Pflanzen im Garten für Raupen und Schmetterlinge stehen lassen
Viele Gärtner greifen im Herbst zur Schere und kürzen Stauden und Kräuter stark ein. Wer jedoch die Vielfalt an Schmetterlingen fördern möchte, lässt bestimmte Pflanzen bewusst bis ins Frühjahr stehen. Das schafft Überwinterungsplätze für Raupen und Puppen und sichert zugleich die Nahrungsgrundlage für das kommende Jahr.
Brennnesseln zählen zu den wichtigsten Futterpflanzen für Raupen und sollten im Herbst nicht vollständig entfernt werden. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral legen ihre Eier bevorzugt an diesen Pflanzen ab, und die Raupen finden an den stehenden Stängeln Schutz und Nahrung, bis sie sich verpuppen.
Doldenblütler wie Fenchel, Dill oder Wilde Möhre eignen sich gut für den Schwalbenschwanz, dessen Puppen sich in den hohlen Stängeln verstecken. Gräser wiederum helfen Arten wie dem Wiesenvögelchen, deren Raupen sich in den Halmen entwickeln.
Welche Schmetterlingsarten profitieren besonders
Der Tagpfauenauge gehört zu den Arten, die besonders von solchen Maßnahmen profitieren, seine Raupen überwintern häufig an Brennnesselresten. Auch der Kleine Fuchs und der Admiral nutzen diese Strukturen für ihre Entwicklung. Bei Nachtfaltern wie dem Gamma-Eulchen sind es die abgestorbenen Stängel, an denen die Puppen den Winter überstehen.
Schwalbenschwanz (Papilio machaon)
Der Schwalbenschwanz überwintert als Puppe. Die Raupe sucht im Spätsommer einen geschützten Platz an Pflanzenstängeln oder in niedriger Vegetation und verwandelt sich dort in eine Gürtelpuppe. Diese bleibt bis zum Frühjahr in Winterruhe. Wilde Möhren, Dill, Fenchel oder Pastinaken stehen lassen, denn sie sind wichtige Raupenfutterpflanzen. Verblühte Stängel sollten über Winter nicht abgeschnitten werden, da sich daran Puppen befinden können. Ein sonniger, windgeschützter Bereich mit heimischen Doldenblütlern hilft besonders.
Tagpfauenauge (Aglais io)
Das Tagpfauenauge überwintert als erwachsener Falter. Es sucht im Herbst dunkle, kühle und geschützte Orte wie Holzschuppen, Dachböden, Kellerräume oder Baumhöhlen auf. Dort fällt es in eine Winterstarre. Laub, alte Holzstapel und wilde Ecken im Garten erhalten wichtige Verstecke. Wer Falter im Haus findet, sollte sie nicht in warme Wohnräume setzen, sondern möglichst kühl überwintern lassen. Die Raupen benötigen vor allem Brennnesseln, die deshalb an sonnigen Stellen stehen bleiben sollten.
Admiral (Vanessa atalanta)
Der Admiral überwintert in Deutschland zunehmend als erwachsener Falter, besonders in milden Regionen. Viele Tiere wandern jedoch im Herbst nach Süden ab. Überwinternde Falter suchen geschützte Plätze wie Baumhöhlen, Schuppen oder dichte Vegetation. Späte Blüten wie Efeu, Herbstastern oder Fetthenne liefern wichtige Energie für den Herbstzug und die Vorbereitung auf den Winter. Brennnesseln als Raupenpflanze sollten erhalten bleiben. Dichte Pflanzenbestände und Laubhaufen bieten Schutz.
Trauermantel (Nymphalis antiopa)
Der Trauermantel überwintert als Falter. Er versteckt sich in Baumhöhlen, unter loser Rinde oder in anderen geschützten Bereichen. Im Frühjahr gehört er zu den ersten Schmetterlingen, die wieder aktiv werden. Alte Bäume mit Höhlen oder abgestorbene Äste sollten möglichst erhalten werden. Auch Holzstapel und naturnahe Gartenbereiche bieten Winterplätze. Seine Raupen leben unter anderem an Weiden und Birken. Wer diese Gehölze im Garten hat, schafft wichtige Lebensräume.
Aurorafalter (Anthocharis cardamines)
Der Aurorafalter überwintert als Puppe. Die Raupe entwickelt sich an Kreuzblütlern und verpuppt sich im Sommer an Pflanzenstängeln. Die Puppe bleibt oft fast ein Jahr an derselben Stelle. Wiesenschaumkraut, Knoblauchsrauke und andere heimische Kreuzblütler stehen lassen. Verblühte Stängel nicht im Herbst entfernen, da daran Puppen hängen können. Eine wilde Ecke im Garten ist besonders wertvoll.
Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)
Der Zitronenfalter verbringt den Winter als erwachsener Falter. Er sucht geschützte Plätze in dichtem Gebüsch, unter Laub oder in immergrünen Pflanzen. Durch körpereigene Frostschutzstoffe kann er Temperaturen unter dem Gefrierpunkt überstehen. Dichte Sträucher wie Efeu, Stechpalme oder Liguster nicht vollständig zurückschneiden. Besonders wichtig sind Faulbaum und Kreuzdorn, denn sie dienen den Raupen im Frühjahr als Nahrungspflanzen.
Großer Schillerfalter (Apatura iris)
Der Große Schillerfalter überwintert als junge Raupe. Die kleine Raupe sitzt im Herbst an Weiden, häufig an jungen Trieben, und verharrt dort bis zum Frühjahr. Weiden sollten unbedingt erhalten werden. Besonders Salweiden sind wertvolle Raupenpflanzen. Ein Rückschnitt im Winter kann überlebende Raupen gefährden und sollte deshalb nicht flächig erfolgen. Alte Weidenbestände sind besonders wertvoll.
Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum)
Das Taubenschwänzchen überwintert in Deutschland nur selten erfolgreich als Falter, da es eigentlich ein Wanderfalter ist. Viele Tiere ziehen im Herbst nach Südeuropa. In milden Regionen können einzelne Falter geschützt überwintern. Ein spätes Blütenangebot hilft besonders wandernden und überwinternden Tieren. Wertvoll sind unter anderem Herbstastern, Wasserdost, Fetthenne und ungefüllte Dahlien. Ein frostfreies, ruhiges Winterquartier wie ein Schuppen kann einzelnen Faltern helfen.
Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)
Der Hauhechel-Bläuling überwintert überwiegend als kleine Raupe. Sie sitzt geschützt an bodennahen Pflanzen und wird häufig von Ameisen begleitet, die sie teilweise schützen. Wiesenbereiche mit Klee, Hornklee, Luzerne oder anderen Schmetterlingsblütlern sollten erhalten bleiben. Der Rasen sollte nicht zu häufig gemäht werden. Ungemähte Grasbereiche und trockene, sonnige Stellen bieten wichtige Winterplätze.
C-Falter (Polygonia c-album)
Der C-Falter überwintert als erwachsener Falter. Er versteckt sich in Höhlen, Holzstapeln, Schuppen oder dichter Vegetation. Durch seine unregelmäßige Flügelunterseite ist er zwischen trockenen Blättern gut getarnt. Laub unter Sträuchern liegen lassen, abgestorbene Pflanzenstängel stehen lassen und wilde Gartenbereiche erhalten. Die Raupen nutzen unter anderem Brennnesseln, Hopfen, Johannisbeeren und Ulmen.
Quellen
- Reinhard Witt: Ein Garten für Schmetterlinge. Schmetterlinge ansiedeln und fördern. Ulmer Verlag, Stuttgart 2015.
- Bruno P. Kremer: Schmetterlinge in meinem Garten. Kosmos Verlag, Stuttgart 2019. https://www.mdr.de/mdr-garten/geniessen/buch-tipp-schmetterlinge-im-garten-mdr-100.html
- NABU Deutschland: Schmetterlinge im Garten fördern. https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten/schmetterlinge/
- Butterfly Conservation: Gardening for Butterflies and Moths. https://butterfly-conservation.org/
- Xerces Society for Invertebrate Conservation: Leave stems and leaves for overwintering insects. https://xerces.org/
- Schmetterlinge Deutschlands; Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen e. V. (ABE): Informationen zu Lebensweise, Raupenfutterpflanzen und Überwinterung zahlreicher heimischer Tagfalter. https://www.schmetterlinge-d.de/
- Bundesamt für Naturschutz (BfN): Schmetterlinge und ihre Lebensräume: Grundlagen zu Entwicklung, Gefährdung und Schutzmaßnahmen für heimische Tagfalter. https://www.bfn.de/
- Stiftung Schmetterling: Informationen zu Lebenszyklen, Raupenpflanzen und Überwinterungsstrategien heimischer Schmetterlinge. https://www.stiftung-schmetterling.de/
- UK Butterflies: Species Accounts: Sehr detaillierte Angaben zu Überwinterungsstadien, Raupenpflanzen und Lebensweise einzelner Arten, darunter Tagpfauenauge, Admiral, Zitronenfalter, C-Falter und Aurorafalter.https://www.ukbutterflies.co.uk/
- Butterfly Conservation: Butterfly Species Information: Fachinformationen zu Biologie und Jahreszyklus europäischer Tagfalterarten. https://butterfly-conservation.org/
- Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1 und 2: Tagfalter I und II: Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart. Standardwerk mit ausführlichen Angaben zu Flugzeiten, Raupenpflanzen, Puppenstadien und Überwinterung heimischer Tagfalter.
- Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R., Hermann, G. (2015): Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. Umfassendes Bestimmungs und Grundlagenwerk mit Angaben zur Ökologie und Entwicklung der Arten.
- Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN): Schmetterlinge im Garten: Praktische Hinweise zu Raupenpflanzen, Winterquartieren und naturnaher Gartengestaltung. https://www.bund-naturschutz.de/
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