Begehbare und blühende Alternativen zum herkömmlichen Rasen

Eine Rasenfläche ist botanisch gesehen eine reine Grasmonokultur, die regelmäßig gemäht, gedüngt und in trockenen Sommern zusätzlich bewässert werden muss, um dauerhaft grün zu bleiben. Wer stattdessen etwas Blühendes im Garten haben möchte, denkt meist zuerst an eine Wiese oder ein Beet, also an Flächen, die man eigentlich nicht betreten soll. Dass auch blühende Pflanzen begehbar sein können, ist deutlich weniger bekannt, als es sein müsste.

Standort und Bodenvorbereitung

PoleiminzeBevor überhaupt eine Pflanze in die Erde kommt, entscheidet der Standort darüber, ob eine Umstellung gelingt. Die meisten geeigneten Pflanzen stammen aus mageren, offenen Lebensräumen und vertragen keine Staunässe. Ein durchlässiger, nicht zu nährstoffreicher Boden ist deshalb wichtiger als eine besonders sonnige Lage, auch wenn viele Arten volle Sonne bevorzugen. Schwerer, lehmiger Boden lässt sich mit Sand oder feinem Kies auflockern, bevor die Fläche neu bepflanzt wird.

Der alte Rasen und mit ihm alle Wurzelunkräuter müssen vor der Neupflanzung gründlich entfernt werden, am besten samt Wurzelfilz und nicht nur oberflächlich abgemäht. Wer die Grasnarbe stehen lässt oder nur oberflächlich bearbeitet, hat die neuen Pflanzen bald wieder im Wettbewerb mit dem alten Gras. Für die eigentliche Anlage lockert man den Boden auf etwa zwanzig bis dreißig Zentimeter Tiefe, befreit ihn von Steinen und Wurzelresten und ebnet ihn ein.

Der wichtigste Punkt betrifft die Geduld. Anders als eine fertige Rollrasenfläche braucht ein blühender Bodendecker Zeit, um sich zu schließen. Bei einem Kamillenrasen etwa sollte die Fläche in den ersten zehn bis zwölf Wochen nach der Pflanzung möglichst gar nicht betreten werden, damit sich die Pflanzen richtig verwurzeln können. Erst wenn die Fläche geschlossen ist, verträgt sie regelmäßigen Tritt.

Blühende Alternativen im Überblick

Die folgenden Pflanzen eignen sich grundsätzlich als begehbarer Rasenersatz.

  • Römische Kamille (Chamaemelum nobile): Bildet einen dichten, aromatisch duftenden Teppich und verträgt Sonne bis Halbschatten. Für stark genutzte Flächen wird meist die nicht blühende Sorte Treneague verwendet, die dafür besonders dicht wächst. Wer Blüten möchte, greift zur wildtypischen Art und muss dann mit etwas geringerer Trittfestigkeit rechnen.
  • Teppich-Poleiminze (Mentha pulegium, etwa die Sorte Cunningham Mint): Wächst kriechend und relativ weich, verströmt beim Betreten einen kräftigen Minzduft und blüht von Sommer bis Herbst in Rosa bis Violett. Bevorzugt eher feuchten Boden im Halbschatten und ist bedingt trittfest.
  • Sand-Thymian (Thymus serpyllum) und verwandte Thymianarten: Niedrige, sehr trittfeste Halbsträucher für vollsonnige, eher trockene und magere Standorte. Blüht von Frühsommer bis Spätsommer in Rosa bis Purpur, zahlreiche Wildbienenarten fliegen die Blüten an.
  • Gänseblümchen (Bellis perennis): Die aus vielen Rasenflächen bekannte Rosettenpflanze übersteht das Mähen unbeschadet, weil ihre Blätter unterhalb der Schnitthöhe liegen. Sie blüht fast ganzjährig weiß, verträgt Sonne wie Halbschatten und ist gut trittfest.
  • Weißklee (Trifolium repens) und Kleine Braunelle (Prunella vulgaris): Beide Arten lassen sich einer bestehenden Rasenmischung beimischen oder gezielt fördern, statt sie herauszujäten. Klee bindet Luftstickstoff und kommt deshalb mit wenig Dünger aus. Beide Arten blühen weiß bis rosa und gelten als ergiebige Nahrungsquelle für Bienen.
  • Faden-Ehrenpreis (Veronica filiformis): Diese Art wird kaum gezielt gepflanzt, sondern breitet sich meist von selbst über abgerissene, wurzelnde Sprossteile im Rasen aus. Regelmäßiges Mähen begünstigt diese Ausbreitung zusätzlich. In vielen Gärten gilt sie deshalb eher als unerwünschtes Wildkraut, das bekämpft wird. Wer eine bestehende Ehrenpreisdecke stattdessen stehen lässt, bekommt im zeitigen Frühjahr eine hellblau blühende, sehr trittfeste Fläche ganz ohne eigenes Zutun.
info hummelDer Name Kamille geht auf das griechische Wort chamaimelon zurück, zusammengesetzt aus chamai für am Boden und melon für Apfel. Gemeint war der apfelartige Duft, den zertretene Kamillenblätter freisetzen. Der Name beschreibt also unmittelbar das, was beim Betreten passiert.

Vor- und Nachteile gegenüber dem klassischen Rasen

Ein klassischer Zierrasen aus wenigen Grasarten lässt sich leicht nachsäen, verträgt intensive Nutzung durch Ballspiele oder Gartenmöbel und wächst überall dort, wo genug Licht und Wasser vorhanden sind. Kamille, Poleiminze oder Thymian vertragen gelegentliches Betreten gut. Für stark frequentierte Flächen wie einen Kinderspielbereich oder eine Terrassenzufahrt sind sie dagegen ungeeignet.

Dafür sind die Ansprüche in anderen Bereichen oft geringer. Ein etablierter Thymian oder ähnlicher genügsamer Bodendecker kommt ohne Düngung aus und braucht deutlich weniger Wasser als klassischer Rasen.

PoleiminzeDer deutlichste Unterschied liegt beim Nutzen für Insekten. Ein regelmäßig kurz gehaltener Rasen bietet praktisch keine Nahrung. Blühende Alternativen dagegen schon, oft über einen langen Zeitraum im Jahr verteilt. Dem stehen einige praktische Nachteile gegenüber: Die Anlage dauert länger als eine einfache Rasenneuansaat, in der Etablierungsphase muss regelmäßig von Hand gejätet werden, und die fertige Fläche wirkt selten so gleichmäßig wie ein gepflegter Rasen. Manche Arten, etwa die Poleiminze, sind zudem nicht in jeder Region zuverlässig winterhart.

Pflege im laufenden Betrieb

Nach der Etablierungsphase ist der Pflegeaufwand allgemein geringer als bei klassischem Rasen, allerdings anders verteilt. Statt wöchentlichem Mähen reicht bei Kamille, Poleiminze oder Thymian vorwiegend ein gelegentlicher Rückschnitt mit der Heckenschere oder dem Rasenmäher auf hoher Schnitthöhe. Oft genügt das ein bis zweimal im Jahr. Wer Klee oder Braunelle in eine bestehende Rasenfläche integriert, mäht weiterhin regelmäßig, sollte die Schnitthöhe aber anheben, damit die Blüten überhaupt zur Entfaltung kommen, bevor sie wieder abgemäht werden.

Gegossen werden muss vor allem in der Anwuchsphase, danach kommen die meisten Arten mit den natürlichen Niederschlägen aus, sofern der Standort passt. Unkraut muss vor allem im ersten und zweiten Standjahr entfernt werden, bis die gewünschten Pflanzen die Fläche vollständig geschlossen haben. Danach unterdrücken sie unerwünschten Aufwuchs weitgehend selbst. Auf Dünger und chemische Unkrautvernichtung sollte grundsätzlich verzichtet werden. Beides schadet den blühenden Arten ebenso wie den Insekten, die sie eigentlich anlocken sollen.

Wann sich ein Wechsel lohnt

Ein sofortiger, kompletter Austausch der gesamten Rasenfläche ist selten sinnvoll und vornehmlich auch gar nicht nötig. Wer Kinder hat, die auf der Fläche Fußball spielen, oder Gartenmöbel regelmäßig verrückt, kommt um einen strapazierfähigen Rasenanteil kaum herum. Realistischer ist ein schrittweiser Wechsel: ein Wegesrand mit Thymian, ein sonniger Randbereich mit Kamille, ein bestehender Rasen, in dem Klee und Gänseblümchen einfach nicht mehr bekämpft, sondern toleriert werden. So lässt sich in Ruhe beobachten, wie gut eine Fläche mit der neuen Bepflanzung zurechtkommt, bevor eine größere Umstellung ansteht.

Quellen

  • Royal Horticultural Society: Chamomile Lawns and Alternatives. rhs.org.uk/lawns/chamomile-lawns-and-alternatives
  • Royal Horticultural Society: Mentha pulegium ‘Cunningham Mint’. rhs.org.uk/plants/331643/mentha-pulegium-cunningham-mint/details
  • BBC Gardeners’ World Magazine: Mentha pulegium. gardenersworld.com/plants/mentha-pulegium/
  • Gartendialog.de: 13 begehbare Bodendecker, immergrün und trittfest als Rasenersatz. gartendialog.de/begehbare-bodendecker/
  • Gartenjournal.net: Trittfester Thymian, Arten und Verwendung im Garten. gartenjournal.net/thymian-trittfest
  • Naturadb.de: Gänseblümchen, Bellis perennis. naturadb.de/pflanzen/bellis-perennis/
  • Garten-Wissen.com: Gänseblümchen, Bellis perennis. garten-wissen.com/pflanzen/bellis-perennis-gaensebluemchen/
  • Gartendatenbank.de: Veronica filiformis, Fadenehrenpreis identifizieren. gartendatenbank.de/wiki/veronica-filiformis
  • University of Minnesota Extension: Planting and Maintaining a Bee Lawn. extension.umn.edu/landscape-design/planting-and-maintaining-bee-lawn
  • Popular Science: Should You Plant a Clover Lawn? The Pros and Cons. popsci.com/diy/clover-lawns-pros-cons/
  • Deutsche Rasengesellschaft e.V.: Wieviel Wasser benötigt ein Rasen für das Wachstum? rasengesellschaft.de/rasenthema-detailansicht/august-2023-2.html
  • Abendzeitung München: Rasenpflege wird teurer, was ein Garten wirklich kostet, und welche Alternativen es gibt. abendzeitung-muenchen.de/panorama/ratgeber/garten/rasenpflege-wird-teurer-was-ein-garten-wirklich-kostet-und-welche-alternativen-es-gibt-art-1108918

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    Beiträge
  • #99101
    Makki
    Forenmitglied

      Wir haben bei uns mehr und mehr auch Teppichpoleiminze “im Einsatz”.

      Vor 3 Jahren angefangen, und inzwischen an mehreren Stellen als Bodendecker und Unkrautverdränger im “Einsatz”.
      Die ersten 2 Sommer sieht man nur kleine Blätter, die nach Minze riechen und anderes Unkraut verdrängen.

      Die im 3. Sommer sind nun seit Anfang August bis Mitte September am Blühen.
      Hummeln, Bienen u.s.w. lieben die Minze :)
      OK… Man sollte wegen den Insekten nicht unbedingt eine Kleinkinderwiese damit Begrünen.

      Der, vor allem diesen trockenen Sommer angenehme Effekt, die Wurzeln sind flach und mit die Nachtfeuchtigkeit bei uns reichte um es bisher in leuchtendem grün zu halten. Sogar das Moos daneben vertrocknet…

      Zudem werden die Pflanzen maximal 10-15cm hoch, und können problemlos gemäht werden.
      Es riecht dann einfach nach Minze auf der Wiese…

       

      Makki

      Foto/Video:
      1. Poleiminze
      2. Poleiminze
      #99104
      Stefan
      Admin
        • DE 84513
        • 398 m

        Danke @Makki!

        Damit machst Du eine sehr interessante Sache auf. Teppichpoleiminze als “Rasenersatz”, da gibt es sicher noch mehr Varianten / Alternativen und Möglichkeiten. Da lohnt es sich für mich mal genauer zu recherchieren.

        Grüße Stefan

        #99108
        Makki
        Forenmitglied

          Schau Dich mal beim Rühlemann um.
          Er hat gute Bodendecker…

          Wobei das bei uns vom Zweck her zweigeteilt war :)
          Der Älteste mag Minze sehr gerne als Tee (ausser marokanische :) ).
          Beim Suchen nach passenden Pflanzen für die Bienenhotelgäste (siehe meinen fred aus 2025) stolperte er über erwähnte Webseite…
          Neben Winterkirsche und anderen Bienenpflanzen bestellten wir so 10 Minzevarianten für ihn (und die Bienen) zum Testen. Die Minzen sind aktuell noch am Blühen, allerdings neben Kleininsekten fast nur noch Bienen, Hornissen und Wespen zu sehen.

          Wir haben damals ein 10er Pack an 7x7cm Töpfchen Teppichpoleiminze mit eingekauft. Die sind nun am Blühen, im Jahr danach gab es eine Thymian-Einkaufsrunde, und dazu nochmal eine paar Töpfchen der Teppichpoleiminze, weil die so richtig schön das Unkraut verdrängt hat.

          Den Rest hast Du auf den Bildern gesehen :)

          Wir haben aktuell noch u.a. Multimenthaminze in grossen Töpfen.
          Das ist gefroren perfekt für den Wintertee…
          Alle Minzen kommen wie Unkraut, wenn genügend Fläche und im Frühjahr etwas Flüssigdünger dazu kommt.
          Allenfalls können wir ja einen eigenen fred dazu aufmachen, wenn es nicht so hier her passt.

          Also zu Minze und/oder Bodendecker 8)

           

          Makki

          Foto/Video:
          #99111
          Stefan
          Admin
            • DE 84513
            • 398 m

            Minze hab ich hier selbstverständlich auch in einigen Varianten. Aber nicht als “Rasenersatz”. Und ich weiß auch schon, wo ich das ausprobieren werde.

            Dank Dir so weit! Ein Artikel wird hierzu bald kommen!

            Grüße Stefan

             

            #99280
            Stefan
            Admin
              • DE 84513
              • 398 m

              Danke @Makki!

              Artikel ist online. Falls Du andere Erfahrungen hast, bitte lass es mich wissen.

              Die Beiträge zum Thema sind hiermit an die nun besser passende Stelle verschoben. Ich hab mir Deine Bilder für den Artikel “ausgeliehen”, vielen Dank dafür. :pfeif:

              Grüße Stefan

              #99286
              Makki
              Forenmitglied

                Perfekt aufgelistet!

                Also noch ein paar Erfahrungen mit der Teppichpoleiminze u.s.w.:

                Im Frühjahr gab es jeweils eine Schneckeninvasion. 8O
                Die haben wir im 2. und 3. Frühjahr kurzerhand mit Zimt und Chilipulver abgehalten. Ab Anfang Juni war jeweils Ruhe mit Schnecken.

                Im ersten Jahr macht sich die Minze mickrig, und man denkt, das wird nichts. Aber schon im 2. Jahr sahen wir, was sich da tatsächlich tut, und Löwenzahn u.s.w. verdrängt. :respekt:

                Mit dem Klee scheint es aktuell eine Koexistenz zu sein. Wobei der Bereich mit Klee erst in diesem Jahr in den “Wirkungsbereich” der Minze kam. Mal schauen…

                Das Moos muss manuell weg. Da kriecht die Minze sonst einfach drüber und ist nicht Rasenmäherfest. (siehe das eine Bild) Das kommt nun im Herbst, wenn es wieder feuchter wird.

                Im Herbst werden die Blätter braun, was aber nichts bedeutet (keine Panik), im Frühjahr kommt wieder sattes grün :)

                Ganz nebenbei duftet es halt auch ganz frisch, wenn man dran vorbeigeht. So wie beim Lavendel… :hummel:

                Uns macht es jedenfalls Spass, zu sehen, was so eine kleine Pflanze “anrichtet”.

                 

                An anderen Orten haben wir Thymian als Bodendecker in kleineren Bereichen, oder in Balkonkästen unter den Wildbienenhotels.
                Warum auch immer, Ameisen mögen den Thymian nicht so wirklich, und wir müssen nur noch im Frühjahr Zitronensaft um die Hotels spritzen, um sie fern zu halten.

                 

                Makki

                #99287
                Stefan
                Admin
                  • DE 84513
                  • 398 m

                  Dank Dir!

                  Ich hab mich etwas in die Römische Kamille verliebt. Die werde ich wahrscheinlich für einen guten Quadratmeter bestellen. Ich hab eine Stelle im Vorgarten, dort wächst nie Gras. Ich bin sehr neugierig, ob das so funktioniert, wie ich mir das vorstelle.

                  Grüße Stefan :D

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