Bombus avinoviellus
Vier Veröffentlichungen, vier verschiedene Namen für dieselbe Hummel. Bombus avinoviellus ist ein Lehrstück darüber, wie unsicher Verbreitungsangaben werden, wenn eine Art schwer zu bestimmen ist.
Andrej Skorikov beschrieb sie 1914. Drei Jahre später führte Theodore Cockerell dieselbe Art in einer amerikanischen Zeitschrift noch einmal ein, als Unterart einer ganz anderen Hummel. 1969 wurde sie von Bohuslav Tkalců für eine afghanische Art gehalten. 2009 landete sie in einer Arbeit über die Hummeln Nepals sogar in einer falschen Untergattung.
Die Verwechslungen gehen weiter
Damit endet die Reihe nicht. Das indische Standardwerk über Hummeln von 2015 führt einen Teil seiner Belege dieser Art unter dem Namen Bombus tunicatus. Eine pakistanische Arbeit von 2019 über neue Hummelnachweise aus dem Himalaya macht denselben Fehler.
Das ist keine Petitesse. Wer heute wissen will, wo Bombus avinoviellus vorkommt und wo Bombus tunicatus, muss die Belegtiere dieser Arbeiten nachbestimmen. Die gedruckten Angaben allein tragen nicht.
Drei Farbkleider je nach Gebirgszug
Die Färbung ändert sich von West nach Ost. Im Westen tragen die Tiere weiße Binden, im Osten gelbe. Im Karakorum fehlt die Bindenzeichnung ganz, dort ist der Rumpf durchgehend gelb.
Königinnen messen 15 bis 17 Millimeter, Arbeiterinnen 11 bis 13, Männchen 13 bis 15. Die Zunge ist mittellang, entsprechend werden Blüten mittlerer Tiefe besucht.
Verbreitung und Lebensraum
Die Art ist auf den westlichen Himalaya beschränkt, wo sie häufig ist, und auf den Karakorum, wo sie selten bleibt. Sie besiedelt blütenreiches Grasland der alpinen und subalpinen Stufe sowie offene Stellen im oberen Bergwald.
Damit reicht ihr Lebensraum etwas tiefer als der ihrer nächsten Verwandten, die auf das hochalpine Grasland beschränkt bleiben. Sie gehört zur Untergattung Mendacibombus, der Gruppe, die sich im Stammbaum der Hummeln als erste von allen übrigen abgespalten hat.
Was über die Untergattung bekannt ist, und was über die Art
Für Mendacibombus als Ganzes gilt: Die Nester liegen unterirdisch zwischen Steinen, die Larven wachsen einzeln in getrennten Zellen heran, Vorräte lagern in sechseckigen Zellen außerhalb der Brutkammer. Die Männchen haben vergrößerte Augen und jagen Weibchen im Flug hinterher, statt Duftbahnen abzufliegen.
Das alles beruht auf Untersuchungen an anderen Arten der Gruppe, vor allem an der alpinen Bombus mendax. Von Bombus avinoviellus selbst ist kein Nest beschrieben, keine Volksstärke bekannt, kein Nestjahr dokumentiert und keine Trachtpflanze verzeichnet.
Das liegt an der Region. Der westliche Himalaya und der Karakorum sind schwer zugänglich, die Vegetationszeit im Hochgebirge dauert wenige Wochen, und ein fortlaufendes Hummelmonitoring gibt es dort nicht. Hinzu kommt hier die Bestimmungsfrage: Solange Belege in der Literatur unter falschem Namen laufen, lassen sich auch Beobachtungen zur Lebensweise nicht sicher zuordnen.
Quellen
- Williams P.H. 2022. The Bumblebees of the Himalaya. An Identification Guide. Abc Taxa 21, CEBioS und Königlich Belgisches Institut für Naturwissenschaften, Brüssel. Frei abrufbar über abctaxa.naturalsciences.be
- Williams P.H., Huang J.-X., Rasmont P. & An J.-D. 2016. Early-diverging bumblebees from across the roof of the world: the high-mountain subgenus Mendacibombus revised from species’ gene coalescents and morphology (Hymenoptera, Apidae). Zootaxa 4204: 1 bis 72
- Skorikov A.S. 1914. Les formes nouvelles des bourdons (Hymenoptera, Bombidae). VI. Russkoe entomologicheskoe Obozrenie 14: 119 bis 129
- Cockerell T.D.A. 1917. New social bees. Psyche 24: 120 bis 128
- Saini M.S., Raina R.H. & Ghator H.S. 2015. Indian Bumblebees. B. Singh and M. P. Singh, Dehra Dun, Indien
- Jaffar S., Ali S., Imtiaz H., Hassan M.A., Yasin M., Rizvi S.A.H., Dilbar D.A. & Ali A. 2019. New records of Bombus Latreille, 1802 (Hymenoptera: Apidae) from the Himalayan range of Pakistan. Journal of Entomology and Zoology Studies 7: 981 bis 985
- Foto: Jasmine Star Outdoor Photography (jasminetrekker), Beobachtung vom 03.08.2022, Northern Areas, Northern Areas, Pakistan. inaturalist.org/observations/150979812, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert


