Bombus kluanensis

Im Jahr 1913 sammelten zwei Männer am Klutlan-Gletscher im kanadischen Yukon zwei Hummelköniginnen ein. Die Tiere kamen in eine Sammlung, wurden bestimmt, eingeordnet und lagen dort ein Jahrhundert lang. Erst 2015 stellte sich anhand ihrer DNA heraus, dass sie zu einer Art gehören, die zu diesem Zeitpunkt noch keinen Namen hatte.

Bombus kluanensis wurde 2016 beschrieben und ist damit eine der jüngsten bekannten Hummelarten. Sie gehört zur Untergattung Alpinobombus, deren Angehörige allesamt im hohen Norden oder in großer Höhe leben.

Warum sie so lange unentdeckt blieb

Bombus kluanensisDie Art sieht ihrer nächsten Verwandten, Bombus neoboreus, zum Verwechseln ähnlich. Der einzige verlässliche körperliche Unterschied liegt in der Wange, dem Abschnitt zwischen dem unteren Augenrand und dem Gelenk des Oberkiefers. Bei Bombus kluanensis ist er durchgehend länger.

Auf diesen Unterschied stieß die Entomologin Jessica Rykken, als sie 2012 im Nationalpark Denali gesammelte Tiere unter dem Mikroskop durchsah. Drei Exemplare passten weder in der Wangenlänge noch in der Färbung zur Beschreibung von Bombus neoboreus. Kanadische Kollegen prüften die Vermutung genetisch nach und bestätigten sie.

Aussehen

Königinnen, Arbeiterinnen und Männchen sind ähnlich gefärbt: überwiegend gelb, mit einem schwarzen Band über dem Brustabschnitt in Höhe der Flügelansätze. Der Hinterleib beginnt gelb und endet schwarz, das Ende trägt gelegentlich einen orangefarbenen Anflug. Gegenüber verwandten Arten fällt der Gelbanteil auf der Thoraxoberseite größer aus, durchsetzt mit schwarzen Haaren, und die gelbe Binde am Thoraxgrund ist breit.

Ein Areal entlang einer Bruchlinie

Alle bekannten Fundorte liegen im subarktischen Gebirge entlang der Denali-Verwerfung, einer geologischen Störungszone, die von der Alaskakette bis in die Saint-Elias-Berge im Yukon verläuft. Insgesamt sind 247 weibliche Belegtiere dokumentiert.

Deren Herkunft ist bemerkenswert einseitig. Der weitaus größte Teil geht auf einen einzigen Sammler zurück: Lazarus Macior trug 1971 und 1972 bei Kluane 18 Königinnen und 222 Arbeiterinnen zusammen. Damals galten sie als Bombus neoboreus. Ohne diese beiden Feldsaisons wäre der Bestand an Belegmaterial für die Art praktisch leer.

info hummelVon den 247 bekannten Belegtieren tragen nur sechs eine Höhenangabe. Diese sechs reichen von 600 bis 2000 Metern, der Mittelwert liegt bei 1098 Metern. Auf dieser Grundlage beruht alles, was sich derzeit über die Höhenverbreitung der Art sagen lässt.

Wie häufig sie ist

Der Bestimmungsführer für die Bienen Alaskas führt Bombus kluanensis als selten und merkt an, dass sie im Bundesstaat bislang ausschließlich aus dem Nationalpark Denali bekannt ist. Die Körperlänge gibt er mit 12 bis 18 Millimetern an, die Wange als lang.

Ob die Art auch zwischen Denali und Kluane vorkommt, ist offen. Jessica Rykken hält es für wahrscheinlich, dass sie im dazwischenliegenden Nationalpark Wrangell-St. Elias ebenfalls fliegt. Nachgewiesen ist das nicht.

Was nicht bekannt ist

Die bevorzugten Trachtpflanzen sind nicht dokumentiert. Es gibt keine Nestbeschreibung, keine Angabe zur Volksstärke und keine zum zeitlichen Ablauf einer Kolonie. Eine Gefährdungseinstufung liegt nicht vor, weil die Datengrundlage für eine Bewertung nicht ausreicht.

Dazu kommt eine offene taxonomische Frage. Die genetischen Daten deuten darauf hin, dass sich innerhalb von Bombus kluanensis noch eine zweite eigenständige Gruppe verbergen könnte. In der Revision der Untergattung von 2019 wird die Art deshalb ausdrücklich im weiteren Sinn geführt. Ob daraus eine weitere Art wird, muss sich an zusätzlichem Material entscheiden.

Warum so wenig bekannt ist, hat einen naheliegenden Grund: Das Verbreitungsgebiet liegt in weglosem subarktischem Gebirge, das nur wenige Wochen im Jahr befahrbar ist. Es gibt dort keine wiederholten Zählungen an festen Strecken, wie sie in Großbritannien seit den 2000er Jahren laufen. Die Art wurde bislang gesammelt, nicht beobachtet.

Quellen

  • Williams, P. H. und Cannings, S. G.: Cryptic subarctic diversity: a new bumblebee species from the Yukon and Alaska (Hymenoptera, Apidae). Journal of Natural History 50, 2016 (Erstbeschreibung, Abgrenzung über die Wangenlänge, Belege von 1913 und aus den Jahren 1971 und 1972, Höhenangaben)
  • Williams, P. H. et al.: The arctic and alpine bumblebees of the subgenus Alpinobombus revised from integrative assessment of species gene coalescents and morphology. Zootaxa 4625, 2019 (247 weibliche Belegtiere, Verbreitung entlang der Denali-Verwerfung, Führung der Art im weiteren Sinn)
  • Rykken, J. und Sikes, D.: Bees of Alaska. A Field Guide. National Park Service, Alaska Region (Körperlänge, Wangenlänge, Statuseinstufung als selten, Vorkommen in Alaska nur aus Denali)
  • National Park Service: New Denali Bee. nps.gov/articles/new-denali-bee.htm (Fundumstände 2012, Vermutung zum Vorkommen in Wrangell-St. Elias)
  • Bumblebee Conservation Trust: Bumblebees of the World, Beitrag zu Bombus kluanensis (Färbung, fehlende Angaben zu Trachtpflanzen und Gefährdung, Hinweis auf eine mögliche zweite genetische Gruppe)
  • Foto: Finn McGhee (fmcghee), Beobachtung vom 08.08.2023, Stikine Region, BC, Canada. inaturalist.org/observations/193078662, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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