Bombus avanus
Als Paul Williams und seine Mitarbeiter 2009 die Hummeln Sichuans bearbeiteten, fanden sie unter mehr als 6700 Tieren eine Art, für die ihr Fund erst der zweite veröffentlichte Nachweis weltweit war. Sie heißt Bombus avanus.
Andrej Skorikov beschrieb sie. Bekannt ist sie aus China und Burma, und sie gehört zur Untergattung Pyrobombus, jener Gruppe kurzzüngiger Hummeln mit kleinen Völkern und früher Entwicklung.
Zwei Nachweise für eine ganze Art
Die Angabe steht in der Zusammenfassung der Arbeit von 2009 und ist bemerkenswert nüchtern formuliert: Sechs Arten wurden für die Region Sichuan und Chongqing erstmals nachgewiesen, und von diesen sei Bombus avanus überhaupt erst der zweite veröffentlichte Fund weltweit.
Zum Vergleich: Dieselbe Arbeit stützte sich auf 6705 gesammelte Tiere und 1123 Angaben aus der Literatur und erkannte darin 56 Arten. In diesem Material war Bombus avanus die Ausnahme.
Eine von fünf ähnlichen Arten
Bombus avanus gehört zu einer Gruppe von fünf nah verwandten Arten, die sich äußerlich kaum unterscheiden. Neben ihr sind das eine Art aus Taiwan, zwei aus dem Himalaya und eine weitere aus China. Getrennt wurden sie über Auswertungen des COI-Genabschnitts in Verbindung mit Merkmalen des Körperbaus.
Bei den beiden Himalaya-Arten dieser Gruppe liegen Maße vor: Königinnen von 13 bis 15 Millimetern, Arbeiterinnen von 9 bis 13, Männchen von 10 bis 13. Für Bombus avanus selbst sind entsprechende Angaben in den hier ausgewerteten Werken nicht enthalten.
Warum Seltenheit und Unkenntnis zusammenhängen
Bei zwei veröffentlichten Nachweisen lässt sich über eine Art fast nichts sagen. Es gibt kein beschriebenes Nest, keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Nestjahresablauf, keine beobachtete Paarung und keine Liste besuchter Blüten. Ein Bestandstrend ist nicht bestimmbar, und selbst der genaue Umfang des Verbreitungsgebiets bleibt offen.
Ob die Art wirklich so selten ist oder ob sie nur selten gefunden wird, lässt sich ebenfalls nicht entscheiden. Beides ist möglich. Für die zweite Erklärung spricht, dass sie vier sehr ähnlichen Arten gleicht: Tiere könnten in Sammlungen unter deren Namen liegen, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre.
Was helfen würde
Der naheliegende Schritt wäre eine Durchsicht chinesischer und burmesischer Museumsbestände dieser Artengruppe, mit den Bestimmungsmerkmalen der Arbeit von 2009 im Blick. Solche Nachbestimmungen haben in den vergangenen Jahren bei mehreren Hummelarten das Verbreitungsbild grundlegend verändert.
Für Geländearbeit spricht die Lage weniger. Das Grenzgebiet zwischen China und Burma gehört zu den schwer zugänglichen Regionen Asiens, und die Höhenlagen, in denen die verwandten Arten leben, sind nur wenige Wochen im Jahr schneefrei.
Quellen
- Williams P.H., Tang Y., Yao J. & Cameron S. 2009. The bumblebees of Sichuan (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Systematics and Biodiversity 7: 101 bis 190
- Williams P.H. 2022. The Bumblebees of the Himalaya. An Identification Guide. Abc Taxa 21, CEBioS und Königlich Belgisches Institut für Naturwissenschaften, Brüssel. Frei abrufbar über abctaxa.naturalsciences.be
- Williams P.H., Ito M., Matsumura T. & Kudo I. 2010. The bumblebees of the Nepal Himalaya (Hymenoptera: Apidae). Insecta Matsumurana 66: 115 bis 151
- An J.-D., Huang J.-X., Shao Y.-Q., Zhang S.-W., Wang B., Liu X.-Y., Wu J. & Williams P.H. 2014. The bumblebees of North China (Apidae, Bombus Latreille). Zootaxa 3830: 1 bis 89
- Williams P.H. 1998. An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum, London (Entomology) 67: 79 bis 152

