Nesträuber
Die meisten in dieser Rubrik behandelten Feinde sind Parasiten oder Parasitoide: Sie brauchen die Hummel oder ihre Brut, um sich selbst zu entwickeln. Dachs, Fuchs und Marder dagegen sind schlichte Räuber. Sie greifen ein Nest nicht an, um sich darin fortzupflanzen, sondern um es auszuräumen, den Honigvorrat, das Wachs und die Brut zu fressen und dann weiterzuziehen. Für die betroffene Hummelkolonie ist der Unterschied allerdings akademisch, ein einziger Besuch reicht meist aus, um das Nest zu vernichten.
Der Dachs, der am besten untersuchte Nesträuber
Für den Dachs gibt es inzwischen eine eigene wissenschaftliche Untersuchung. Ein Forschungsteam der University of Exeter legte in Gloucestershire künstliche Hummelnester aus Nistmaterial kommerziell gezüchteter Erdhummeln (Bombus terrestris) aus, um den Räuberdruck durch Dachse zu messen. Die Nester wogen absichtlich nur sieben Gramm, deutlich weniger als ein natürliches Nest, aber ausreichend, um von der feinen Nase eines Dachses gefunden zu werden. Ein Teil der Nester wurde nur ein bis zwei Zentimeter unter der Erdoberfläche vergraben, ein anderer Teil siebzehn bis neunzehn Zentimeter tief.
Das Ergebnis überraschte die Forscher selbst: Die Tiefe spielte keine Rolle. Dachse gruben die tief vergrabenen Nester ebenso zuverlässig aus wie die oberflächennahen. An dem Standort mit der höchsten Dachsdichte war der Räuberdruck im Wald größer als im Grünland. Sogar ein Teil der leeren Kontrolltöpfe ohne jeden Hummelgeruch wurde ausgegraben, was auf eine gewisse Neugier der Tiere gegenüber ungewohnten Gegenständen im Boden hindeutet.
Fuchs und Marder, der unsichere Verdachtsfall
Für Fuchs und Marder existiert bislang keine vergleichbare Studie. Beobachtungen, dass ein Hummelnest komplett ausgeräumt vorgefunden wurde, stützen sich meist auf Spuren am Fundort, etwa Fußabdrücke, Losung oder ein charakteristisches Aufreißen des ehemaligen Kleinsäugerbaus, in dem viele Hummelarten nisten. Solche Indizien sind plausibel, da beide Arten ohnehin Kleinsäugerbauten durchwühlen und dabei auf ein Hummelnest stoßen können, sie ersetzen aber keine systematische Untersuchung, wie sie für den Dachs vorliegt. Wer beim eigenen Hummelnest Grabspuren findet, kann den Verursacher also meist nur vermuten, nicht sicher bestimmen.
Quellen
- B. R. Roberts, R. Cox, J. L. Osborne (2020): Quantifying the relative predation pressure on bumblebee nests by the European badger (Meles meles) using artificial nests. Ecology and Evolution, doi.org/10.1002/ece3.6017
- bienen-nachrichten.de: Der Dachs als Räuber der Hummeln. bienen-nachrichten.de/2020/der-dachs-als-räuber-der-hummeln/665
- Laura Smith: Bumblebee predators. bumblebee.org/PREDATORS.htm
- inaturalist.org
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Stefan aktualisiert.
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