Bombus mckayi

Dieselbe Hummel trägt in Nordamerika derzeit drei verschiedene Etiketten. In Alaska gilt Bombus mckayi als häufig. Auf Bundesebene führt Kanada sie seit 2023 als Art mit besonderem Schutzbedarf. Und der zuständige Ausschuss der Nordwest-Territorien stuft sie als nicht beurteilbar ein, weil die Angaben nicht ausreichen.

Diese drei Bewertungen widersprechen sich nicht. Sie beruhen auf unterschiedlichen Datenbeständen und beantworten unterschiedliche Fragen. Auseinanderhalten muss man sie trotzdem.

Erst seit 2021 eine eigene Art

Bombus mckayiWilliam Ashmead vergab den Namen 1902. Danach verschwand er über ein Jahrhundert lang im Rang einer Unterart: Bombus mckayi galt als nördliche Form von Bombus occidentalis, der Westlichen Hummel. 2021 hob Paul Williams beide in den Artrang.

Diese Trennung ist für die Naturschutzdebatte in Nordamerika von Bedeutung. Bombus occidentalis hat im Westen der USA einen der am besten dokumentierten Bestandseinbrüche unter allen Hummeln hinter sich. Ihre nördliche Verwandte dagegen wird bei Erhebungen im Nordwesten Kanadas und in Alaska weiterhin regelmäßig gefunden. Wer beide als eine Art führt, mittelt zwei gegenläufige Entwicklungen zu einem Bild, das für keine von beiden stimmt.

Aussehen

Über dem Brustabschnitt, vor den Flügelansätzen, verläuft ein gelbes Haarband. Das erste Hinterleibssegment ist schwarz, das zweite und dritte gelb, die folgenden hell: cremefarben bis weiß. Das Hinterleibsende ist nahezu immer weiß, was die Art im Gelände brauchbar kenntlich macht. Das Gesicht ist schwarz, oft mit eingestreuten gelben Haaren.

Bei den Maßen weichen die Angaben auseinander. Der Bestimmungsführer für Alaska nennt 9 bis 15 Millimeter, die Behörde der Nordwest-Territorien 11 bis 19 Millimeter für Weibchen und 10 bis 20 für Männchen. Solche Unterschiede entstehen, wenn verschiedene Kasten und verschiedene Regionen zusammengefasst werden.

info hummelAls Blütenpflanzen sind unter anderem Erythronium grandiflorum, eine Hundszahnlilie, Hedysarum alpinum, ein Süßklee, dazu Ipomopsis aggregata, das Läusekraut Pedicularis capitata und Schneebeeren der Gattung Symphoricarpos dokumentiert. Bemerkenswert daran ist die Zusammenstellung: Sie reicht von frühen Frühlingsblühern der Bergwälder bis zu Arten der offenen Tundra und passt zu einer Art, die vom Küstenwald bis ins Hochgebirge vorkommt.

Verbreitung

Das Areal umfasst Alaska, das Yukon-Territorium, den Westen der kanadischen Nordwest-Territorien und den Norden von British Columbia. In Alaska führt der Bestimmungsführer der Nationalparkverwaltung die Art in der höchsten Häufigkeitsstufe.

Genau daraus ergibt sich der Widerspruch zu den kanadischen Einstufungen. Kanada bewertet nicht die weltweite Lage, sondern den kanadischen Anteil, und dort liegt die Art am Rand ihres Areals in dünn besiedeltem Bergland. Was in Alaska als häufig durchgeht, kann in den Nordwest-Territorien aus wenigen Fundpunkten bestehen.

Woher die Sorge kommt

Zwei Punkte nennt die Behörde der Nordwest-Territorien ausdrücklich. Erstens die Entwicklung der nächsten Verwandten: Wenn Bombus occidentalis im Süden zusammenbricht, liegt der Verdacht nahe, dass dieselben Ursachen weiter nördlich wirken könnten. Zweitens eine Beobachtung an den Tieren selbst, nämlich eine im Vergleich zu anderen Hummelarten hohe Parasitenlast. Hinzu kommt die Belastung durch Pflanzenschutzmittel.

Beim ersten Punkt handelt es sich um eine Schlussfolgerung aus der Lage einer anderen Art, nicht um einen Befund an dieser. Das ist ein legitimes Vorsorgeargument, aber kein Nachweis eines Rückgangs.

Was fehlt

Der Ausschuss der Nordwest-Territorien hat die Art als nicht beurteilbar eingestuft, und das ist die ehrlichste verfügbare Aussage über den Kenntnisstand. Es fehlen wiederholte Zählungen an denselben Stellen über mehrere Jahre, aus denen sich ein Trend ableiten ließe. Für Alaska und den Yukon gibt es Momentaufnahmen aus Erhebungen, aber keine Zeitreihe.

Zur Nestbiologie ist wenig publiziert. Weder die Volksstärke noch die bevorzugten Nistplätze noch der zeitliche Ablauf einer Kolonie sind für Bombus mckayi beschrieben. Ob eine der nordamerikanischen Kuckuckshummeln sie befällt, ist ebenfalls nicht dokumentiert; bei Bombus occidentalis ist Bombus suckleyi als Schmarotzer bekannt, doch ob das auch für die nördliche Art gilt, wurde nach der Auftrennung von 2021 nicht überprüft.

Quellen

  • Species at Risk Committee, Northwest Territories: McKay’s Bumble Bee (Bombus mckayi), Statusbericht (Einstufung als nicht beurteilbar, Einstufung durch COSEWIC als Art mit besonderem Schutzbedarf, Aufnahme in das Bundesgesetz 2023, Körpermaße, Verbreitung, Parasitenlast, Gefährdungsursachen)
  • Williams, P. H.: Erhebung von Bombus occidentalis mckayi und Bombus occidentalis occidentalis in den Artrang, 2021
  • Ashmead, W. H.: Erstbeschreibung von Bombus mckayi, 1902
  • Rykken, J. und Sikes, D.: Bees of Alaska. A Field Guide. National Park Service, Alaska Region (Körperlänge, Färbung, Häufigkeitsstufe für Alaska)
  • Bumble Bee Watch (Xerces Society und Partner): Artprofil zu Bombus mckayi (Färbungsmerkmale, dokumentierte Blütenpflanzen, Statusangabe stabil)
  • Foto: jbinpg, Beobachtung vom 21.07.2024, Fraser-Fort George, BC, Canada. inaturalist.org/observations/230937355, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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