Bombus fedtschenkoi
Für Bombus fedtschenkoi hat allein Alexander Skorikow 1914 sechs Namen vergeben: cinguliferus, ciliogereus, oshaninellus, aterrimus, ambiguus und subconcolor. Alle beziehen sich auf Tiere aus Kirgisistan, alle gelten heute als dieselbe Art, und die Typen zu keinem dieser sechs Namen konnten bei der Revision der Untergattung 2011 eingesehen werden.
Beschrieben wurde die Art 1875 von Ferdinand Morawitz, in einem Bericht über die Reise von Alexei Fedtschenko nach Turkestan. Als Fundort steht Samarkand, tatsächlich liegt er aber wahrscheinlich in Kirgisistan.
Warum so viele Namen entstanden
Skorikow arbeitete zu einer Zeit, in der Farbabweichungen routinemäßig eigene Namen bekamen. Bei dieser Art schwankt vor allem, ob die Hinterleibsringe drei und vier schwarz oder gelb sind und ob zwischen den Flügelbasen ein schwarzer Fleck oder ein Band liegt.
Ob hinter dieser Schwankung ein geografisches Muster steckt, lässt sich nicht sagen. Die Bearbeiter formulieren das ausdrücklich: Die verfügbaren Stichproben sind dafür zu klein.
Wie viel Material vorliegt
Für die Revision von 2011 wurden 24 Königinnen, vier Arbeiterinnen und sieben Männchen untersucht, verteilt auf sieben Sammlungen. Von genau einem Tier liegt ein DNA-Barcode vor.
Das Verhältnis fällt auf: 24 Königinnen gegenüber nur vier Arbeiterinnen. Bei den meisten Hummelarten überwiegen die Arbeiterinnen in den Sammlungen deutlich. Eine Erklärung dafür geben die Bearbeiter nicht.
Wo sie lebt
Belegt ist sie aus Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan, in Höhen zwischen 2400 und 4274 Metern. Für Kasachstan gibt es allerdings eine Einschränkung: Von dort liegt eine einzige Arbeiterin vor, mit dem alten Ortsnamen Wernyj, dem heutigen Almaty. Die Bearbeiter schreiben, dass das Vorkommen in Kasachstan bestätigt werden müsste.
Diese Höhenlage passt zum Farbmuster. Innerhalb der Untergattung Subterraneobombus fallen die Arten in zwei Gruppen: Die Arten mit schwarzem Hinterleibsende, zu denen Bombus fedtschenkoi gehört, leben in Hochgebirgsrasen bis 5200 Meter. Die ausgedehnt gelb gezeichneten Arten leben in tieferem Grasland und in der Steppe.
Eine Untergattung ohne rotes Hinterleibsende
Subterraneobombus ist die einzige der weltweit rund fünfzehn Untergattungen der Hummeln, in der kein einziges Tier ein rotes Hinterleibsende hat. Für die ausgedehnt gelbe Färbung der Tieflandarten gibt es eine Deutung: Im Sommer, wenn das hohe Gras trocknet und vergilbt, könnte sie als Tarnung gegen Fressfeinde wirken.
Bombus fedtschenkoi selbst ist überwiegend blassgelb behaart, mit schwarzem Haar am Kopf, besonders am Rand des Kopfschilds und entlang des inneren Augenrands. Die ersten drei Hinterleibsringe sind überwiegend blassgelb, oft mit breit eingemischtem schwarzem Haar.
Was fehlt
Kein Nest ist beschrieben, es gibt keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Jahresablauf, keine beobachtete Paarung und keine Liste besuchter Blüten. Ein Bestandstrend ist nicht bestimmbar.
Für die Hochgebirge Zentralasiens gilt, was die Bearbeiter für die ganze Untergattung festhalten: Die Gebirge und Steppen Zentralasiens und des tibetischen Hochlands waren lange schwer zugänglich. Was fehlt, ist deshalb nicht unbedingt die Art, sondern die Erhebung.
Quellen
- Williams P.H., An J. & Huang J. 2011. The bumblebees of the subgenus Subterraneobombus: integrating evidence from morphology and DNA barcodes (Hymenoptera, Apidae, Bombus). Zoological Journal of the Linnean Society 163: 813 bis 862
- Williams P.H. 1998. An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum, London (Entomology) 67: 79 bis 152
- Williams P.H. et al. 2026. Evolutionary tree for all bumblebee species world-wide estimated by combining information from fast-evolving genes, slow-evolving genes, and genomic data (Apidae, Bombus). Insects 17: 540


