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Antwort auf: Flächendeckende Erfassung von Hummeln als Langzeitprojekt

#25905
AvatarMartin
Forenmitglied
Buchtip:

So etwas schwebt mir (und einem anderen Mitglied aus dem ehemaligen Hummelforum) schon seit Jahren vor. Hatte mir sogar QGis installiert und fertige Lösungen (z.B. indicia.org.uk, UK ist Vorreiter auf dem Gebiet) angesehen. Allein, mir selbst fehlt die Motivation. Und jetzt kommt eh noch die DSGVO als bürokratisches Hindernis dazu.

Hummeln sind so eine schwierige Gattung, dass ich mich da auch nicht auf die Bestimmung von Laien verlassen wollen würde. Denn dann kann man es meiner Meinung nach auch gleich bleiben lassen, wenn man irgendeinen wissenschaftlichen Anspruch hat bzw. ernst genommen werden will. Das endet sonst wie bei naturgucker, wo z.B. fast ausgestorbene Hummelarten angeblich mitten in Köln vorkommen sollen und trotzdem ohne irgendeinen Beleg akzeptiert werden.

Andere Länder machen es bereits vor, wie es geht. Sie lassen “Citizen Scientists” Bilder einer Hummel hochladen und anschließend wird diese von Experten bestimmt.

Hier wie es meiner Meinung nach ablaufen sollte:

1. User lädt intern Bilder hoch und gibt den Fundort an bzw. dieser wird aus den EXIF-Daten gelesen und muss nur vom User bestätigt werden.
2. Bilder werden auf Tauglichkeit überprüft (z.B. unscharfe Bilder direkt abgelehnt), im Idealfall natürlich durch einen Algorithmus. :D
3. Aus einem Pool von Experten werden zwei ausgesucht, passend bspw. zur Region (Plausibilität! Regionale Farbvarianten.). Oder im Falle einer Gebirgshummel natürlich bevorzugt jemand, der sich sehr gut mit alpinen Arten auskennt.
4. Die zwei Experten bekommen die Bilder angezeigt und geben unabhängig voneinander (blind – also jeweils ohne zu sehen, was andere bereits dazu gesagt haben) ihre Bestimmung ab oder lehnen die Hummel als unbestimmbar ab.
5. Algorithmus überprüft ob beide Experten einer Meinung sind. Wenn ja, wird die Hummel als bestimmt markiert und öffentlich sichtbar aufgenommen. Wenn nicht gilt die Hummel als unbestimmbar und wird abgelehnt.
6. Bilder werden archiviert, um jede Bestimmung auch in Zukunft überprüfbar zu machen.

Diese Art Vier-Augen-Prinzip mag übertrieben erscheinen, stellt aber sicher, dass jedes Tier genau untersucht wird und wirklich nur eindeutige Belege akzeptiert werden. Ich halte mich gewiss nicht für einen Experten, aber selbst nach zehn Jahren unterlaufen mir da noch Fehler oder werde ich von einer seltsamen Farbvariante genarrt. Und das ist bei den eigenen Bildern. Fremde Bilder erhöhen meiner Erfahrung nach den Schwierigkeitsgrad spürbar. Mir fällt es dann deutlich schwerer die Merkmale einzuordnen.

Leider fehlt es im deutschsprachigen Raum einfach an Experten, die Hummeln sicher von Bildern bestimmen können. Deswegen wird das nicht machbar sein. Auch sind viele Arten nur auf wirklich scharfen Bildern aus verschiedenen bzw. bestimmten Perspektiven zu erkennen. Das werden die wenigsten (Smartphones) wohl liefern können oder wollen. Da werden auch einige schnell frustriert aufgeben, wenn sie nur “irgendeine Kuckuckshummel” als Antwort bekommen.

Ein gutes Vorbild ist auch kerbtier.de.

So und jetzt warte ich genüsslich auf Lucs undiplomatisch bissigen Kommentar. ;)