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Werner David: Frühjahrsfreuden mit den geflügelten Sumoringern

Frühling!

Die Sonne zeigt sich verschämt, als wäre sie ein steckbrieflich gesuchter Massenmörder, immer-hin läßt sie sich endlich blicken. Ihre schüchternen ersten Strahlen tun unendlich gut. Nur noch im tiefsten Schatten liegen einige unbelehrbare Schneefitzelchen, die sich beharrlich weigern das Zeitliche zu segnen. Nützt ihnen aber nichts! Für heuer ist endgül-tig Schluß!

Ich stehe unternehmungslustig vor unserem Staudenbeet, das einem Vertreter der GTB-Fraktion (Gartenzwerge-Thuja-Blautannen) Tränen des Mitleids in die Augen treiben würde.

Meterhohe abgestorbene Karden verbreiten ihren stachligen Charme. Die breitblättrige Platterbse (bitte nur nüchtern aussprechen), ein bewährter He-ckengipfelstürmer im Sommer, liegt in schlaffen Spiralen am Boden oder hängt ausgepumpt in den dürren Ästen des Johanniskrauts. Welke Stengel, dürres Gras und Laub bedecken den Boden. Kein preisverdächtiges Panorama, aber ein beliebter Ü-berwinterungsort für Insekten und Spinnen. Jetzt, wo sich das Leben langsam wieder regt, wird es Zeit für den Frühjahrsputz.

Ein Wolfspinnenweibchen nimmt ein Sonnenbad auf dem aufgeheizten Streu. Sie ist noch weit entfernt von ihrer optimalen Betriebstemperatur und bewegt sich erst in Zeitlupe. Die Koor-dination von acht klammen Bei-nen ist eine beachtliche Leistung, viele Tanzkursfrischlinge strekken schon bei zwei die Waffen. Drei Zentimeter Luftlinie ent-fernt putzt sich eine kleine Fliege hingebungsvoll. Sicher ein Weibchen! 10° C mehr und sie würde sich vorwarnungslos in den ewigen Jagdgründen wiederfinden.

Wolfsspinnen bauen keine Netze sondern jagen ihre Beute im Sprung. Der Biß erfolgt so blitzartig, daß man ihn nie richtig mitbekommt. Verglichen mit einer hungrigen Spinne reagiert der Mensch wie ein tiefgefrorenes Faultier.

Im Sommer sieht man häufig Weibchen, die ihren Kokon an den Spinnwarzen mit sich he-rumtragen, das Spinnenäquiva-lent zum Kinderwagen. Kurz vor dem Schlüpfen reißen sie das Kokongespinst mit den Kiefer-klauen auf, ohne diesen „Kaiser-schnitt“ wären die Jungspinnen nicht in der Lage den Kokon zu verlassen. Sofort nach dem Schlüpfen versammeln sich bis zu 100 Wolfsspinnenwinzlige in einem mehrlagigen „Gewusel“ auf dem Hinterleib der Mutter. Während der nächsten acht Tage huckepack leben sie ausschließ-lich von ihrem Dottervorrat, da-nach zerstreuen sie sich in alle Winde. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist es für eine Jung-spinne taktisch sehr unklug, ihrer Mutter vor die Kieferklauen zu kommen.

Der nächsten Akteur, der dröh-nend die Bühne betritt hat vor einer Wolfsspinne nicht zu für-chen.

Eine kapitale Hummelkönigin brummelt im sonoren Baß um die Blüten der purpurroten Taubnessel, eine der wenigen Nektar-Bars die bereits geöffnet hat.

Bereits bei einer Außentempera-tur von schauerlichen 2° C schaf-fen es Hummeln, im Gegensatz zu anderen Insekten, ihre Kör-pertemperatur konstant bei ca. 35° C zu halten . Dadurch ge-lingt es ihnen, so anheimelnde Biotope wie die Arktis und das Hochgebirge zu besiedeln. Ein Honigbiene, die verrückt genug ist, bei solchen Horror-temperaturen den Fuß vor den Stock zu setzen, entwickelt bes-tenfalls die Flugeigenschaften einer Miesmuschel. Bestäubun-gen bei nasskaltem Frühjahrs-sauwetter gehen daher zu einem Großteil auf das Konto der Hummeln.

Hummeln sind zwar, wie alle Insekten, nur wechselwarm, dennoch haben sie eine geniale Form der „Heizung“ entwickelt, die sie bis zu einem gewissen Grad un-abhängig vom Wetterbericht macht.

Sie lassen die Muskeln spielen!

Die mächtige Flugmuskulatur einer Hummel läßt Schwarzenegger wie einen Magersüchtigen wirken, der gesamte Brustabschnitt des Insekts ist vollgepackt damit. Wenn sich die Muskeln kräftig kontrahieren, bewegen sich die Flügel und die Hummel fliegt.

Logisch!

Nicht unbedingt logisch ist dagegen die Fähigkeit die Flügel auszukoppeln!

Bildlich gesprochen gibt die Hummel Vollgas bis die Flugmuskeln aufröhren, tritt aber gleichzeitig voll auf die Kupplung. Und schon wird´s mollig warm! Ab 30° C ist die minimale Betriebstemperatur für den Flug erreicht, die Hummel läßt die Kupplung kommen und ab geht´s. Der gleiche Mechanismus wird auch eingesetzt um die Brut zu wärmen und die optimale Nesttemperatur von ca. 30°C zu erreichen.

Energetisch gesehen ist das Gan-ze ein ziemliches Fiasko, vor al-lem bei tiefen Außentemperatu-ren. Eine energiesparende Hum-mel ist eine tote Hummel! Allein der Flug – ohne Zusatzheizung – verschlingt 0,07 mg Zucker pro Minute, bei einem Körper-gewicht von 200 mg. Ein 70 kg schwerer Mensch würde bei glei-cher Stoffwechselrate 1,5 kg Zucker pro Stunde verheizen. Und das, ohne zuzunehmen!

Eine Hummel kann sich keine Ölkrise leisten, der Nektar muß fließen, um jeden Preis.

Die ersten Arten erscheinen schon im März, bei unserem Kli-ma eine riskante Angelegenheit. Die Hummelkönigin besitzt lediglich genug Spermareserven für den Rest ihres Lebens, alles andere muß sie selbst organisieren. (Gäbe es eine Hummelgewerkschaft, würde sie wegen lausiger Arbeitsbedingungen permanent zum Streik aufrufen). Die Königin benötigt ausreichend Pollen und Nektar um die Brut und sich selbst zu ernähren, das Nest zu wärmen und Sammelflüge durchzuführen. Wenn die ersten Trachtpflanzen (Purpurote Taubnessel, Weidenkätzchen, Johannisbeere und Stachelbeere) nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen oder ein mas-siver Kälteeinbruch erfolgt, wird’s knapp!

Eigentlich wollte ich meine Johannisbeersträucher schon vor die Tür setzen, bis ich zufällig von ihrer Bedeutung für die Hummel-Airlines erfuhr.

Die Hummel brummelt emsig weiter in Richtung Johannisbeerstrauch, frisch aufgetankt mit Taubnesselnektar Jahrgang 2000.

Time is honey!

Da sie sich nicht mehr für Spal-ten und Mauselöcher, sondern in erster Linie für Treibstoff inte-ressiert, hat sie bereits irgendwo eine Kolonie gegründet, die sie jetzt versorgen muß. Unserem sündteuren Schwegler Holzbetonhummelnistkasten gönnt sie daher keinen Blick.

Banausin!

Dabei war er jedes Jahr erfolgreich besetzt. Im letzten Sommer diente er z.B. einer Maus als luxuriöse Residenz. Bei bester Verpflegung, wie drei Hände voll aufgenagter Kerne bewiesen. Im Jahr davor verlebte eine A-meisenkolonie ungestörte Mona-te, ohne daß ständig jemand in ihr Wohnzimmer latschte.

Das ist das Nette an einem naturnahen Garten: Natur ist eigen-sinnig und interessiert sich oft nicht die Bohne für unsere liebe-volle Planung.

Dieses Frühjahr möchte ich end-lich einen der haarigen Nektarjä-ger als Mieter. Eberhard von Ha-gen gibt in seinem Buch einen präzisen Schlachtplan zum Ansiedeln von Hummelköniginnen. Der Nistkasten ist hummelge-recht möbliert, das Fernglas parkt auf dem Fensterbrett und das klassische Fanggerät eines Hummeljägers, die Klopapier-papprolle, steht im Vorhaus auf Abruf bereit. Naturgrau, von Al-di.

Halali!

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
Herzogstandstraße 4. 21
85435 ERDING, 2005
OHL REITS RISÖRFD

http://www.bauches-lust.de/naturgarten/index.html

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