Baumhummel

Die Baumhummel (Bombus hypnorum) ist an ihrer Färbung leicht zu erkennen: Königinnen und Arbeiterinnen tragen eine orangebraune bis fuchsrote Brust, einen schwarzen Hinterleib und am fünften und sechsten Tergit eine weiße Spitze. Bei manchen Tieren ist die Brust fast oder ganz schwarz. Mit dieser Zeichnung ist sie von den anderen heimischen Hummeln recht eindeutig zu unterscheiden. In der Roten Liste der Bienen Deutschlands von 2011 gehört sie zu den sechs Hummelarten mit der Bestandsangabe „sehr häufig“, neben Ackerhummel, Steinhummel, Wiesenhummel und den beiden Erdhummeln. Auch in der Feldbestimmungshilfe des Thünen-Instituts steht sie unter den sieben häufigsten Hummelarten und Artkomplexen der Agrarlandschaft, zusammen mit dem Erdhummel-Komplex, Ackerhummel, Steinhummel, Wiesenhummel, dem Gartenhummel-Komplex und der Bunthummel.

Königinnen werden 17 bis 20 Millimeter lang und erreichen 35 bis 38 Millimeter Flügelspannweite. Arbeiterinnen schwanken stark zwischen 8 und 18 Millimetern Länge bei 19 bis 32 Millimetern Spannweite, Männchen messen 14 bis 16 Millimeter bei 28 bis 32 Millimetern. Der Kopf ist lang, der Rüssel trotzdem kurz: 11 bis 12 Millimeter bei der Königin, 8 bis 10 bei der Arbeiterin und 7 bis 9 beim Männchen. Die Art gehört zur Untergattung Pyrobombus, in Mitteleuropa lebt die Unterart Bombus hypnorum ericetorum.

Verbreitung und Lebensraum

Baumhummel im Inneren einer blauvioletten Berg-FlockenblumeDer Name verweist auf den ursprünglichen Lebensraum. Auch die wissenschaftliche Bezeichnung Bombus hypnorum tut das: Sie setzt sich aus dem lateinischen Wort für den dumpfen Flugton und dem griechischen Begriff für Baummoos zusammen. In Nordeuropa und Sibirien lebt die Art vor allem in borealen Nadelwäldern, in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas in montanen Wäldern. Nach Süden reicht sie bis in die Pyrenäen und die Gebirge des Balkans, nach Norden bis an die Barentssee und nach Osten bis an den Pazifik. Vor dreißig Jahren fehlte sie noch an der Küste der Bretagne. In Mitteleuropa hat sie sich längst auch abseits der Wälder eingerichtet und besiedelt Dörfer, Städte, Parks sowie Haus- und Kleingärten bis in Höhenlagen von rund 2200 Metern.

Ältere Meldungen der Baumhummel aus dem Himalaya gehören nach einer Revision des Artkomplexes von 2022 zu einer eigenen Art, Bombus bryorum, die von Pakistan bis Arunachal Pradesh in 2286 bis 3900 Metern Höhe lebt. Ein 2024 veröffentlichter indischer Erstnachweis der Baumhummel für den Bundesstaat Himachal Pradesh zieht diese Revision nicht heran. Ob die Tiere dort tatsächlich zu Bombus hypnorum gehören, ist deshalb offen.

Nistplätze

Baumhummelkönigin an den blauen Blüten einer Bartblume, fotografiert Anfang OktoberDie Baumhummel nistet immer oberirdisch und gern in einiger Höhe. Sie bezieht alte Vogelnester, Meisenkästen und andere Nisthöhlen, Mauer- und Felsspalten, Dachböden mit Dämmwolle, Ställe und Scheunen. In Vogelkästen zieht sie besonders gern ein, wenn dort noch das alte Nest der Vögel liegt. Wer das verhindern möchte, reinigt die Kästen rechtzeitig und nimmt das alte Nistmaterial vollständig heraus. Hummelnistkästen werden ebenfalls besiedelt, wegen der Vorliebe für hoch gelegene Plätze aber seltener als von anderen Arten.

Im Dach fallen Baumhummelnester oft durch deutliches Summen auf. Schäden durch Nagen oder Nestabfall verursachen sie nicht. Viele Jungköniginnen prägen sich beim Ausflug die Lage des Mutternests ein und gründen im nächsten Jahr in der Nähe ein eigenes Nest, so dass derselbe Platz oft mehrere Jahre nacheinander besiedelt wird. Den Pollen lagert die Baumhummel in Wachstöpfen, sie ist also ein Pollenaufbewahrer.

In England wurde die Nestdichte genetisch geschätzt. Liam Crowther und Kollegen ordneten dazu Arbeiterinnen über Erbgutmerkmale ihren Völkern zu und kamen in einem Untersuchungsgebiet auf 2,56 Völker je Hektar im Jahr 2014 und 0,72 im Jahr 2015. Die Arbeiterinnen sammelten im Mittel nur etwa 104 Meter vom Nest entfernt, deutlich näher als bei den meisten anderen untersuchten Hummelpopulationen.

info hummelBei den meisten Hummelarten paart sich eine Königin nur einmal in ihrem Leben. Die Baumhummelkönigin dagegen verpaart sich kurz nach dem Schlupf mit mehreren Männchen und bewahrt deren Spermien bis zur Nestgründung im nächsten Jahr auf. In einer englischen Population stammten die gespeicherten Spermien einer Königin im Mittel von mindestens 1,7 Männchen.

Paarung

Ab etwa Mitte Juni patrouillieren die Männchen vor den Nestern und warten auf ausfliegende Jungköniginnen. Sie ergreifen eine Königin im Flug, die Paarung selbst findet anschließend am Boden statt.

Baumhummelkönigin kopfüber an Lavendelblüten Baumhummelkönigin von vorn mit fuchsroter Brust an Lavendel Baumhummelkönigin von hinten mit weißer Hinterleibsspitze an Lavendel Baumhummelkönigin von der Seite an Lavendelblüten

Volk und Nestverteidigung

Eingang zu einem Baumhummelnest in einer Ziegelmauer, ein schmaler Spalt unter dem FensterbrettEin Baumhummelvolk umfasst je nach Nahrungsangebot und Witterung 80 bis rund 400 Tiere. Die Entwicklung verläuft schnell: Die Königinnen erscheinen ab März oder April, Jungköniginnen und Männchen ab Ende Mai oder Anfang Juni, und die meisten Völker sind bis Ende Juli erloschen, nur selten bestehen sie bis Ende August. Damit gehört die Baumhummel neben der Wiesenhummel und der Gartenhummel zu den Arten, die ihre Geschlechtstiere am frühesten im Jahr aufziehen. Junge Königinnen helfen im Nest noch bei der Brutpflege mit.

Am Nest ist die Baumhummel reizbarer als andere Hummeln. Wird ein Volk gestört, fliegen Arbeiterinnen gezielt das Gesicht oder andere unbedeckte Körperstellen an und stechen sofort. Paul Westrich beobachtete allerdings, dass sich Völker an tägliche Kontrollen gewöhnen und eine Besichtigung dann eher dulden als Völker, die nie gestört wurden.

Ausbreitung nach Großbritannien, Island und Irland

Baumhummel an den blauen Blüten des Kriechenden GünselsWie gut die Baumhummel mit Siedlungen zurechtkommt, zeigt ihre Ausbreitung auf den Britischen Inseln. 2001 wurde sie zum ersten Mal im Süden Englands nachgewiesen, 2012 erreichte sie Schottland. Da sie nicht als Bestäuber gezüchtet oder gehandelt wird, ist sie höchstwahrscheinlich von selbst über den Ärmelkanal aus Nordfrankreich gekommen. Innerhalb von zwölf Jahren breitete sie sich fast 600 Kilometer nach Norden aus und besiedelt heute weite Teile Englands, Wales und das südliche Schottland. Island erreichte sie gegen Ende der 2000er Jahre; Anselm Kratochwil nennt eine erste Beobachtung 2008 und gesicherte Nachweise ab 2010, inzwischen auch von Königinnen. In Irland wurde im September 2017 im Dubliner Park St Stephen’s Green das erste Tier belegt. Während viele Hummelarten zurückgehen, gehört die Baumhummel damit zu den wenigen Arten, deren Verbreitungsgebiet wächst.

Eine Untersuchung in Norfolk zeigte, wo die Neuankömmlinge in England leben. Je mehr Siedlungs- und Waldfläche im Umkreis von 250 Metern lag, desto mehr Baumhummeln zählten die Forscher; je mehr Rapsfelder, desto weniger. Diese Kombination fand sich bei keiner anderen der sechs verglichenen Hummelarten. Die Autoren folgern, dass die Baumhummel Lebensräume nutzt, die von den einheimischen Hummeln wenig beansprucht werden, und deshalb neben ihnen bestehen kann.

Blütenbesuch

Baumhummel im Flug vor blauem Himmel, aufgenommen an einem RhododendronDie Baumhummel sammelt Pollen an Pflanzen vieler Familien und gilt als polylektisch. Im Vergleich mit anderen Hummeln flog sie in Norfolk bevorzugt blühende Gehölze an, vor allem Weißdorn und Schlehe, während sie Raps, Gundermann und Weiße Taubnessel seltener besuchte als die anderen Arten. Weil sie früh im Jahr fliegt und dabei auch blühende Bäume und Sträucher in größerer Höhe besucht, ist sie im Frühjahr an Obstgehölzen zu finden.

Gegenspieler

Der Sozialparasit der Baumhummel ist die Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus). Ihr Weibchen dringt in Baumhummelnester ein und lässt die eigene Brut von den Arbeiterinnen aufziehen. Häufig werden die Nester außerdem von der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella) befallen.

Gefährdung

In Deutschland gilt die Baumhummel als ungefährdet, ihr Bestand ist nach der Roten Liste von 2011 lang- und kurzfristig stabil. Die Europäische Rote Liste der Bienen von 2014 stuft sie ebenso als ungefährdet ein.

Der europäische Hummelatlas von Pierre Rasmont und Kollegen (2015) hat durchgespielt, wie sich das klimatisch geeignete Gebiet der Art bis 2050 und 2100 bei gemäßigter, mittlerer und starker Erwärmung verändert. Für die Baumhummel sagen alle Szenarien deutliche Verluste in den Tieflagen voraus, bis 2100 je nach Szenario 54 bis 72 Prozent. Im ungünstigen Fall verschwände sie südlich des 55. Breitengrads fast überall aus dem Flachland, also auch in Deutschland. Weil sie sich gerade stark ausbreitet und eng an Siedlungen gebunden ist, halten die Autoren sie trotzdem nicht für gefährdet.

Nach der Bundesartenschutzverordnung ist sie besonders geschützt: Nester dürfen nicht beschädigt oder zerstört, einzelne Tiere nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Für ein Nest im Rollladenkasten oder unter dem Dach heißt das, abzuwarten, bis das Volk im Sommer von selbst erlischt.

Quellen

  • Martin, H.-J. & Neumayer, J.: Hummel-Arten, Bombus hypnorum. wildbienen.de/b-hypnor.htm
  • NABU Landesverband Berlin: Die Baumhummel. berlin.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten/arten/hautfluegler/hummeln/28265.html
  • Westrich, P.: Die Steinhummel, Das Insekt des Jahres 2005, Unterseiten Lebenszyklus und Verteidigung. wildbienen.info/insekt2005/
  • Westrich, P., Frommer, U., Mandery, K., Riemann, H., Ruhnke, H., Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), S. 373 bis 416. PDF: wildbienen.info/downloads/rote_liste_bienen_fassung_5.pdf
  • Ogan, S., Grabener, S., Sommerlandt, F. & Dieker, P. (2023): Feld-Bestimmungshilfe für Hummeln in Deutschland, Version 2023.2. Thünen-Institut für Biodiversität. wildbienen.thuenen.de
  • Crowther, L. P., Hein, P.-L. & Bourke, A. F. G. (2014): Habitat and Forage Associations of a Naturally Colonising Insect Pollinator, the Tree Bumblebee Bombus hypnorum. PLoS ONE 9 (9), e107568. doi.org/10.1371/journal.pone.0107568
  • Crowther, L. P., Wright, D. J., Richardson, D. S., Carvell, C. & Bourke, A. F. G. (2019): Spatial ecology of a range-expanding bumble bee pollinator. Ecology and Evolution 9 (3), S. 986 bis 997. doi.org/10.1002/ece3.4722
  • Kratochwil, A. (2016): Review of the Icelandic bee fauna (Hymenoptera: Apoidea: Anthophila). Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde A 9 (1), S. 217 bis 227. doi.org/10.18476/sbna.v9.a14
  • All-Ireland Pollinator Plan: Track expansion in two bumblebees. pollinators.ie/record-pollinators/track-expansion-in-two-bumblebees/
  • Williams, P. H., Dorji, P., Ren, Z., Xie, Z. & Orr, M. (2022): Bumblebees of the hypnorum-complex world-wide including two new near-cryptic species (Hymenoptera: Apidae). European Journal of Taxonomy 847, S. 46 bis 72, doi.org/10.5852/ejt.2022.847.1981
  • Rana, K., Rana, A., Singh, S. J., Bhatia, S. & Sharma, H. K. (2025, online 2024): Diversity of bumble bees, their molecular analysis and first report of Bombus hypnorum L. (Hymenoptera: Apidae) from Himachal Pradesh. Vegetos 38(2), S. 698 bis 706, doi.org/10.1007/s42535-024-00813-7
  • Naturadb: Bombus hypnorum, www.naturadb.de/tiere/bombus-hypnorum/
  • Offene Naturführer: Baumhummel, Bombus hypnorum (Linnaeus 1758), offene-naturfuehrer.de
  • Rasmont, P., Franzen, M., Lecocq, T., Harpke, A., Roberts, S., Biesmeijer, K., Castro, L., Cederberg, B., Dvorak, L., Fitzpatrick, U., Gonseth, Y., Haubruge, E., Mahe, G., Manino, A., Michez, D., Neumayer, J., Odegaard, F., Paukkunen, J., Pawlikowski, T., Potts, S., Reemer, M., Settele, J., Straka, J. & Schweiger, O. (2015): Climatic Risk and Distribution Atlas of European Bumblebees. BioRisk 10, S. 1 bis 236. doi.org/10.3897/biorisk.10.4749
  • Nieto, A., Roberts, S. P. M., Kemp, J., Rasmont, P., Kuhlmann, M., García Criado, M., Biesmeijer, J. C., Bogusch, P., Dathe, H. H., De la Rúa, P., De Meulemeester, T., Dehon, M., Dewulf, A., Ortiz-Sánchez, F. J., Lhomme, P., Pauly, A., Potts, S. G., Praz, C., Quaranta, M., Radchenko, V. G., Scheuchl, E., Smit, J., Straka, J., Terzo, M., Tomozii, B., Window, J. & Michez, D. (2014): European Red List of bees. Publication Office of the European Union, Luxemburg. doi.org/10.2779/51181
  • Fotos von hummelfoto.de: Hartwig (www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Hartwig-gf3a2111.jpg, an Berg-Flockenblume, Reinfeld, 25. Mai 2014), Nahid (www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Nahid-img-8612.jpg, Königin am 4. Oktober 2014, und www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Nahid-img-1354-kopie.jpg), Daisagi (www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Daisagi-baumhummel1.jpg, am Rhododendron, 28. Mai 2016) und Petra (www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Petra-img-7233.jpg, Eingang zu einem Baumhummelnest, Langenhagen, 30. Mai 2015)

Bewerte diesen Beitrag

(17 Bewertungen gesamt. Ø 4,82 / 5)
Ansicht von 15 Beiträgen – 1 bis 15 (von insgesamt 53)
  • Autor
    Beiträge
  • #30720
    Renate Zimmermann

      Wir haben ein Baumhummelnest.Die Info war sehr hilfreich :lol:

      #30721
      Stefan
      Admin
      Beitragsersteller

        Na dann viel Glück mit den Damen und alles Gute!

        Grüße Stefan

        #30722
        Karin Müller

          Ich wollte gestern einer Hummel mit Zuckerwasser helfen, sie drohte mir mit den Vorderbeinen und spritzte eine Flüssigkeit aus ihrem Hinterteil in meine Richtung, anschließend flog sie davon. Meine Nachbarn erzählten mir dann, dass Baumhummeln in einer Dachlücke an der Terrasse ihr Nest hatten. An einem heißen Tag flog unvermittelt eine Hummel meine Nachbarin an und stach in die Stirn. Nach dem Foto von der gestrigen Hummel, scheint es wohl eine Baumhummel gewesen zu sein. Viele Grüße, Karin Müller

          #30723
          Stefan
          Admin
          Beitragsersteller

            Hallo Karin!

            Hummeln drohen mit den mittleren Beinen oder sie legen sich auf den Rücken um ihren Stachel zu präsentieren.

            Sie war anscheinend gut genährt, denn diese Flüssigkeit kann nur eine Hinterlassenschaft gewesen sein. Das erklärt auch, warum sie kein Zuckerwasser wollte. ;-)

            Baumhummeln sind die angriffslustigsten aller Hummelarten. Aber auch nur, wenn es sehr heiß ist, sie dadurch Stress haben und sich zusätzlich bedroht fühlen. Da war die Nachbarin wohl zur falschen Zeit am falschen Ort und hatte schlicht Pech.

            Grüße Stefan

            #30724
            Marion C.-K.

              In der Holzverkleidung neben meinem Eingang wohnen agressive Bauhummeln. Die wollen ihren Bau beschützen und greifen dafür mich und meine Kinder an. Ziemlich blöd. Zudem fliegen sie wirklich Patrouille und verfolgen bis zu 8 Metern. Und das zu Zweit. Bei hektischen Bewegungen stechen sie auch. Dies führt zu einem Interessenskonflikt, weil ihre “Tür” ist eben auch MEINE Tür. Was mach ich denn nun? Ich kann ja schlecht die Holzverkleidung abreißen, umziehen fällt auch flach.

              #30725
              Stefan
              Admin
              Beitragsersteller

                Tschuldigung für die späte Antwort!
                Leite die Hummeln um. Also Decke/Tuch und eine Einflugschneise bauen. Ist wie bei kleinen Kindern: Wenn sie Dich nicht sehen bist Du auch nicht da.

                Grüße Stefan

                #30726
                Corinne

                  Ich rette gerade eine Hummel, die ich gestern auf dem Feldweg gefunden habe. Ist recht klein, evtl. eine Baumhummel, aber vermutlich keine Königin. Habe sie auf einen Teller mit ein bisschen Sirupwasser gelegt und auf die Terrasse gestellt. Dort hat sie auch fleißig getrunken und wurde sichtlich aktiver. Nur losgeflogen ist sie auch nach Stunden nicht. Heute früh lag sie auf dem Rücken, lebte aber noch. Habe dann nochmal Zuckerwasser nachgefüllt und habe sie aufgerichtet und hingeführt. Heute Abend komme ich nach Hause und sehe, sie liegt wieder auf dem Rücken, lebt aber tatsächlich immer noch. Habe sie dann mit ins Haus genommen, weil ich dachte, vielleicht ist es ja mit nur knapp 10 Grad einfach zu kalt für sie zu Fliegen. Drinnen ist sie dann auch merklich aktiver geworden, ist auf nem Papiertuch rumgelaufen und hat mit den Flügeln gesurrt. Aber zum Fliegen hat’s noch nicht gereicht. Hab sie mit dem Tuch dann in eine Schüssel gesetzt, damit sie nicht sonstwo hinläuft. Dort hat sie dann gepinkelt und gepumpt und gesurrt. Da ich dachte, gleich geht’s dann wohl ab in die Luft und ich sie natürlich nicht im Wohnzimmer fliegen lassen wollte, hab ich sie wieder rausgebracht. Nach ein paar Minuten war sie aber wieder völlig reglos, also ist sie jetzt wieder drin. Aktuell pumpt sie nicht mehr, aber bewegt glaub ich ihre Kauwerkzeuge, falls eine Hummel sowas überhaupt hat. Sieht aus, als putzt sie sich. Für mich ein gutes Zeichen, allerdings kann ich sie ja nicht drin lassen. Und wenn ich es richtig gelesen habe, können sich kleine Hummeln nicht ausreichend aufheizen, um zu fliegen.

                  Was soll ich jetzt machen?

                  #30735
                  Sonja
                  Forenmitglied
                    • DE 22159
                    • 29 m

                    Du machst das schon ganz richtig.

                    Solange sie noch nicht fliegen kann ist sie drinnen ganz gut aufgehoben – in einem Karton mit Deckel z.B., dazu ein bisschen Zuckerlösung. Wenn Du denkst sie könnte fliegen, bring sie nach draußen – wenn’s nicht klappt: wieder rein. Irgendwann wird das schon – kann auch ein paar Tage dauern. Zuckerlösung immer mal erneuern und abwarten.

                    Hatte dieses Jahr auch schon eine Wiesenhummelkönigin ein paar Tage zu Gast. Als sie dann fliegen konnte, ist sie nicht sofort weggeflogen, sondern hat mich zum Abschied  :hummel:   ein paarmal umkreist.

                    #30826
                    Corinne

                      Vielen Dank für deine Antwort! Na dann hab ich ja noch Hoffnung. Habe ihr heut früh noch schnell “Frühstück” gemacht. Es gab leckere Zuckerlösung auf einem kleinen Deckelchen. Ob sie davon getrunken hat, kann ich schlecht sagen, es ist aber sicher einiges verdunstet. Habe daher nochmal etwas Wasser nachgefüllt. Sie wirkt aktuell allerdings sehr lethargisch. Könnte aber auch an der Uhrzeit liegen. Habe gehört, Hummeln gehen ziemlich pünktlich um 8 schlafen bzw. fliegen dann nicht mehr rum. Werde es als mal ein bisschen dunkel für sie machen. Hab dafür weiches Papier zerknüllt, sodass sie sich verstecken kann. Dann hab ich ein Kuchennetz über die Schüssel gespannt und darauf noch ein dünnes Tuch gelegt.

                      Ich hoffe, es wird bald wärmer und sie umkreist mich beim Abflug zum Abschied, genau wie deine. Sehr goldig. :hummel:

                      #30856
                      Corinne

                        Nachtrag zu gestern. Tiffy hat es leider nicht geschafft. Sie ist heut Nacht von uns gegangen… :cry:

                        Ich vermute, es stimmte aber grundsätzlich was nicht mehr mit ihr (oder ihm?), denn der Rüssel hing permanent raus und sah irgendwie “zerfleddert” aus. Kann mir nicht vorstellen, dass das normal war.

                        #30869
                        Sonja
                        Forenmitglied
                          • DE 22159
                          • 29 m

                          Ach wie schade… :(   da kann man nichts machen…

                          #32271
                          Bernhard Wand

                            6 von meinen 7 Hummelkästen sind in diesem Jahr besetzt, 2 davon mit einer Baumhummel (einer der Baumhummelkästen war zunächst von einer anderen Hummelart besetzt, die dann möglicherweise verdrängt wurde).
                            Mein Hummelfreund rät mir nun dringend dazu, die Baumhummelkästen weit weg zu  bringen. Ich müsse sonst im nächsten Jahr damit rechnen, dass dann alle meine Kästen von Baumhummeln besetzt werden würden. Die Baumhummel als oberirdisch nistende Art würde sich gegen alle anderen Arten durchsetzen.
                            Stimmt seine Einschätzung?
                            Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?

                            #32274
                            Stefan
                            Admin
                            Beitragsersteller

                              Hallo Bernhard!

                              Ja, das wurde mir auch mal so gesagt. Ich hatte schon mal 7 Baumhummelvölker von 21 Kästen. Und beispielsweise dieses Jahr kein einziges (hatte eine einzige Königin die aber verschollen ist).

                              Übrigens kann immer noch eine Kuckuckshummel Deine Baumhummel verdrängen oder eine späte Steinhummelkönigin. Und dann ist ja noch gar nicht gesagt, dass Deine Baumhummeln auch alle Geschlechtstiere hervorbringen.

                              Lass Dich nicht verrückt machen. Das ist jedes Jahr anders. Genieße die Baumhummeln, bei denen ist am meisten Action den ganzen Tag. Die sind besonders schön und gut zu beobachten. Nur die 2 Tage im Jahr mit 35 Grad und mehr in der Endphase des Nestes solltest Du gut aufpassen, da sind die Damen gestresst und deshalb schlecht gelaunt!

                              #32275
                              Detter
                              Forenmitglied

                                Sind Baumhummeln keine schützenswerten Hummeln? :(

                                #32300
                                Stefan
                                Admin
                                Beitragsersteller

                                  Hallo Detter!

                                  Baumhummeln kommen noch relativ häufig vor. Viele Hummelfreunde haben lieber gezielt seltenere Arten im Hummelkasten.

                                  Jürgen Börner hatte mal das Problem, dass an seinem Hummelstand komplett die Baumhummeln dominierten. Da Baumhummeln auch gute Rückkehrer sein sollen, haben viele Hummelstand-Besitzer etwas Sorge, dass sie bald nur noch Baumhummeln haben.

                                   

                                Ansicht von 15 Beiträgen – 1 bis 15 (von insgesamt 53)
                                • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.