Bombus difficillimus

Der russische Entomologe Andrei Skorikov gab dieser Hummel 1912 einen Namen, der auf Deutsch die Allerschwierigste bedeutet: Bombus difficillimus. Warum er sich dafür entschied, hat er nicht erläutert. Wer sich mit der Untergattung befasst, zu der sie gehört, ahnt es allerdings.

Subterraneobombus heißt übersetzt die unterirdischen Hummeln, benannt nach ihrer Gewohnheit, tief in der Erde zu nisten. Zu dieser Gruppe zählen elf Arten, darunter mit der Deichhummel und der Grubenhummel auch zwei in Mitteleuropa vorkommende. Ihre Angehörigen ähneln einander stark, und die Abgrenzung hat Fachleute über ein Jahrhundert beschäftigt.

Wo sie lebt

Das bekannte Verbreitungsgebiet umfasst die chinesischen Provinzen Gansu und Qinghai, dazu das angrenzende Zentralasien. Innerhalb Gansus beschränkt sie sich auf einen Landschaftstyp, den die Bearbeiter als westliche Trockengebirgszone bezeichnen: kalte, niederschlagsarme Hochgebirge am Rand des tibetischen Hochlands, weit entfernt von den Wäldern im Südosten der Provinz. Selten ist sie auch dort.

Bemerkenswert ist ihre Höhenlage. Bei der großen Bestandsaufnahme der Hummeln Gansus zwischen 2007 und 2010 wurden 49 Arten erfasst. Nur vier davon fanden sich oberhalb von 4000 Metern, und Bombus difficillimus war eine von ihnen. In diesen Höhen liegt die Vegetationszeit bei wenigen Wochen, und Frost ist auch im Juli möglich.

info hummelAls Trachtpflanze ist für Gansu Hedysarum tanguticum belegt, ein Süßklee aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Diese Pflanze bildet auf den Weiden des tibetischen Hochlands stellenweise dichte Bestände und gilt dort als eine der wichtigsten Nektarquellen überhaupt.

Eine Art, die erst durch Genetik gesichert wurde

2011 nahmen sich drei Bearbeiter die gesamte Untergattung vor. Sie werteten 3854 Belegtiere aus 1535 Aufsammlungen der gesamten Nordhalbkugel und des nördlichen Südasiens aus und verglichen körperliche Merkmale mit DNA-Abschnitten. Am Ende blieben elf Arten übrig, eine davon neu, und Bombus difficillimus wurde als eigenständig bestätigt.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. In derselben Untergattung wurden bei dieser Gelegenheit mehrere alte Namen als bloße Farbformen entlarvt und eingezogen. Ohne den Abgleich zweier unabhängiger Datenquellen wäre kaum zu entscheiden gewesen, welche der zentralasiatischen Formen eigene Arten sind.

Was fehlt

Von Bombus difficillimus ist kein Nest beschrieben. Die Untergattung trägt zwar ihren Namen wegen der unterirdischen Nistweise, doch für diese Art selbst liegt keine einzige Nestbeobachtung vor. Volksstärke, Nistplatzwahl, Dauer des Koloniezyklus und die Frage, ob eine Kuckuckshummel sie befällt, sind offen. Auch eine Rüssellänge in Millimetern ist nicht publiziert.

Über die Bestandsentwicklung lässt sich ebenfalls nichts sagen. Der Nordwesten Chinas hat kein wiederholtes Hummel-Monitoring an festen Zählstrecken, wie es in Großbritannien seit den 2000er Jahren läuft. Zwar liegt für Gansu inzwischen ein Datensatz vor, der zwischen 2002 und 2022 an 2295 Stellen mehr als 8000 Hummeln erfasst hat, doch er beschreibt die räumliche Verteilung und nicht die Veränderung über die Zeit. Für eine Art, die nur in wenigen Hochtälern vorkommt, wäre eine Abnahme mit diesem Verfahren ohnehin schwer zu bemerken.

Dazu kommt die Zugänglichkeit. Fundorte oberhalb von 4000 Metern erreicht man nur mit erheblichem Aufwand, und das Zeitfenster, in dem dort Hummeln fliegen, ist kurz. Was über diese Art bekannt ist, verdankt sich einigen wenigen Expeditionen.

Quellen

  • Williams, P. H., An, J. und Huang, J.: The bumblebees of the subgenus Subterraneobombus: integrating evidence from morphology and DNA barcodes (Hymenoptera, Apidae, Bombus). Zoological Journal of the Linnean Society 163, 2011 (3854 Belegtiere aus 1535 Aufsammlungen, elf anerkannte Arten, Bestätigung von Bombus difficillimus)
  • Williams, P. H., Tang, Y., Yao, J. und Cameron, S.: The bumblebees of Gansu, Northwest China (Hymenoptera, Apidae). Zootaxa 2865, 2011 (Erhebung 2007 bis 2010, 49 Arten, Vorkommen oberhalb 4000 m, Trachtpflanze Hedysarum tanguticum, Seltenheit im nordwestlichen Qilian Shan)
  • Skorikov, A. S.: Erstbeschreibung von Bombus difficillimus, 1912
  • Zhang, Y. et al.: Patterns and drivers of bumblebee diversity in Gansu. 2024 (Datensatz 2002 bis 2022, 2295 Fundstellen, Beschränkung auf die westliche Trockengebirgszone)

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