Böhmische Kuckuckshummel (Bombus bohemicus)
Die Böhmische Kuckuckshummel (Bombus bohemicus) ist nach dem europäischen Hummelatlas die häufigste Kuckuckshummel Europas. Wie alle Kuckuckshummeln baut sie kein eigenes Nest, sammelt keinen Pollen und hat keine Arbeiterinnen. Ihr Weibchen dringt im Frühjahr in ein Erdhummelvolk ein, tötet die Königin und lässt die eigene Brut von den Arbeiterinnen der Wirtsart aufziehen. Seidl beschrieb die Art 1837, früher hieß sie Psithyrus bohemicus. Martin und Neumayer nennen sie auf wildbienen.de Angebundene Kuckuckshummel.
Aussehen
Das Weibchen trägt vorn an der Brust eine gelbe Querbinde, die nur bis 1,5 bis 2 Millimeter unter den Flügelansatz reicht und schütter behaart ist. Die helle Binde am zweiten Tergit, die ihre Wirtin, die Helle Erdhummel, hat, fehlt. Das Hinterleibsende ist weiß, die Flügel sind auffallend dunkel. Der Atlas beschreibt die Färbung als recht beständig. Wie allen Kuckuckshummeln fehlt den Weibchen das Pollenkörbchen. Weibchen werden 23 bis 25 Millimeter lang bei 36 bis 44 Millimetern Flügelspannweite, Männchen 15 bis 18 Millimeter bei 28 bis 34 Millimetern. Bei den Männchen fehlt die weiße Behaarung des sechsten Tergits in der Mitte fast ganz und reicht an den Seiten weit nach vorn.
Sehr ähnlich ist die Keusche Kuckuckshummel (Bombus vestalis), die bei der Dunklen Erdhummel schmarotzt. Die Thünen-Bestimmungshilfe fasst beide zu einem Komplex zusammen. Die orangegelbe Färbung ist bei der Keuschen Kuckuckshummel eher etwas dunkler.
Wirte
Hauptwirt ist die Helle Erdhummel (Bombus lucorum). Der Hummelatlas nennt außerdem wahrscheinlich die Große Erdhummel, die Kryptarum-Erdhummel und die Dunkle Erdhummel, die Thünen-Bestimmungshilfe spricht vom Erdhummel-Aggregat. Damit ist die Böhmische Kuckuckshummel weniger festgelegt als die meisten ihrer Verwandten.
Wie sie ihre Wirte findet, haben Bunk, Sramková und Ayasse 2010 untersucht. Sie analysierten 45 Kohlenwasserstoffe aus den Nestern möglicher Wirtsarten und boten die Duftmischungen den Weibchen in einem Y-förmigen Röhrensystem zur Wahl an. Weibchen der Böhmischen Kuckuckshummel ließen sich von den Nestdüften der Dunklen, der Hellen und der Kryptarum-Erdhummel ähnlich stark anlocken, während die Felsen-Kuckuckshummel klar den Duft ihrer Wirtin, der Steinhummel, bevorzugte. Kreuter und Kollegen zeigten im selben Jahr, dass die wählerische Keusche Kuckuckshummel und die weniger wählerische Böhmische Kuckuckshummel unterschiedliche Duftsignale nutzen, um ein Nest der Dunklen Erdhummel zu finden.
Im Wirtsnest
Hat das Weibchen ein Nest übernommen und die Königin getötet, muss es verhindern, dass die Arbeiterinnen selbst Eier legen. Kreuter und Kollegen haben 2012 gezeigt, wie das gelingt. Frisch geschlüpfte Arbeiterinnen der Dunklen Erdhummel entwickelten ihre Eierstöcke nicht, solange sie unter dem direkten Einfluss der Kuckuckshummel standen. Chemische Analysen ergaben, dass die Weibchen ihr Duftprofil dem der Wirtskönigin anpassen und so das Fruchtbarkeitssignal im Nest aufrechterhalten, obwohl die Königin fehlt. Die Arbeiterinnen ändern ihrerseits nach der Übernahme ihr Duftprofil. Die Autoren sprechen von einem chemischen Wettrüsten zwischen Wirt und Parasit.
Jahreslauf und Blütenbesuch
Die überwinterten Weibchen fliegen von Mitte April bis Anfang Juni, manche bis Anfang August. Junge Weibchen und Männchen erscheinen von Anfang Juli bis Mitte August. Im Frühjahr besuchen die Weibchen nach wildbienen.de meist Löwenzahn, so wie auf den drei Fotos oben vom 8. April 2019. Die Männchen findet man vor allem an Ackerbohnen, Flockenblumen, Skabiosen, Disteln und anderen Korbblütlern.

Verbreitung und Bestand
Nach dem europäischen Hummelatlas reicht das Areal von Irland bis an die Pazifikküste. Südlich des 45. Breitengrads lebt die Böhmische Kuckuckshummel nur im Gebirge, die südlichsten Funde stammen aus den süditalienischen Bergen. Im Tiefland kommt sie von dort nordwärts bis zum 70. Breitengrad vor. In Deutschland ist sie überall verbreitet und gilt nach der Roten Liste von 2011 als häufig und ungefährdet, mit stabilem Bestand. Auch europaweit ist sie ungefährdet.
Der Hummelatlas von Pierre Rasmont und Kollegen (2015) rechnet bis 2100 mit dem Verlust von 45 bis 79 Prozent des Gebiets mit passendem Klima. Im stärksten Szenario verschwände es im Tiefland südlich des 60. Breitengrads ganz, dafür käme Gebiet bis an die Barentssee hinzu. Weil sie auf wenige Wirtsarten spezialisiert ist und sich offenbar schlecht ausbreitet, dürfte sie nach Einschätzung der Autoren deutlich unter der Erwärmung leiden.
Quellen
- Martin, H.-J. & Neumayer, J.: Kuckuckshummel-Arten, Bombus bohemicus. wildbienen.de/b-bohemi.htm
- Bunk, E., Sramková, A. & Ayasse, M. (2010): The role of trail pheromones in host nest recognition of the social parasitic bumblebees Bombus bohemicus and Bombus rupestris (Hymenoptera: Apidae). Chemoecology 20, S. 189 bis 198. doi.org/10.1007/s00049-010-0044-4
- Kreuter, K., Twele, R., Francke, W. & Ayasse, M. (2010): Specialist Bombus vestalis and generalist Bombus bohemicus use different odour cues to find their host Bombus terrestris. Animal Behaviour 80, S. 297 bis 302. doi.org/10.1016/j.anbehav.2010.05.010
- Kreuter, K., Bunk, E., Lückemeyer, A., Twele, R., Francke, W. & Ayasse, M. (2012): How the social parasitic bumblebee Bombus bohemicus sneaks into power of reproduction. Behavioral Ecology and Sociobiology 66, S. 475 bis 486. doi.org/10.1007/s00265-011-1294-z
- Ogan, S., Grabener, S., Sommerlandt, F. & Dieker, P. (2023): Feld-Bestimmungshilfe für Hummeln in Deutschland, Version 2023.2. Thünen-Institut für Biodiversität. wildbienen.thuenen.de
- Westrich, P., Frommer, U., Mandery, K., Riemann, H., Ruhnke, H., Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), S. 373 bis 416. PDF: wildbienen.info/downloads/rote_liste_bienen_fassung_5.pdf
- Rasmont, P., Franzen, M., Lecocq, T., Harpke, A., Roberts, S., Biesmeijer, K., Castro, L., Cederberg, B., Dvorak, L., Fitzpatrick, U., Gonseth, Y., Haubruge, E., Mahe, G., Manino, A., Michez, D., Neumayer, J., Odegaard, F., Paukkunen, J., Pawlikowski, T., Potts, S., Reemer, M., Settele, J., Straka, J. & Schweiger, O. (2015): Climatic Risk and Distribution Atlas of European Bumblebees. BioRisk 10, S. 1 bis 236, Bombus bohemicus S. 40. doi.org/10.3897/biorisk.10.4749
- Nieto, A., Roberts, S. P. M., Kemp, J., Rasmont, P., Kuhlmann, M., García Criado, M., Biesmeijer, J. C., Bogusch, P., Dathe, H. H., De la Rúa, P., De Meulemeester, T., Dehon, M., Dewulf, A., Ortiz-Sánchez, F. J., Lhomme, P., Pauly, A., Potts, S. G., Praz, C., Quaranta, M., Radchenko, V. G., Scheuchl, E., Smit, J., Straka, J., Terzo, M., Tomozii, B., Window, J. & Michez, D. (2014): European Red List of bees. Publication Office of the European Union, Luxemburg. doi.org/10.2779/51181
- Bild: Ivar Leidus – Own work, CC BY-SA 4.0, Link
- Bild: Ivar Leidus – Own work, CC BY-SA 4.0, Link
- Bild: Pollenhöschen.de
- Fotos: perca fluviatilis, Mitglied im Hummelforum auf pollenhoeschen.de, Thema “Boehmische Kuckuckshummel” (10.04.2019), pollenhoeschen.de/Hummelforum/Thema/boehmische-kuckuckshummel/. Die Bilder zeigen: Weibchen der Böhmischen Kuckuckshummel auf einer gelben Löwenzahnblüte im April; Böhmische Kuckuckshummel von hinten auf Löwenzahn, mit weißem Hinterleibsende; Böhmische Kuckuckshummel mit gelbem Kragen beim Nektartrinken auf Löwenzahn zwischen Moos
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- Dieses Thema hat 3 Antworten sowie 3 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 7 Jahren, 1 Monat von
Katrin aktualisiert.
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