Der Hummelstaat

Anders als bei der Honigbiene überwintert bei Hummeln nicht das ganze Volk. Am Ende der Saison sterben die alte Königin, alle Arbeiterinnen und die Drohnen. Nur die zuletzt geschlüpften und bereits begatteten Jungköniginnen überleben den Winter und gründen im nächsten Frühling ein völlig neues Volk. Das Hummeljahr lässt sich deshalb als ein Kreislauf beschreiben, der mit jeder Generation neu beginnt.

Winter: Die Königin überwintert

Nur die Jungköniginnen überleben den Winter, alle anderen Hummeln eines Volkes sterben im Herbst. Eine Jungkönigin gräbt sich im Herbst in lockere Erde ein und hält dort Winterschlaf, man nennt das Diapause.

Die Königin sucht ein Nest

Sobald es im Frühjahr wärmer wird, gräbt sich die Königin wieder aus. Sie ist nach dem langen Winterschlaf hungrig und fliegt an den ersten blühenden Pflanzen wie Weidenkätzchen oder Krokussen Nektar und Pollen sammeln. Danach sucht sie einen geeigneten Nistplatz, häufig ein verlassenes Mäuseloch, weil dort schon weiches Nistmaterial wie Fell oder Moos liegt.

Die erste Brut

Im Nest baut die Königin aus Wachs, das sie selbst produziert, einen kleinen Becher und legt darin ihre ersten Eier ab. Sie setzt sich auf die Eier und erzeugt durch Muskelzittern Wärme, ähnlich wie ein Vogel beim Brüten. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die die Königin mit Pollen und Nektar füttert. Nach etwa vier bis fünf Wochen schlüpfen daraus die ersten erwachsenen Hummeln. Diese ersten Tiere sind immer Arbeiterinnen, also Weibchen.

info hummelWährend dieser ersten Brutphase versorgt die Königin ihre Larven noch ganz allein, wie eine solitär lebende Wildbiene. Erst mit den ersten geschlüpften Arbeiterinnen beginnt das eigentliche Zusammenleben im Staat.

Das Volk wächst

Ab jetzt übernehmen die Arbeiterinnen das Sammeln von Nektar und Pollen, und die Königin bleibt im Nest und legt weitere Eier. Weil jetzt mehrere Hummeln gleichzeitig sammeln und füttern, wächst das Volk immer schneller. Je nach Art leben am Ende der Saison zwischen etwa 50 und 500 Hummeln in einem Nest.

Prinzen und Prinzessinnen

Nun legt die Königin besondere Eier, aus denen keine Arbeiterinnen mehr schlüpfen, sondern Jungköniginnen und Drohnen (Männchen). Diese verlassen das Nest, um sich mit Hummeln aus anderen Völkern zu paaren. Auch Arbeiterinnen beginnen jetzt Eier zu legen aus der ausschließlich Drohnen entstehen.

Das Volk stirbt

Nach der alten Königin sterben jetzt auch alle Arbeiterinnen und die Drohnen nach der Paarung. Nur die neu begatteten Jungköniginnen graben sich ein und überwintern, so wie es die Königin im Vorjahr auch getan hat. Ein Hummelvolk besteht also immer nur eine einzige Saison lang, im Gegensatz zum Bienenvolk der Honigbiene, das mehrere Jahre überdauert. Eine Hummelkönigin ist deshalb immer “Königin für einen Sommer”.

Film: Der Hummelstaat – Königin für einen Sommer

Ich empfehle jedem Hummelfreund sich die Zeit zu nehmen und diesen preisgekrönten Film anzusehen. Der Hummelstaat, ein mehrfach prämierter Dokumentarfilm über das Hummeljahr aus dem Jahr 1998. Mitgewirkt haben auch Zoologen der Uni Würzburg und deren Thermovisionskamera.

Organisation und Lebensweise eines einjährigen Inseketenstaates (28 Min.). Karlheinz Baumann erzählt in diesem Film die Geschichte eines Hummelstaates von der Gründung im Frühjahr bis zu seinem Ende im Spätsommer, vom Hochzeitsflug der Jungköniginnen und Begatten durch die wartenden Hummel-Männchen im frühen Herbst und deren Überwintern, bis auch sie sich ihr kleines Reich schaffen.

Quelle: Baumann Naturfilme
Weitere Videos: Hummeln und Wildbienen

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  • #86558
    HP
    Forenmitglied
      • DE 22927
      • 50 m

      Moin Manfred, du kennst dich aus. Ist meine Vermutung richtig, daß die Spermienpakete gebunkert werden?

      Bei meinen Lebendgebärenden (Platies) werden auch Spermien auf Halde gelegt. Sollte es nach dem Wurf keine Neubefruchtung geben, wird auf die Reserve zurückgegriffen.

      Gruß

      HP

      #86583
      Christian
      Forenmitglied
        • A-4800, 4851
        • 420, 510 m

        Servus HP, weil ich hier (der einzige?) Imker bin und schon 43 Jahre hindurch durchgehend ein paar Bienenvölker (dzt. 2) halte, auch von mir eine Antwort. Ja, Bienenköniginnen werden oft zu Belegstellen gefahren, wo sich im Umkreis von mind. 10 km keine Imker Bienen betreuen. Es gibt dort Drohnen aus ausgewählten Völkern, welche (mehrere) die jungen Königinnen begatten. Diese Königinnen können dann bis zu 6 Jahren die Spermien nutzen für befruchtete Eier. Wie bei den Hummeln werden aus unbefruchteten Eiern Drohnen. Eine Bienenkönigin legt während der Aufwärtsphase des Volks bis zu 2.000 Eier täglich, mehr als ihr eigenes Gewicht. Ja, das ist “irre interessant”! Grüße aus Oö. Christian

        #86585
        HP
        Forenmitglied
          • DE 22927
          • 50 m

          Moin Christian, danke für deine Ausführungen. D.h. also, daß auch die Hummelkönigin Spermienpakete speichert und erst bei Bedarf darauf zurückgreift. 2000 Eier pro Tag ist unglaublich, aber wohl in der Praxis eher selten. Dann käme es zum häufigen Schwärmen, was sicherlich der Imker nicht möchte. Gedanken eines Laien…

          Viele Grüße aus dem Norden

          HP

          #86602
          Christian
          Forenmitglied
            • A-4800, 4851
            • 420, 510 m

            Servus HP, ja sicher “speichern” Hummelköniginnen Spermien, weil die Begattung im Geburtsjahr stattfindet und Nestgründung im nächsten. Und ja – ein Bienenvolk entwickelt sich “explosionsartig” mit mehr als 50.000 Individuen, ohne dass sie schwärmen. Als ich begonnen habe zu imkern, waren die Bienenvölker nicht so stark, haben öfter geschwärmt, weniger Honig “produziert” und waren auch agressiver, dafür aber widerstandsfähiger und robuster – ist zumindest meine Meinung. Beste Grüße aus dem Süden! Christian (HC)

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