Nacktschnecken
Nacktschnecken gehören zu den am wenigsten geschätzten Bewohnern unserer Gärten. Um sie wirksam zu regulieren, ist ein Blick auf ihre Lebensweise hilfreich. Im Gegensatz zu Gehäuseschnecken besitzen Nacktschnecken kein schützendes Haus, in das sie sich bei Trockenheit zurückziehen können. Sie sind daher extrem anfällig für Austrocknung und tagsüber meist an feuchten, dunklen Orten verborgen. Erst in der Dämmerung oder bei Regenwetter werden sie aktiv und gehen auf Nahrungssuche. Dabei orientieren sie sich stark über ihren hoch entwickelten Geruchssinn, der sie zielsicher zu saftigen Pflanzen führt.
In heimischen Gärten trifft man vor allem auf drei Nacktschneckenarten, die sich in ihrer Größe, ihrem Aussehen und ihrem Verhalten stark voneinander unterscheiden.
Spanische Wegschnecke
Die Spanische Wegschnecke wird sieben bis fünfzehn Zentimeter lang und zeigt sich in rötlich braunen, braunen oder orangen Farbtönen mit einem robusten Körper. Sie gilt als extrem unersättlich und verursacht die meisten Schäden im Gemüsebeet, da sie von vielen Fressfeinden wegen ihres bitteren Schleims gemieden wird.
Genetzte Ackerschnecke
Die Genetzte Ackerschnecke ist mit drei bis fünf Zentimetern deutlich kleiner und besitzt eine milchig graue oder hellbraune Färbung mit einer netzartigen Fleckung. Diese Art ist sehr anpassungsfähig und schädigt oft schon im frühen Frühjahr die erste Aussaat.
Tigerschnegel
Die dritte häufige Art ist der Tigerschnegel, der eine beachtliche Länge von zehn bis zwanzig Zentimetern erreicht. Er ist hellgrau bis bräunlich gefärbt und besitzt ein dunkles Fleckenmuster. Im Gegensatz zu den anderen beiden Arten ist diese getigerte Schnecke ein echter Nützling im Garten. Sie ernährt sich vorwiegend von Pilzen, Flechten und welkem Pflanzenmaterial, lässt frisches Gemüse also weitgehend unberührt. Zudem zeigt der Tigerschnegel ein territoriales und räuberisches Verhalten, denn er attackiert andere Nacktschnecken und frisst gezielt deren Eigelege auf, was ihn zu einem wertvollen Helfer bei der biologischen Schädlingsregulierung macht.
Schnecken und Hummeln
In der Welt der staatenbildenden Insekten gehören Hummeln zu den wehrhaftesten Bewohnern des Bodens. Mit ihrem schmerzvollen Giftstachel können sie geschickte Räuber oder Nestkonkurrenten wie Mäuse meist erfolgreich in die Flucht schlagen. Doch gegen einen evolutionär völlig unerwarteten Eindringling versagt dieses hoch entwickelte Verteidigungssystem vollständig.
Wenn eine Wegschnecke in ein bodennahes Hummelnest eindringt, reagiert das Volk sofort mit heftigen Angriffen. Die Arbeiterinnen versuchen, den Eindringling durch wiederholte Stiche zu vertreiben. Hier zeigt sich jedoch das mechanische Versagen der körpereigenen Waffen. Der Hummelstachel gleitet auf der zähen Haut der Schnecke ab oder dringt nicht tief genug in das Gewebe ein. Zudem produziert das Weichtier unter Stress enorme Mengen an zähflüssigem Schleim. Dieser Schleim neutralisiert das injizierte Bienengift fast vollständig und verklebt zusätzlich die Sinnesorgane sowie die Flügel der angreifenden Insekten.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Nervensystem der Schnecken. Im Gegensatz zu Säugetieren reagieren sie nicht auf den typischen Abschreckungsschmerz, der durch das Gift ausgelöst werden soll. Die Schnecke folgt stur ihrem Geruchssinn und lässt sich durch die Verteidigungsversuche nicht beirren. Wie ein unaufhaltsamer Panzer im Zeitlupentempo kriecht sie über die Brutwaben. Sie bricht die schützenden Kokons auf, frisst die wehrlosen Larven sowie die Puppen und plündert die mühsam angelegten Honigtöpfe. Neben dem physischen Schaden zerstört die hinterlassene Schleimspur das sensible Mikroklima und den spezifischen Eigengeruch des Nestes, was bei den überlebenden Hummeln zu massiver Desorientierung führt.
Umleiten der Nacktschnecken
Da Hummelhäuser vorzugsweise an dunklen und schattigen Plätzen stehen, teilen sie sich diesen Bereich mit den Nacktschnecken. Problematisch wird diese Nachbarschaft erst dann, wenn die Tiere über die Hummelklappen kriechen oder versuchen, in das Einlaufrohr des Hauses vorzudringen.
Anstatt die Tiere sofort zu vernichten, kann das gezielte Umleiten eine nachhaltige Methode sein. Durch das Schaffen von attraktiven alternativen Futterplätzen lassen sich die Tiere weglocken. Hierzu eignen sich welke Salatblätter, Gurkenscheiben oder eingeweichte Haferflocken, die an einem schattigen Ort abgelegt werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Anpflanzen von sogenannten Ablenkungspflanzen wie Tagetes oder Dahlien in einiger Entfernung. Die Schnecken sammeln sich an diesen bevorzugten Nahrungsquellen und können dort am späten Abend oder am frühen Morgen einfach abgesammelt werden.
Mechanische und biologische Abwehrmethoden
Um Hummelhäuser zu schützen, haben sich mechanische Barrieren bewährt. Ameisensperren mit Wasser und Schneckenzäune, die eine speziell angewinkelte Kante besitzen, stellen für die Tiere ein unüberwindbares Hindernis dar. Auch das Ausbringen von trockenen, rauen Materialien wie Sägemehl oder Kaffeesatz rund um die Pflanzen erschwert den Schnecken die Fortbewegung, da diese Stoffe den Schleim entziehen und die Kriechsohle reizen. Diese Barrieren müssen jedoch nach jedem Regenschauer erneuert werden. Im biologischen Bereich wird auch der Einsatz von Nematoden geschätzt, bei denen es sich um mikroskopisch kleine Fadenwürmer handelt, die gezielt die Larven und Jungtiere bestimmter Nacktschneckenarten parasitieren.
Natürliche Feinde und ökologischer Nutzen
Ein naturnaher Garten bietet Lebensraum für zahlreiche Tiere, die Nacktschnecken auf ganz natürliche Weise regulieren. Zu den wichtigsten Fressfeinden gehören Igel (wenn er nichts Besseres findet), Erdkröten, Blindschleichen und verschiedene Vogelarten wie Drosseln. Auch nützliche Insekten wie Laufkäfer, Glühwürmchenlarven und Hundertfüßer machen Jagd auf die Gelege und Jungschnecken. Wer den Garten mit Totholzhaufen, dichten Hecken und Trockenmauern strukturiert, fördert diese Nützlinge aktiv. Trotz ihres schlechten Rufs erfüllen Nacktschnecken im Ökosystem eine wichtige Funktion, da sie als Gesundheitspolizei totes Pflanzenmaterial und Tierkadaver abbauen und so den Humusaufbau unterstützen.
Quellenverzeichnis
- Benton, Ted (2006): Bumblebees. Collins New Naturalist Library. Online verfügbar unter: https://www.harpercollins.co.uk/9780007174515/bumblebees-collins-new-naturalist-library-book-98/
- Hagen, Eberhard von und Aichhorn, Ambros (2014): Hummeln: bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen. Online verfügbar unter: https://www.quelle-meyer.de/shop/hummeln/
- Bundesamt für Naturschutz: https://www.bfn.de
- Naturschutzbund Deutschland: https://www.nabu.de
- Julius Kühn-Institut für Kulturpflanzen: https://www.julius-kuehn.de
- inaturalist.org
- inaturalist.org
- inaturalist.org
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Stefan aktualisiert.
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