • 115 m

            Hallo, gestern durch Zufall eine Erdhummelkönigin gesehen, wie Sie den leeren unterird. Schwegler bezog.  Abends war sie schon wieder da, sowie heute früh.  Köntte das schon eine Jungkönigin von diesem Jahr sein? Grüße Eckhard

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