Hummel Jungköniginnen

Jungköniginnen, in der Fachliteratur oft als Gynen bezeichnet, entstehen wie Arbeiterinnen aus befruchteten Eiern, wachsen aber unter anderen Bedingungen zu deutlich größeren, fortpflanzungsfähigen Weibchen heran. Die Königin legt die entsprechenden Eier erst gegen Ende des Koloniezyklus, kurz nachdem sie begonnen hat, zusätzlich unbefruchtete Drohneneier zu legen. Da nur die neuen Königinnen und keine der Arbeiterinnen den Winter überleben, hängt der gesamte Fortbestand eines Hummelbestandes von genau dieser letzten Generation eines Volkes ab.

Körperliche Unterschiede zu Arbeiterinnen von Geburt an

Der Unterschied zwischen Jungkönigin und Arbeiterin zeigt sich nicht erst bei der Fortpflanzung, sondern schon kurz nach dem Schlüpfen im Stoffwechsel. Peter-Frank und Ingeborg Röseler wiesen bereits 1986 nach, dass frisch geschlüpfte Königinnen der Dunklen Erdhummel in den ersten Tagen ihres erwachsenen Lebens deutlich mehr Glykogen in ihrem Fettkörper einlagern als Arbeiterinnen, gesteuert durch ein spezifisch bei Königinnen aktiveres Enzym. Die körperliche Vorbereitung auf die spätere Überwinterung beginnt also bereits, lange bevor eine Jungkönigin überhaupt das Nest verlassen oder sich verpaart hat.

Paarung und die Zeit danach

Nach dem Schlüpfen verpaart sich eine Jungkönigin meist ein einziges Mal, oft schon in Nestnähe, mit einem Drohn aus einem fremden Volk. Der Drohn hinterlässt ihr dabei einen zähen Paarungspfropf, der eine erneute Verpaarung mit einem weiteren Männchen erschwert und damit seine eigene Vaterschaft absichert. Details zur Paarung selbst behandelt der Artikel über Drohnen ausführlicher. Nach der Begattung fliegt die Jungkönigin verstärkt spätblühende Pflanzen an, um ihre Fettreserven für die bevorstehende Winterruhe weiter aufzufüllen, und sucht parallel nach einer geeigneten, meist rund 12 bis 15 Zentimeter tiefen Stelle im Boden zur Überwinterung.

Woher die Vorstellung von Rückkehrerinnen stammt

Unter Hummelhaltern hat sich der Begriff Rückkehrerin für Jungköniginnen eingebürgert, die im Folgejahr in unmittelbarer Nähe ihres eigenen Geburtsnests eine neue Kolonie gründen, besonders häufig beschrieben bei Stein- und Erdhummeln. Beobachtet wird dabei, dass manche Jungköniginnen nach ihrem Hochzeitsflug zunächst wieder ins Mutternest zurückkehren, dort Schutz und Nahrung finden und im folgenden Frühjahr in der Nähe des alten Neststandorts erneut auftauchen.

Was die Forschung tatsächlich zeigt

Zwei unabhängige Untersuchungen sprechen jedoch gegen eine echte Bindung an den Geburtsort. Sarah Dreier und ein britisches Forschungsteam fingen 2014 auf einer rund 20 Quadratkilometer großen Fläche über 1500 Hummeln von fünf Arten und bestimmten per DNA-Analyse ihre Verwandtschaftsgrade. Benachbart gefundene Königinnen waren dabei überwiegend nicht näher miteinander verwandt, obwohl man das bei einer Rückkehr zum Geburtsnest hätte erwarten müssen. James Makinson und Kollegen bestätigten dieses Bild 2019 mit einer völlig anderen Methode: Sie verfolgten Erdhummel-Königinnen nach der Überwinterung per Radarpeilung und stellten fest, dass die Tiere weniger als 2 Prozent des Tages überhaupt flogen, in vielen einzelnen kurzen Flügen von im Schnitt gut 34 Metern und ohne erkennbare bevorzugte Richtung. Übers Modell hochgerechnet ergab sich daraus über drei Wochen eine durchschnittliche Gesamtverschiebung von rund drei Kilometern vom Ausgangspunkt, ein Muster nahezu zufälliger Ausbreitung statt einer gezielten Rückkehr. Vermutlich handelt es sich bei vielen beobachteten Rückkehrerinnen um nicht verwandte Königinnen derselben Art, die denselben, aus ihrer Sicht attraktiven Nistplatz unabhängig voneinander wiederentdecken.

info hummelPer Radar verfolgte Hummelköniginnen verbrachten nach der Überwinterung weniger als 2 Prozent des Tages tatsächlich im Flug. Trotzdem legten sie durch viele kurze, richtungslose Flüge im Schnitt rund drei Kilometer Wegstrecke in drei Wochen zurück, ein Zufallsmuster statt einer gezielten Rückkehr zum Geburtsnest.

Winterruhe und der Zeitpunkt des Erwachens

Einmal eingegraben, verharrt eine Jungkönigin in der Diapause, bis steigende Temperaturen im Folgejahr das Erwachen auslösen. Ellen Keaveny und Michael Dillon zeigten 2022 an knapp 300 Königinnen der nordamerikanischen Art Bombus huntii, dass der Körperzustand einer Königin mehr als 45 Prozent der Unterschiede im Zeitpunkt ihres Erwachens im Frühjahr erklärt: Kleinere, schlechter genährte Königinnen erwachten im Schnitt früher, größere und besser genährte deutlich später, vermutlich weil knappere Fettreserven schneller aufgebraucht sind und ein längeres Verharren im Boden riskanter machen. Sobald eine Jungkönigin erwacht und zu fressen beginnt, endet ihre Zeit als Jungkönigin im engeren Sinn, sie wird nun selbst zur Gründerin eines neuen Volkes, deren weiterer Weg im Artikel über die Königin beschrieben ist.

Bedeutung für das Volk

Da ein Hummelvolk mit dem Herbst vollständig abstirbt, sind Jungköniginnen die einzigen Individuen, die den Winter überstehen und die genetische Linie eines Volkes fortsetzen können. Wie hoch das Risiko für jede Einzelne ist, zeigt sich daran, dass nur ein kleiner Teil der im folgenden Frühjahr gegründeten Nester überhaupt selbst wieder erfolgreich neue Jungköniginnen hervorbringt.

Quellen

  • Röseler, P.-F., Röseler, I. (1986): Caste specific differences in fat body glycogen metabolism of the bumblebee, Bombus terrestris. Insect Biochemistry 16(3), S. 501 bis 508.
  • Dreier, S., Redhead, J. W., Warren, I. A., Bourke, A. F. G., Heard, M. S., Jordan, W. C., Sumner, S., Wang, J., Carvell, C. (2014): Fine-scale spatial genetic structure of common and declining bumble bees across an agricultural landscape. Molecular Ecology 23(14), S. 3384 bis 3395.
  • Makinson, J. C., Woodgate, J. L., Reynolds, A., Capaldi, E. A., Perry, C. J., Chittka, L. (2019): Harmonic radar tracking reveals random dispersal pattern of bumblebee (Bombus terrestris) queens after hibernation. Scientific Reports 9, Artikel 4651.
  • Keaveny, E. C., Dillon, M. E. (2022): Phat Queens Emerge Fashionably Late: Body Size and Condition Predict Timing of Spring Emergence for Queen Bumble Bees. Insects 13(10), Artikel 870.
  • Duvoisin, N., Baer, B., Schmid-Hempel, P. (1999): Sperm transfer and male competition in a bumblebee. Animal Behaviour 58(4), S. 743 bis 749.
  • Goulson, D. (2010): Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation. 2. Auflage, Oxford University Press.

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  • Dieses Thema hat 18 Antworten sowie 11 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 3 Monaten von MarylouMarylou aktualisiert.
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  • Autor
    Beiträge
  • #65825
    Hans-Juergen Schubert
    Forenmitglied

      Hallo, meine Tochter konnte am 25. September schon eine Jungkönigin bei der Suche nach einem Winterquartier beobachten. Ich denke das ist eine seltene Aufnahme, da ich soetwas noch nie gesehen habe.

      #65826
      Martha
      Forenmitglied
        • CH
        • 545 m

        @Hans-Juergen   Danke für das interessante Video, schön anzuschauen! :bravo:

        #73503
        Manfred HH
        Forenmitglied
          • DE 22145
          • 17 m

          Bei mir gibt es zwei Erdhummeln, die von der Größe und dem Fluggeräusch her Jungköniginnen sind sich aber wie Arbeiterinnen verhalten (sie sammeln u.a. Pollen). Hier im Forum habe ich schon von ähnlichen Fällen gelesen.

          Ich habe jetzt bei de beiden Tiere markiert um im Falle eines Todes im Nistkasten das Tier sezieren zu können um festzustellen ob es sich tatsächlich um Jungköniginnen handelt und wenn ja, ob sie begattet wurden.

          #73504
          Frederik
          Forenmitglied
            • DE 53347
            • 136 m

            Dass Jungköniginnen noch eine Zeit lang Pollen sammeln, heißt nicht, dass sie keine Jungköniginnen oder krank sind. Bei mir kommen pollensammelnde JKs öfters vor.

            Auch @Osmia hat in diesem Jahr schon darüber berichtet.

            VG Frederik

            #73954
            Silke

              Hallo zusammen, wie schön, dass es so ein Forum gibt!

              Wir (meine 10-jährige Tochter und ich) füttern seit über 3 Wochen eine Hummel durch, die von mir versehentlich verletzt wurde und nur noch einen Flügel hat. Sie bekommt bisher täglich frische Blüten (die nun leider langsam zur Neige gehen in unserem Garten), Wasser und Honig. Da sie schon vor 3 Wochen groß war und weiter putzmunter ist, vermuten wir, dass sie eine Jungkönigin sein könnte?

              Meine Tochter will sie pflegen, solange es geht. Meint ihr, es gibt eine Chance, dass sie überwintert und es bis in den nächsten Frühling schafft? Machen sie Winterschlaf? Wäre ein Nistkasten eine Idee?

              Wahrscheinlich müssen wir früher oder später Abschied nehmen und der “Natur ihren Lauf” lassen, aber vielleicht gibt es ja “verrückte Ideen”, die eine lange Lebensdauer erlauben.

               

              Danke und viele Grüße

              Silke aus Bayern

               

              #73956
              Christian
              Forenmitglied
                • A-4800, 4851
                • 420, 510 m

                Hallo Silke,

                schön, dass Deine Tochter und Du Euch so um die Hummel-Jungkönigin kümmert. Hummeln sind zwar keine Haustiere, aber sie im Garten in Naturnestern oder Nistkästen zu halten ist (ent-)spannend und sehr interessant. Wie bei meinen Bienen entdecke ich immer wieder positive und negative Überraschungen. Natürlich kannst Du die Jungkönigin so lange wie möglich versorgen und auch Deine Tochter auf diese Art für die Natur sensibilisieren, wenn auch – wie Du weißt und schreibst – Ihr früher oder später Abschied nehmen müsst. Ich kann und möchte da nicht zu viel Hoffnung machen, die Natur wird es schon richten. Viele hier im Forum und auch ich haben schon Hummelköniginnen z.B. mit dem Flügeldeformationsvirus entdeckt, die mit verkrüppelten Flügel nicht lange überlebensfähig sind, aber trotzdem noch versorgt. Habe einmal eine solche Königin in einen Lavendelstrauch gesetzt und noch einige Tage auf den Blüten beobachten können. Dave Goulson, ein britischer Hummelforscher, hat auch schon Königinnen in Kühlschränken überwintert, aber davon würde ich Dir abraten. Wünsche Euch noch viel Freude und interessante Beobachtungen “Eurer” Hummel, beste Grüße aus Oö.! Christian

                #73959
                Frank
                Forenmitglied
                  • 199 m

                  Hallo Silke!

                  Euer Engagement in allen Ehren…aber welchen Sinn soll ein solches Unterfangen haben?
                  Du schreibst, dass sie nur noch einen Flügel hat. Selbst wenn sie das nächste Frühjahr erreichen sollte, so wird sie nie die ihr angedachte Aufgabe, ein Nest zu gründen, erfüllen können. Sie kann auch im nächsten Frühjahr nicht, mit nur einem Flügel fliegen.
                  Die ihr zugefügte Verletzung ist leider ihr Todesurteil… die Natur verzeiht keine Fehler!
                  Es wäre wie bei uns, wenn wir einen Arm verlieren würden. Er wächst nicht mehr nach. Auch bei der Hummel wird der fehlende Flügel weder jetzt, noch im kommenden Frühjahr nachwachsen. Gebt Euch da bitte nicht so viel Mühe und verlängert die Quälerei nicht unnötig. Denn etwas anderes ist es nicht für sie…

                  Ich hatte einmal einen Schwalbenschwanz, welcher seine Flügel nach dem Schlupf nicht richtig entfalten konnte. Es sah fürchterlich aus und ich wußte, dass er nie fliegen würde. Es tat mir in der Seele weh, aber ich habe ihn gleich davon erlöst…

                  #73965
                  Martha
                  Forenmitglied
                    • CH
                    • 545 m

                    Bei verletzten Hummeln frage ich mich immer, können Insekten Schmerzen empfinden? Ist es quälend für die Hummel, sie am Leben zu lassen.

                    Bekannt ist, dass Hummeln wie alle Insekten nur ein recht primitives Nervensystem haben. Einen Schmerz, wie wir ihn empfinden, haben sie nicht, aber sie haben Sinnesorgane, mit denen sie Schmerzreize wahrnehmen können.

                    Frank hat natürlich recht wenn er schreibt, ein Nest zu gründen bleibt ihr versagt. Also ginge das ganze Unterfangen in Richtung Experiment. Ob @Silke das möchte?

                    #85561
                    Rolf KaPunkt
                    Forenmitglied
                      • DE 39590
                      • 39 m

                      Geschäftiges Treiben im Baumhummelkasten in der Altmark, Ende Mai 2024. Die ersten Jungköniginnen sind geschlüpft. Der Einflug wird von einer Wächterin bewacht, die auch den Einflug sauber hält und für Belüftung sorgt.

                       

                      #85565
                      Stefan
                      Admin
                      Beitragsersteller
                        • DE 84513
                        • 398 m

                        Herzlichen Glückwunsch!

                        Viele fürchten sich etwas vor den Baumhummeln. Aber ich liebe diese Hummelart, denn da ist immer was los an der Klappe. Da hat man immer etwas zu beobachten. Das scheint ein sehr agiles und größeres Nest zu sein.

                        Grüße Stefan :bravo:

                        #85566
                        Wilhelm
                        Forenmitglied
                          • DE 41063
                          • 72 m

                          Da ist ja mächtig was los, habe auch Baumhummeln, da sind die ersten JK schon im April geschlüpft, mittlerweile viele pechschwarze Jungköniginnen. Dachte ich hätte ein großes Nest, aber Dir sind wahrscheinlich doppelt soviele oder noch mehr drin. Habe pro Minute 2-4 Aus und Einflüge. Ist Dein Video ungekürzt?

                          GlG aus Mönchengladbach

                          #85593
                          Rolf KaPunkt
                          Forenmitglied
                            • DE 39590
                            • 39 m
                            Wilhelm schrieb am

                            Da ist ja mächtig was los, habe auch Baumhummeln, da sind die ersten JK schon im April geschlüpft, mittlerweile viele pechschwarze Jungköniginnen. Dachte ich hätte ein großes Nest, aber Dir sind wahrscheinlich doppelt soviele oder noch mehr drin. Habe pro Minute 2-4 Aus und Einflüge. Ist Dein Video ungekürzt?

                            GlG aus Mönchengladbach

                            Die Aufnahme war ca. 10 Minuten und wurde geschnitten, nicht weil am Einflug keine Bewegung und Ein- und Ausflüge waren, sondern weil Frauen fast keine 10 Minuten stille sein können. ;) :P

                            #85594
                            Rolf KaPunkt
                            Forenmitglied
                              • DE 39590
                              • 39 m
                              Stefan schrieb am

                              Herzlichen Glückwunsch!

                              Viele fürchten sich etwas vor den Baumhummeln. Aber ich liebe diese Hummelart, denn da ist immer was los an der Klappe. Da hat man immer etwas zu beobachten. Das scheint ein sehr agiles und größeres Nest zu sein.

                              Grüße Stefan :bravo:

                              Ja, Baumhummeln sind nicht ohne, beim Wachsmottenklappen einstellen habe ich auch schon einen schönen Abdruck mit Punkt in der Mitte bekommen und das genau auf die Brust durchs T-Shirt, hat aber nicht so weh getan wie ein Bienenstich. Und der Stachel blieb auch nicht stecken. Am besten macht man notwendige Arbeiten am und um den Kasten in der späten Dämmerung.

                              #85607
                              Stefan
                              Admin
                              Beitragsersteller
                                • DE 84513
                                • 398 m

                                Helle Kleidung hilft. Die Hummeln nicht anpusten. Und lass Dir Zeit! Alles, was Du machst, immer erst einige Minuten warten, dann handeln, dann warten usw.

                                Dann geht das auch ohne Stechschutz!

                                Gerne werden dunkle Brillengestelle oder dunkle Kameras angegriffen. Wenn man das weis, kann man auch dunkle Gegenstände gezielt zur Ablenkung verwenden.

                                Grüße Stefan :pfeif:

                                #86544
                                chrissimandy
                                Forenmitglied

                                  Hallo Ihr,

                                  auch dieses Jahr haben es meine Hummeln geschafft :haha:

                                  auf dem Bild sind nur noch ca. 1/3 der Jungen Königinnen.

                                  leider hat auch dieses Jahr die Mottenplage Einzug genommen im Nest und ich hole fast täglich Motten raus… EGAL … sie haben es geschafft :mrgreen:

                                  Foto/Video:
                                Ansicht von 15 Beiträgen – 1 bis 15 (von insgesamt 18)
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