Die Geschichte der DKW Hummel

Die Auto Union GmbH bringt die DKW Hummel im Jahr 1956 in Ingolstadt auf den Markt. Damit steigt das Unternehmen vergleichsweise spät in den Mopedbau ein, liefert dafür aber gleich ein technisch ausgereiftes Fahrzeug ab. Die Hummel ist nach der ab 1955 gebauten Jawa 550 eines der ersten Mopeds überhaupt mit einem Dreiganggetriebe und setzt sich damit deutlich von den meist eingängigen Konkurrenzmodellen der Zeit ab.

Ihren Namen verdankt das Moped keiner Bienenverwandtschaft, sondern dem Auspuff. Er ist so geformt, dass der Motor ungewöhnlich leise läuft und dabei ein charakteristisches, brummendes Geräusch erzeugt, das an eine summende Hummel erinnert.

Technik und Antrieb

Das Herzstück ist ein Einzylinder-Zweitaktmotor mit 1,35 PS, der die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h erreicht. Diese Grenze war 1955 beziehungsweise 1956 in Deutschland für Mopeds eingeführt worden. Weil der Motor nicht auf Spitzentempo, sondern auf durchgehend hohes Drehmoment ausgelegt werden konnte, beschleunigt die Hummel für ihre Klasse ordentlich und schafft laut zeitgenössischen Angaben auch ohne Trethilfe Steigungen von bis zu 22 Prozent. Damit kommt sie selbst über Pässe wie den Brenner oder den Großglockner.

Das Fahrwerk besteht aus einem Pressstahlrahmen mit integriertem Tank, der 5,5 Liter fasst. Vorne führt eine Kurzschwingengabel mit Gummibandfederung das Rad, hinten übernimmt eine Langschwinge mit Federbeinen diese Aufgabe. Jedes Federbein vereint eine Stahl-Schraubenfeder und eine Gummidämpferstange in einem Bauteil. Die Kraftübertragung zum Hinterrad läuft über eine vollständig gekapselte Kette, geschaltet wird klassisch per Drehgriff am linken Lenkerende.

Zum Starten dient eine Tretkurbel, die den damaligen Vorschriften entsprach und im Werbeprospekt als „Tretkurbel-Kickstarter“ beworben wurde. Eine eigene Tretkette ist dabei nicht nötig, da die Pedalwelle direkt ins Getriebe integriert ist. Sie erlaubt es zugleich, das Moped bei Bedarf allein mit Muskelkraft zu bewegen, was in der Betriebsanleitung ausdrücklich mit dem Hinweis versehen war, dafür Radwege zu benutzen.

info hummelBis zur Produktionseinstellung 1958 entstehen 117.617 Exemplare der DKW Hummel, was sie zu einem der meistverkauften deutschen Mopeds ihrer Zeit macht.

Ausstattungsvarianten und Preise

Die Hummel wird in zwei Ausführungen angeboten. Die Version „Standard“ kostet bei Markteinführung 598 DM, ein Tachometer ist gegen 20 DM Aufpreis erhältlich. Die Version „Luxus“ schlägt mit 658 DM zu Buche und bringt zunächst eine polierte Aluminiumfelge mit, später Chromzierrat, ein größeres vorderes Schutzblech und einen serienmäßigen Tachometer. Technisch unterscheiden sich beide Varianten nicht, die Unterschiede liegen allein in der Ausstattung.

Die Hummel Super

Im August 1958 folgt mit der DKW Hummel Super ein deutlich luxuriöseres Modell auf demselben Rahmen. Entgegen ersten Vermutungen, es könne sich um eine sportliche Variante handeln, ist die Super vor allem auf den Betrieb mit zwei Personen ausgelegt. Sie erhält Pränafa-Vollnabenbremsen mit 120 Millimetern Durchmesser, verstärkte Speichen und erstmals eine breitere Bereifung im Format 23 mal 2,50 Zoll. Rahmen und Gabel werden drehsteifer ausgeführt, die Hinterradfederung verstärkt, und ein 1,7-PS-Motor sorgt für ausreichend Durchzug, auch mit Sozius an Bord und bei eingehaltener 40-km/h-Grenze.

Äußerlich fällt die Super vor allem durch den freistehenden Satteltank auf, der den im Rahmen integrierten Tank der einfachen Hummel ersetzt. Dazu kommen eine verstärkte Kupplung mit vier statt drei Lamellen sowie die bereits erwähnten größeren Vollnabenbremsen. Parallel zur Mopedversion mit Trethilfe gibt es die Super auch als Mokick, erkennbar an Kickstarter und Teleskopgabel anstelle der Kurzschwinge, in der Werbung als „Schwingfedergabel“ bezeichnet.

Weiterentwicklung nach 1958

1958 schließen sich DKW, die Express-Werke und Victoria zur Zweirad-Union zusammen. Die Hummel wird zur Unions-Hummel und ab diesem Zeitpunkt sowohl bei DKW als auch bei Express und Victoria gefertigt, unabhängig vom jeweiligen Herstelleremblem einheitlich unter der Typenbezeichnung 115/155 geführt. In Nürnberg läuft die Produktion zunächst mit geringfügig gesteigerter Motorleistung weiter, wahlweise ist nun auch eine Zweisitzerversion erhältlich.

Mit diesem Modellwechsel ändert sich auch die Optik grundlegend. Wegen ihrer langgestreckten, verkleideten Form wird die neue Baureihe im Volksmund „Blechbanane“ genannt und wirkt gegenüber dem ursprünglichen, kompakten Moped von 1956 deutlich motorradähnlicher und für die damalige Zeit futuristisch gestaltet.

Quellen

      • DeWiki: DKW Hummel, https://dewiki.de/Lexikon/DKW_Hummel
      • Motorrad Technik Museum: Exponatbeschreibung DKW Hummel, https://motorrad-technik-museum.de/QR-DKW-Hummel.htm
      • mofakult.ch: Warum die DKW-Hummel bis heute unvergessen ist, https://www.mofakult.de/de/community/magazin/warum-die-dkw-hummel-bis-heute-unvergessen-ist
      • Zweirad-Union-Mopeds: DKW Hummel Super Typ 102, https://www.zweirad-union-mopeds.de/dkw-hummel-super-typ-102
      • Zweirad-Union-Mopeds: DKW Hummel Super, https://dkw-hummel-super.de/
      • moped-ersatzteile.de: DKW Hummel, https://www.moped-ersatzteile.de/blog/dkw-hummel
      • https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DKW_Hummel_-_Foto_Christian_Sp%C3%A4th_Chiemseeman_(2).jpg#/media/Datei:DKW_Hummel_-_Foto_Christian_Sp%C3%A4th_Chiemseeman_(2).jpg

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Über Stefan

Töging am Inn (Südostbayern), 398m