Polsterwolle und Kapok als Nistmaterial für Hummeln
Beim Einrichten von Hummelpensionen wird häufig Polsterwolle als Nistmaterial empfohlen. Doch die Qualität dieses Materials hat sich über die Jahre verändert: Immer öfter finden sich darin Kunstfasern, die für Hummeln gefährlich werden können. Jürgen Börner beschreibt in diesem Erfahrungsbericht, wie er einen ganzen Hummelstaat dadurch verlor und warum er inzwischen auf Kapok als Alternative setzt.
Polsterwolle
Ich habe viele Jahre unbehandelte Polsterwolle für meine Hummelpensionen eingesetzt und war immer zufrieden. Doch in den letzten Jahren ist mir aufgefallen, dass es immer wieder vorkam, dass Hummeln Probleme mit dem Fliegen hatten und dass ich tote Hummeln, manchmal über 25 Stück, in meinen Hummelpensionen vorgefunden habe. Einige tote Hummeln sind ganz normal, aber eine solche Menge konnte ich mir nicht erklären.
Die Hummeln ließen sich immer schwer aus der Polsterwolle entfernen. Ich hatte 2009 einen Totalverlust eines Wiesenhummelvolkes. Die dritte Generation von Arbeiterinnen flog bereits und ein reger Flugverkehr war zu beobachten. Doch nach einigen Tagen ließ der Flugverkehr stark nach und ich konnte nur noch selten eine Hummel beobachten. Ich öffnete die Hummelpension und entfernte die oberste Polsterwolle vorsichtig vom Hummelnest. Es bot sich mir ein schreckliches Bild: Nektartöpfe waren umgekippt, Hummeln zappelten in der Polsterwolle, alles war verklebt mit Nektar, und die Königin war tot.
Ich fragte mich, was passiert sein konnte. Ich nahm eine große Lupe und sah mir die Sache näher an. Die Hummeln hatten sich mit Polsterwolle umwickelt. Die Flügel der Hummeln konnten sich nicht voll entfalten, da sie von Fäden der Polsterwolle festgehalten wurden. Ich untersuchte die Fäden näher und stellte fest, dass es sich um Kunstfasern beziehungsweise schwer zerreißbare Fäden handelte. Das war mir beim Einrichten des Hummelnests, beim Verzupfen der Polsterwolle, nicht aufgefallen.
Eine Hummel befreite ich und stellte fest, dass es sich bei dieser um einen einzigen Faden handelte. Das Befreien der Hummel war eine sehr mühselige Arbeit, da der Faden mehrmals um die Flügel und zwischen den Flügeln hindurchführte, ebenso um Abdomen und Kopf. Für diese Arbeit benötigte ich eine Standlupe, zwei Pinzetten und viel Zeit, denn ich wollte unbedingt wissen, wie lang der Faden ist. Er war 104 mm lang!
Polsterwolle besteht aus Altkleidern, die in einem Reißwolf zerrissen werden. Leider gelangen dadurch auch Kunstfasern oder schwer zerreißbare Fäden in die Polsterwolle. Polsterwolle wird zum Polstern von Polstermöbeln hergestellt. Dabei stört es nicht, wenn sich einige Kunstfasern darunter befinden. Setzen wir die Polsterwolle jedoch für unsere Hummeln ein, kann das katastrophale Folgen haben. Bücher über Hummeln sind vor vielen Jahren geschrieben worden. Zu dieser Zeit gab es noch Polsterwolle in guter Qualität ohne Kunstfasern. Deshalb haben die Autoren der Hummelbücher auch die Polsterwolle empfohlen.
Doch die Zeiten haben sich geändert, und es gelangen immer mehr Kunstfasern in die Polsterwolle, zum Beispiel durch Unachtsamkeit der Arbeiter am Reißwolf. Den Vertreibern von Polsterwolle möchte ich keinen Vorwurf machen, denn sie können nichts dafür, welche Qualität sie von den Herstellern erhalten. Damit ich nicht wieder so einen Verlust eines Hummelvolkes durch Kunstfasern in der Polsterwolle erleben muss, habe ich mich dieses Jahr umgestellt und benutze ein anderes Polstermaterial, das schon früher beim Polstern zum Einsatz kam, bevor die Baumwolle auf den Markt kam.
Kapok
Dieses Polstermaterial nennt sich Kapok und stammt aus den langen Fasern der Früchte eines in den Tropen wachsenden Baumes. Die Fasern sind nur 19 mm lang und nehmen keine Feuchtigkeit auf, da sie mit einer Wachsschicht überzogen sind. Kapok ist ein sehr lockeres, leichtes Polstermaterial und hat eine sehr gute Wärmedämmwirkung.
Ich empfehle Füllmaterial lose in 0,5 kg oder 1 kg. Diese Mengen klingen nach nicht viel, aber ihr werdet staunen, wie groß das Paket ist, wenn ihr es erhaltet. Denn Kapok ist sehr leicht und reicht für die Bestückung von etlichen Hummelpensionen.
Ein Vorteil bei der Kontrolle des Hummelnests ist der Farbton des Kapoks: Er ist ein sehr blasses Gelb. Damit hat man einen schnellen Überblick über das Hummelnest und findet die Hummeln und deren Parasiten deutlich schneller als in der sonst verwendeten Polsterwolle, die sehr unterschiedliche Farbtöne aufweist. Außerdem können sich die Hummeln in Kapok nicht mehr selbst strangulieren oder die Nektartöpfe im Kampf um ihre Befreiung umreißen.
Dieses Jahr habe ich bis jetzt noch keine flugunfähigen Hummeln finden können, weder im Nest noch außerhalb der Hummelpension, dank der Umstellung auf das Polstermaterial aus Kapok.
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Doris aktualisiert.
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